Gschichtn

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Kurzbeschreibung des Verlags:

Wer den Job als Arzt hinschmeißt, um mit seiner Band TURBOBIER durchzustarten und dann letztlich im Gefängnis zu spielen, wer auf China-Tour die mongolische Mafia verärgert, wer in Kambodscha knapp eine Busfahrt überlebt, um dann von Happy Cookies ausgeknockt zu werden, wer dem österreichischen Bundeskanzler zu einem Shitstorm verhilft, wer mit dem Wiener Bürgermeister im Rathaus Schallplatten bespricht, wer mit der Bierpartei der Nationalratswahl 1 Promille der Stimmen holt, um dann letzten Endes Bezirksrat zu werden – der sollte über all das ein Buch schreiben. Hat er getan, und Du hältst es in Händen.

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FALTER-Rezension

„Ich überrasche gern“

Der Turbobier-Sänger und Bierpartei-Gründer Marco Pogo stellt sein erstes Buch vor. Ein Gespräch über Satire, Seriosität und Simmering, über Bier, Punk, Politik sowie die Kunst des Pogotanzens

Pogo’s Empire“ steht dezent auf dem Türschild des Gewerbegebäudes in Simmering. Marco Pogo hat hier ein penibel aufgeräumtes Büro. Die Ordnung passt so gar nicht zum Klischee seiner Sauf- und Partyrockband Turbobier, die Musik für Menschen macht, denen Die Toten Hosen zu anspruchsvoll und Seiler & Speer zu leise sind. Im Lager nebenan wird gerade „TurboBier“ angeliefert, die Eigenmarke des Sängers, auch die Tonträger und Merchandiseartikel der Band sind hier untergebracht. Mit der Firma Pogo’s Empire bündelt der 34-Jährige seine diversen Aktivitäten.

Marco Pogo heißt eigentlich Dominik Wlazny. Der Musiker mit abgeschlossenem Medizinstudium ist auch Gründer und Aushängeschild der Bierpartei, für die er im Simmeringer Bezirksrat sitzt. Der Arztjob ruht, seit die Band Erfolge feiert; die Partei ist den Anfängen als Spaßprojekt, dem ein Turbobier-Song zugrunde liegt, längst entwachsen. Öffentlich tritt Wlazny stets unter seinem Künstlernamen auf: Der Musiker trägt als Erkennungsmerkmal eine schwarze Sonnenbrille, der Politiker ein Modell mit Fensterglas. Beim Gespräch verzichtet Marco Pogo auf beides.

Am 3. November stellt er im Volkstheater sein erstes Buch „Gschichtn“ vor, in dem er launig Episoden aus seinem Leben erzählt; am 13. und 14. November spielen Turbobier dort zwei Konzerte. „Unsere Fans sind laut und trinkfreudig, aber durchwegs gute Leute“, sagt er. „Intendant Kay Voges braucht also keine Angst zu haben, dass er sein Haus nach den beiden Abenden noch einmal renovieren muss – hoffe ich zumindest.“

Falter: Herr Pogo, was sehen Sie, wenn Sie morgens in den Spiegel schauen?

Marco Pogo: Augenringe, weil ich meine Abende gern in gemütlichen Beisln verbringe, momentan aber auch ziemlich beschäftigt bin, der Schlaf also etwas zu kurz kommt. Nach einem starken Kaffee und einmal Gesicht waschen plus Antifaltencreme passt das aber wieder.

Und wen sehen Sie im Spiegel?

Pogo: Mich als Privatperson, die ich auch noch bin, auch wenn das manchmal mit der Kunstfigur zu verschwimmen droht. Ich bin froh, dass ich in der Früh im Spiegel nicht gleich den Marco Pogo sehen muss, sondern dass mich da der Niki anschaut.

Sie sind studierter Mediziner, praktizierender Musiker, Bierunternehmer, Politiker und nun auch Buchautor. Was sind Sie am allermeisten?

Pogo: Musiker, denn das bin ich schon mein ganzes Leben. In letzter Zeit hat sich der Schwerpunkt durch die politischen Erfolge mit der Bierpartei verschoben, daher bin ich dank ständiger Medienauftritte derzeit wohl in erster Linie „Person des öffentlichen Lebens“, wie das so blöd heißt. Für mich sind die vielen Facetten meines kreativen Daseins leiwand, weil mir dadurch nicht fad wird. Und genau darauf sollte man im Leben achten, was auch immer man macht.

Die Schizophrenie klopft nie bei Ihnen an?

Pogo: Im Alltag ist es tatsächlich nicht immer ganz leicht. Bin ich privat in der U-Bahn unterwegs, werde ich oft als Marco Pogo erkannt. Die Gefahr, dass die Privatperson von der Kunstfigur überlagert werden könnte, ist mir aber durchaus bewusst. Daher nehme ich mir auch meine Auszeiten. Etwa, indem ich laufen gehe.

Marco Pogo beim Joggen – fällt das nicht unter rufschädigendes Verhalten?

Pogo: Ich hoffe, dass ich in meinem Dasein als Kunstfigur nicht andauernd vermittle, dass saufen rund um die Uhr das Leiwandste ist. Denn natürlich mache ich mir über Suchtproblematiken Gedanken und möchte das auch anklingen lassen. Den depperten Spruch „Wenn ich dich jetzt mit einer Wasserflasche fotografiere, kannst du deine Karriere einstampfen“ höre ich trotzdem ständig.

In Ihrem Buchdebüt „Gschichtn“ erzählen Sie Episoden aus Ihrem Leben. Den naheliegenden Titel „Bierografie“ heben Sie sich aber lieber auf, falls Sie einmal Bundeskanzler oder Bundespräsident werden, schreiben Sie. Hat Sie Sebastian Kurz’ „Beiseitetreten“ diesem Lebensziel näher gebracht?

Pogo: Ich glaube schon. Schaue ich mir die Stimmung im Netz und den diversen Foren an, ist die Unzufriedenheit sehr, sehr groß. Das kann eigentlich nur regen Zulauf zur Bierpartei bedeuten. Wir gelten zwar als Spaß- und Satirepartei, verglichen mit dem Kasperltheater gegenwärtiger Nationalratssitzungen empfinde ich die Bierpartei aber als ausgleichenden Ruhepol in der politischen Landschaft Österreichs.

Wäre die Bierpartei für vorgezogene Neuwahlen gewappnet?

Pogo: Wir sind noch eine sehr kleine politische Gruppierung, aber der Zulauf ist groß. Täglich schreiben unzählige Leute und fragen, wie sie sich einbringen können. Seit der letzten Wien-Wahl sind wir mit elf Mandaten in Wiener Bezirksräten vertreten. Unsere Strukturen stehen zwar immer noch nicht ganz. Aber selbst wenn bald schon gewählt wird, kann ich mir gut vorstellen, bundesweit dabei zu sein.

Sie sind inzwischen seit einem knappen Jahr Bezirksrat in Simmering. Wie sieht denn der politische Alltag aus?

Pogo: Wir sitzen seit der letztjährigen Wien-Wahl in den großen Flächenbezirken und bringen mehr Anträge ein, als es dem politischen Mitbewerber lieb ist. Knapp 300 waren es bis dato, vielleicht auch als Antwort auf den Vorwurf, wir wären eine reine Spaßtruppe. Ich überrasche gern.

Sie fordern, Ihrem Wahlprogramm entsprechend, 300 öffentliche Bierbrunnen zu errichten und das Bier-Mischgetränk Radler abzuschaffen?

Pogo: Mitnichten, obwohl ich das Projekt Bierbrunnen natürlich mit Nachdruck verfolge, ebenso die Verbannung von Biermischgetränken aus dem öffentlichen Raum. Wenn ich sage, dass der Radler gefährlich ist, pflichtet mir die Wissenschaft ja durchaus bei. Der Radler enthält urviel Zucker, was für die Volksgesundheit verheerend ist. Tatsächlich reichen unsere Anträge von Resolutionen gegen die Abschiebung von Kindern über die Forderung nach „(S)Aufenthaltszonen“ im Lockdown, wo Jugendliche nicht angefeindet werden, bis zu profanen Verkehrsthemen. Etwa, dass irgendwo ein Pfosten umgeschnitten gehört, weil wir in Wien ohnedies schon genug Pfosten haben.

Simmering sei der schönste Bezirk der Welt, haben Sie zur Angelobung erklärt. Was genau ist an Simmering so toll?

Pogo: Architektonisch ist Simmering kein Florenz, aber es ist ehrlich. Die Leute sind bodenständig und herzlich, und der Bezirk ist bunter, als man glauben möchte, das macht ihn abwechslungsreich, spannend und angenehm. Leistbar ist er obendrein. Kulturell hat Simmering noch Luft nach oben. Mir schreiben immer wieder junge Leute, die Bands, aber keinen Proberaum haben. Nicht einmal ich selbst habe einen! Ich würde aus Bezirksmitteln ein Kulturzentrum als Treffpunkt, Anlaufstelle und Ort des Austauschs errichten, an dem es unkompliziert möglich ist, dass sich junge Menschen in ihrer Kreativität austoben.

Schlägt tief drin unter Ihrem Bierpanzer eigentlich ein sozialdemokratisches Herz?

Pogo: Ich war nie in einer anderen politischen Gruppierung als der Bierpartei. Dass ich kein Rechter bin, ist kein Geheimnis, ebenso wenig, dass ich in meiner Politik eine soziale Haltung gepaart mit Bierseligkeit verbinde. Als ich erstmals das Kürzel „BIER“ auf den Wahlzettel gebracht habe, hätte ich eigentlich damit gerechnet, dass sich auch Wählerinnen und Wähler der FPÖ angesprochen fühlen. Durch Aussagen abseits der Bierverherrlichung checken die aber schnell: „Hey, der denkt überhaupt nicht wie wir!“

Mit wem würden Sie denn lieber einmal saufen gehen, mit FPÖ-Kampfhund Kickl oder mit Altkanzler Kurz?

Pogo: Mit Herbert Kickl ist es, bei aller Aversion, vermutlich lustiger. Zudem verträgt Kurz sicher gar nichts.

Und wie verhält es sich beim Skandalduo Strache und Kurz?

Pogo: Ganz klar: Strache. Dass der einiges trinken kann, weiß man, obendrein könnte ich ihn bei dieser Gelegenheit endlich fragen, wie man in diese Ibiza-Falle dermaßen mit Anlauf hineinspringen kann, ohne irgendwas zu checken. So ließe sich im Rausch womöglich eines der letzten großen Rätsel der Menschheit ergründen.

Sie teilen sich mit Kurz das Geburtsjahr 1986, wie er sind Sie zwischen Wien und Niederösterreich aufgewachsen. Warum führte Ihr Weg in eine Punkband und nicht in die Junge ÖVP?

Pogo: Sebastian Kurz hatte anscheinend einen schlechten Umgang und die falschen Freunde. Wahrscheinlich ist er da irgendwie reingerutscht, seine Eltern haben sich sicher auch Sorgen gemacht. Was machen die eigentlich bei der JVP? Man will es vielleicht gar nicht so genau wissen. Ich hatte einfach Glück und habe mich derart schlechten Milieus schon als Teenager ferngehalten. Meine Gymnasiumszeit habe ich in Hollabrunn verbracht. Mit dem Alten Schlachthof gab es dort genau jenen Ort des Austauschs, den ich mir für Simmering wünsche. Gibt es eine Bühne, wollen auch die Jungen da irgendwann draufstehen, also bilden sich Allianzen. So ist es auch bei mir gelaufen. Wir haben aber nicht nur selbst Musik gemacht, sondern auch in jungen Jahren schon veranstaltet. Völlig unkommerziell, es ging uns um die Förderung alternativer Musikkultur. Der eine hat Eintritt kassiert, der Nächste die Bar betreut und so weiter. Das war offenbar der bessere Umgang als bei Sebastian Kurz, ich bin auch bis heute sehr froh über diese Möglichkeiten und diese nicht zuletzt politische Prägung, die ich dort hatte.

Wie kommt man als junger Punkrocker auf die Idee, Medizin zu studieren?

Pogo: Ich wollte von Kind an Arzt werden. Und wie so oft in meinem Leben: Wenn ich mir etwas einbilde, ziehe ich es durch. Auch wenn es zach ist, und dieses Studium ist urzach. Ich bereue es nicht, denn es ist ein wunderbarer Beruf. Natürlich gibt es das Klischee, dass Medizin nur Gspritzte und Arztkinder studieren. Ich bin nichts von beidem, und ich habe auf der Uni genügend coole Leute kennengelernt, die daheim keine Ordination zum Übernehmen haben.

Obwohl Sie immer Bands hatten, waren Sie mit 25 fertig studierter Arzt. Steckt hinter der Fassade des Bier-Gaudi-Typen ein perfekt organisierter Streber?

Pogo: Da ist vielleicht was dran. Perfekt organisiert nicht immer, aber zum Glück war es für mich nie ein Problem, ein ganzes Telefonbuch auswendig zu lernen. Diese Gabe hilft beim Medizinstudium extrem.

In Ihrem Buch erzählen Sie von internationalen Konzerttourneen. Was verschlägt eine unbekannte österreichische Band denn ausgerechnet nach Russland
und China?

Pogo: Da standen jeweils Anfragen im Raum, und mein Motto lautete immer: „No jo, wenn ma’s ned mocht, wird ma nie wissn, wie’s gwesn wär.“ Also habe ich möglichst alles durchgezogen.

Was war in all den Jahren als Musiker Ihre unangenehmste Konzerterfahrung?

Pogo: Bei einem der letzten Konzerte vor der Pandemie ist mir während der Show die Kniescheibe herausgesprungen. Das hat mich traumatisiert, und ich war mir lange Zeit nicht sicher, wie ich mich künftig auf der Bühne verhalten soll, damit das nicht wieder passiert. Mitten im Konzert auf der Bühne liegen zu bleiben und sich nicht mehr rühren zu können, ist bitter. Für die Fans, für die das Konzert aus ist, für mich selbst natürlich auch. Inzwischen ist es ausgeheilt, und jetzt kann ich hoffentlich so lange wie Mick Jagger auf der Bühne herumhüpfen. Bei der China-Tour von ­Turbobier gab es einen Moment, der hätte ­meine Kniescheibe dauerhaft ruinieren können.

Wie das?

Pogo: Dieses Konzert wurde von der Mafia veranstaltet, und in meiner Euphorie und Großmäuligkeit habe ich natürlich genau den einen zuvor von einem sympathischen Punk aufgeschnappten chinesischen Spruch gebracht, vor dem mich der lokale Tourbegleiter in diesem Rahmen nachdrücklich gewarnt hatte. Tatsächlich herrschte sofort eisiges Schweigen im Raum, der Barkeeper hat die Situation dann gerettet. Bei so skurrilen Situationen im Ausland checkt man oft erst im Nachhinein, was da wirklich passiert ist. Vielleicht sollte ich nicht immer so frech sein.

Was haben Sie denn in China gesagt?

Pogo: „Maleka Bili“ oder so – was immer das heißen mag. Ich weiß es bis heute nicht.

Apropos frech: Noch als Bürgermeister zierte Michael Häupl mit Irokesenfrisur und ausgestrecktem Mittelfinger das Cover des ersten Turbobier-Albums. Käme auch Michael Ludwig als Turbobier-Coverfigur infrage?

Pogo: Nein, denn meines Wissens trinkt er überhaupt nichts. Der Intention, Altbürgermeister Häupl zu nehmen, lag schon seine hinlänglich bekannte Liebe zum Spritzwein zugrunde.

Was hatte Häupl, was Ludwig fehlt?

Pogo: Das Herz auf der Zunge. Häupl hatte keine Scheu davor, Dinge auszusprechen – manchmal vielleicht auch unüberlegt. So bin ich auch. Mir ist bewusst, dass es schiefgehen kann, im Affekt gleich loszulegen. Haut es aber hin, ist es doppelt so stark. Lieber sage ich einmal etwas Falsches, als permanent alles zu verkopfen.

Im Falter erklärte Ludwig zuletzt für seine Verhältnisse überraschend direkt, dass ihm die in Sachen Klima besorgten und gegen Stadtstraße und Lobautunnel protestierenden jungen Menschen herzlich egal sind. Wie sehen Sie das?

Pogo: Ich finde es generell erschreckend, wie ältere Männer die Ambitionen junger Menschen, aus dieser Krise etwas zu machen und tätig zu werden, herunterspielen und sie in ihrer Angst lächerlich machen. The kids are alright! Sie wollen die Welt aktiv verändern, und alles andere, als dem Respekt zu zollen, finde ich erbärmlich. Konkret wegen dieser Bauprojekte: Die Konzepte dahinter klingen, als seien sie aus den 80er-Jahren des letzten Jahrhunderts. Wir sollten heute eher drauf schauen, die Autos aus der Stadt hinauszubekommen, anstatt sie noch mehr hereinzuholen. Fährt man mit dem Auto, kann und soll man obendrein kein Bier trinken, also bin ich gleich doppelt und dreifach dagegen.

Täglicher Alkoholkonsum, auch in geringen Mengen, sei ein Indiz für Alkoholismus, lautet eine medizinische Regel. Wie sehen Sie als trinkender Arzt das?

Pogo: Ja, diese Regel stimmt. Man muss aufpassen, dass aus Lustempfinden und Genuss keine Gewohnheit wird. Das gilt natürlich nicht nur für Bier. Saufen ist untrennbar mit der österreichischen Seele verbunden. Entsprechend intensiv habe ich das in meiner satirischen Arbeit stets thematisiert, wobei Turbobier aber immer auch als Kritik daran gedacht war.

Wie stehen Sie eigentlich zur Boboisierung Ihres Lieblingsgetränks durch dieses Craft-Beer-Gschisti-Gschasti?

Pogo: Diversität empfinde ich im Leben immer als positiv, nicht nur bei Biergeschmacksnuancen. Vielfalt ist keine Gefährdung, sondern eine Bereicherung. Solange es nicht mit Limonaden gemischt wird, habe ich auch nichts gegen Craft-Beer.

Was sagt der Arzt: Warum ist die Impfquote hierzulande so niedrig?

Pogo: Das ist kein rein österreichisches Problem, bei uns liegt es vermutlich aber an mangelnder Aufklärung. Die Impfquote wird auch nur durch entsprechend anderes Agieren wirklich entscheidend zu heben sein. Denn an sich muss man kein Wissenschaftler sein, um zu wissen, dass diese Impfung eine gute Sache ist. Wie sehr die Politik um den heißen Brei „Impfpflicht“ herumtanzt, ist mir unverständlich. Dabei hätten wir einen Arzt als Gesundheitsminister. Und was kommt von ihm? Nichts!

Im August haben Sie mit Turbobier in der ausverkauften Open-Air-Arena gespielt und davor selbst Impfungen an Fans verabreicht. Wie ist das abgelaufen?

Pogo: Spannenderweise habe ich tatsächlich auch einige Skeptiker geimpft, die sich im persönlichen Gespräch von mir überzeugen ließen. Zuletzt hat mich die Akademie der Wissenschaften als „Impffluencer“ bezeichnet. Das war zwar nie meine Intention, aber klar ist eines: Aus dem Schlamassel kommen wir nur gemeinsam raus, und wenn irgendwer auf mich hört, will ich nichts unversucht lassen, ihnen meine Sicht der Dinge mitzugeben. Seine Meinung muss sich jeder selber bilden, ich will ja kein Oberlehrer sein. Aber ich kann nur bei jeder Gelegenheit betonen, dass es vernünftig ist, sich impfen zu lassen.

Abschließend zu einem erfreulicheren Thema: Wann haben Sie denn zuletzt
so richtig Pogo getanzt?

Pogo: In meiner Jugend. Heute würde ich mir wahrscheinlich ernsthaft wehtun. Bei Turbobier-Konzerten geht es aber immer schön zur Sache. Ich hoffe, dass dem auch im Volkstheater so sein wird. Tatsächlich habe ich noch nie in einem bestuhlten Raum gespielt, ganz einfach wird es mit dem Pogotanzen diesmal also nicht.

Wie würden Sie Laien denn die Kunst
des Pogotanzens erklären?

Pogo: Pogo ist der Tanz der Punks bei Konzerten, wobei das Wort „Tanz“ eigentlich ein Euphemismus für „ausgelassen und äußerst körperbetont feiern“ ist. Für Außenstehende kann Pogo wie eine Poscherei aussehen, tatsächlich ist alles immer liebevoll gemeint. 2016 gab es im Hollabrunner Stadtsaal, in dem ich einst auch meinen Maturaball hatte, das erste „TurboFest“. Am Höhepunkt des Abends haben rund tausend Leute Pogo getanzt. Ein hoher Lokalpolitiker, der von der Balustrade aus zusah, wollte angeblich die Polizei rufen, weil er das fidele Treiben für eine Massenschlägerei hielt. Dabei waren es nur feierwütige, Punkrock-affine Jugendliche. Etwas Schöneres gibt es eigentlich nicht.

Gerhard Stöger in Falter 43/2021 vom 29.10.2021 (S. 28)

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Produktdetails
Mehr Informationen
ISBN 9783904123495
Erscheinungsdatum 25.10.2021
Umfang 136 Seiten
Genre Belletristik/Comic, Cartoon, Humor, Satire
Format Hardcover
Verlag Seifert Verlag
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