Nasenraub in Anderland
Der bunten Vielfalt auf der Spur

von Melanie Laibl

€ 25,90
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Illustrationen: Alexander Strohmaier
Verlag: Luftschacht
Format: Hardcover
Genre: Kinder- und Jugendbücher/Sachbücher, Sachbilderbücher/Tiere, Pflanzen, Natur, Umwelt
Umfang: 80 Seiten
Erscheinungsdatum: 01.09.2014


Rezension aus FALTER 50/2014

Wildwüchse und Auswüchse aller Art

Wie genial: Ein neues Kinderbuch über die bunte Sortenvielfalt von Obst und Gemüse

Angefangen hat alles mit einer Aubergine, die Melanie Laibl vor fünf Jahren beim Gemüsehändler ihres Vertrauens auf dem Währinger Kutschkermarkt entdeckte. Die pralle, glänzende, lila-weiß marmorierte Eierfrucht hörte auf den schönen Sortennamen "Listada de Gandia" und hatte unter dem grünen Blattansatz einen frechen, aufgebogenen Auswuchs, der aussah wie eine lange Nase. Kurzum: Ein echter "culinary misfit", wie solche krummen, verwachsenen, mutierten Gemüsefrüchte auf Neusprech heißen. Laibl kaufte die vorwitzige Nasenträgerin, fotografierte sie vorm Verspeisen, stellte das Foto auf ihren Schreibtisch und dachte bei sich: "Du kriegst einmal eine Geschichte".
Jetzt ist diese Geschichte fertig. Fix und fertig verpackt in eins der außergewöhnlichsten Kinderbücher des Bücherherbsts. Das ist nicht weiter überraschend, denn Laibl, Jahrgang 1973, profiliert sich schon länger als Autorin, die mit leichter Hand ein originelles und beschwingtes Kinderbuch nach dem anderen aus dem Ärmel schüttelt – von ihrer famosen, unverzeihlicherweise vergriffenen Reisegeschichte in Reimen "Der Waldwicht fliegt in den Oman" (kookbooks) über "Von der Krähe, die einen Vogel hat" (Luftschacht Verlag) bis zu ihrem jüngsten Streich, "Der katzofantastische Wunsch-Automat" (Residenz Verlag), in dem es um Aberglaube und Wunscherfüllung geht.
Melanie Laibl ist, wenn man so will, auf dem besten Weg, sich zu einer würdigen Nachfolgerin von Mira Lobe zu entwickeln. In dem Wiener Illustrator Alexander Strohmaier und seinen farbenprächtigen, expressiven Zeichnungen hat die Autorin schon einige Male einen kongenialen Partner gefunden. So auch diesmal für "Nasenraub in Anderland".

Im Zentrum des Kinderbuchs steht die wunderbar herrische Königin "Aubergine, die Nasenprächtige", die großnäsig und selbstbewusst über ihr Vielfaltsreich namens "Anderland" herrscht, in dem es "nun einmal normal ist, nicht normal zu sein". In Anderland zählen "Wildwüchse und Auswüchse aller Art, wie eben die majestätische Melanzani-Nase".
Ihre Zofe ist die zauberhaft schöne, rundliche Erdbeere "Mieze Schindler", ein "Freiherr von und zu Erdbeermais" der würdige Hofmarschall und ein Vertreter der Tomatensorte "Fuzzy Wuzzy" der spaßige Hofnarr. Das plötzliche Verschwinden der königlichen Nase setzt einen Krimiplot in Gang, in dem nicht nur Agentin 008, eine Reisetomate, zum Einsatz kommt, sondern auch Erdapfelkommissar "Blauer Schwede" und sein Assistent "Langer Jan", eine besonders tollpatschige Lauchstange. Nachgegangen wird unter anderem der Frage, ob die "Normalitätsspione" und "Langeweilergemüse" aus dem benachbarten "Fadasien" als Täter infrage kommen.
Farbenprächtig tritt dieses verspielte und sprachverliebte "Sach-Geschichten-Buch" den erfrischenden Beweis an, dass man Kindern – und ihren Eltern – den Wert der Gemüse- und Obstsortenvielfalt auch ohne Zeigefinger-Wedeln und moralischen Unterton näherbringen kann. Wie nebenbei bekommt man hier gleich Dutzende Namen rarer und besonderer Gemüse- und Obstsorten serviert, die als Kinderbuchfiguren personifiziert erst so richtig Charakter bekommen. Wer mehr wissen will, kann die ergänzenden Wissenskästen lesen, die von den Experten der Arche Noah einem Faktencheck unterzogen wurden. "Das Buch bietet jede Menge Stoff, etwas zu hinterfragen oder selbst auszuprobieren", lobt Marion Schwarz von der Arche Noah. Was genau "Nützlinge" sind, erfährt man hier etwa, zudem gibt es Beschreibungen aller vorkommenden Sorten.

Und nicht nur das: Auch als Produkt ist "Nasenraub in Anderland" etwas ganz Besonderes. "Das ganze Buch ist komplett kompostierbar – was jetzt keine Handlungsanweisung sein soll!", scherzt Verleger Jürgen Lagger vom Wiener Luftschacht Verlag. Es ist mit Pflanzenölfarben gedruckt, klimaneutral, absolut ungiftig, säurefrei und ohne Folierung, auf Papier aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern.
Mehr geht wirklich nicht, um in der Ausstattung eines Buches seinem Thema gerecht zu werden. "Mir haben schon ein paar Leute gesagt, dass es besonders gut und so ganz anders riecht als andere Bücher", sagt Autorin Laibl. Daher: Witterung aufnehmen und lesen!

Julia Kospach in FALTER 50/2014 vom 12.12.2014 (S. 46)


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