WIEN RENNT
Die schönsten Laufstrecken der Stadt

von Thomas Rottenberg, Rittberger+Knapp / www.rittbergerknapp.com

€ 14,80
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Empf. Lesealter: ab 10 bis 100 Jahre
Verlag: Rittberger & Knapp
FSK: ab 0
Genre: Reisen/Reiseführer/Sportreisen, Aktivreisen
Umfang: 178 Seiten
Erscheinungsdatum: 08.04.2016


Rezension aus FALTER 12/2016

Laufend vermessen

Thomas Rottenberg hat sich Wien erlaufen. In seinem Buch stellt er 16 ideale Routen vor und erzählt bewegte Stadtgeschichten dazu

Die kleine City-Runde zum Beispiel. Einmal um den Ring laufen, exakt 5,3 Kilometer, auf Asphalt, unter den jetzt bald einmal aufblühenden, leuchtend zitronengrünen Linden, entlang von Wiens bekanntesten Repräsentationsgebäuden und Parks: dem Stadtpark, der Oper, dem Burggarten, dem Parlament, dem Rathaus, dem Burgtheater.
Was nach einem prachtvollen und einfachen „Sight-Run“, also einer sportlichen Touristenlaufrunde, klingt, hat seine Tücken. Der Ring ist nicht brettleben, sondern geht bergauf. Die Talstation heißt Museum für angewandte Kunst (Mak), von dort weg geht es Richtung Oper stetig nach oben.
Das ist nur einer von mehreren Hinweisen, die Falter-Autor und Lauffanatiker Thomas Rottenberg in seinem neuen Buch „Wien rennt“ auf den Beipackzettel zu seinen 16 Wiener Laufrouten geschrieben hat.

Zur kleinen City-Runde empfiehlt Rottenberg etwa einen Abstecher in den Volksgarten, zum Theseustempel, wo täglich um acht Uhr „Herr Li“ eine kostenlose Tai-Chi-Stunde abhält. Und das bei jedem Wetter und wirklich für jeden. Auch Bundespräsident Heinz Fischer soll am Weg in die Arbeit schon mitgemacht haben.
Wer durchtrainierte Körper bewundern will, dem rät Rottenberg einen Abstecher zum Donaukanal, zwischen Roßauer Lände und Friedensbrücke, auf die inoffizielle „Körperoptimierungsmeile“ Wiens. Dort drillen sich freiwillige Sklaven der Fitness-App „Freeletics“, liebevoll „Freeletics“ genannt. An den Geräten und Klettergerüsten schwitzen die – laut Rottenberg sehr ansehnlich mit Muskeln bepackten – Herren der Neigungsgruppe „International Streetworkout“.

Genau das macht den Reiz von „Wien rennt“ aus. Es erklärt nicht nur, wo es sich in Wien gut laufen lässt, sondern führt an alle möglichen Orte der Stadt – bekannte wie solche, von denen man nur über Mundpropaganda erfährt. Rottenberg hat die Stadt in den letzten Jahren im Lauftempo systematisch vermessen und kennt daher Orte, die andere, die lieber ins Auto steigen, mit der U-Bahn fahren oder in der Straßenbahn am Handy ihre Mails checken, einfach übersehen. „Wien rennt“ ist damit ein praktisches Laufroutenbuch – und gleichzeitig ein sehr persönlicher, lesenswerter Stadtführer.
Da bekommt sogar die Prater-Hauptallee, mit ihren 4,2 schnurgeraden Kilometern der „Backbone“ der Laufstadt Wien und, weil im Grunde sehr langweilig, Horror vieler Hobbyläufer, ihren Reiz. Rottenberg empfiehlt die Zeit auf dem „Strip“ für Sozialstudien zu nutzen – und dann unter der Südosttangente in Richtung Auenurwald abzubiegen. Wenige Laufminuten abseits der Asphaltpiste wartet ein Dschungel mit umgefallenen Bäumen, Biberkolonien und – derzeit – reichlich Bärlauch.
Bis es soweit ist, bieten Outfits, Laufstil und -technik auf der Hauptallee viel zu schauen und vor allem dazuzulernen. Etwa wenn Spitzenläufer schwere- und lautlos an einem vorbeifliegen. Berühmt ist ein älterer Herr, der die Allee bei jedem Wetter oben ohne abtrabt, unbeeindruckt von fremdfrierenden, besorgten Blicken. Auch Läufer haben ihren Ehrenkodex. Dabei gilt: „Regel eins, jedem seins.“ Man macht sich nie lustig. Schauen ist erlaubt. „Es geht um Freude. Um Lust. Um Vergnügen. Um etwas Schönes, das durchaus anstrengend sein kann“, beschreibt Rottenberg seine Laufphilosophie. Sein Buch ist nichts für Menschen, „für die ein Tag ohne Laktattest ein verlorener Tag ist“, oder solche, bei „denen der Trainingsplan vor dem Geburtstag der Kinder steht“. Es soll dem Laufen zurückgeben, was es in „theorie- und techniküberfrachteten Debatten, im verkopften Leistungsoptimierungswahn und verkniffener Zahlenfixiertheit“ zuletzt verloren hat. Die Lust an der Tat. Und am Stadtentdecken. Ziel erreicht.

Barbaba Tóth in FALTER 12/2016 vom 25.03.2016 (S. 43)


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