Sonderstab Musik
Organisierte Plünderungen in Westeuropa 1940-45

von Willem de Vries

€ 25,80
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Vorwort: Fred K Prieberg
Verlag: Dittrich
Format: Hardcover
Genre: Geschichte/20. Jahrhundert (bis 1945)
Umfang: 384 Seiten
Erscheinungsdatum: 01.01.1998

Rezension aus FALTER 12/1999

Braune Tone

Musik als unpolitische Kunst? Musikwissenschaftler also als unpolitische Forscher, unschuldig nur den hehren, tonend bewegten Formen verpflichtet? So sauber, wie die deutsche und osterreichische Musikwissenschaft ihr Image nach dem Zweiten Weltkrieg gepflegt hat, war die Realität während der Zeit der NS-Diktatur nie. Lediglich die Legende eben von der "unpolitischen Kunst" Musik mag jenen dabei geholfen haben, eine Aufarbeitung der eigenen Geschichte zu verhindern, die wußten, was deren Ergebnis werden würde.
Über 50 Jahre nach dem Ende der Nazi-Herrschaft ist nun erstmals ein Buch erschienen, das die Rolle der Musikwissenschaft während des Dritten Reiches an einigen Beispielen untersucht. Der holländische Musikwissenschaftler und -journalist Willem de Vries weist in "Sonderstab Musik. Organisierte Plünderungen in Westeuropa 1940-45" ausführlich nach, inwieweit Musikwissenschaftler wie Herbert Gerigk und Wolfgang Boetticher (beide auch nach dem Krieg noch anerkannte Forscher) in die Enteignungen und Plünderungen des Sonderstabs Musik - einer Kommandoeinheit des Einsatzstabs Reichsleiter Rosenberg (ERR) - verwickelt waren und sich an ihnen bereicherten, ohne je an Rückgabe zu denken - exemplarisch geschildert am Privatbesitz des Komponisten Darius Milhaud und der Pianistin Wanda Landowska.
De Vries beschreibt aber auch die Strukturen deutscher Musikpolitik von 1928 bis 1945, schildert die involvierten Institutionen und zeigt, wiederum exemplarisch, den erschreckend hohen Grad auf, in dem sich die Forschung in den Dienst nationalsozialistischer Kulturpolitik nehmen ließ - etwa durch Verfälschungen von Briefen Robert Schumanns im Sinne einer rassenreinen Geschichte oder durch die Erstellung eines "Lexikons der Juden in der Musik" -, inklusive Autorenkontinuität bis weit in die Nachkriegszeit. Von einer umfassenden Aufarbeitung kann also noch keine Rede sein; umso mehr gibt Willem de Vries' Untersuchung nun auch für die Musikwissenschaft Anlaß, sich grundlegend mit ihrer eigenen Geschichte auseinanderzusetzten.

Carsten Fastner in FALTER 12/1999 vom 26.03.1999 (S. 34)


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