The Rolling Stones - Rip This Joint
Die Story zu jedem Song

von Steve Appleford, Martin Baltes

Derzeit nicht lieferbar

Verlag: Rockbuch Verlag Buhmann & Haeseler
Erscheinungsdatum: 01.01.2002

Rezension aus FALTER 41/2002

Drei neue Bücher zum vierzigjährigen Jubiläum der Rolling Stones belegen, dass die Herren Jagger & Co früher einmal geniale Arschlöcher und eher selten nüchtern waren.

Der Drogen- und Frauenkonsum war in den Sechziger- und Siebzigerjahren zweifellos eine der Hauptbeschäftigungen der "größten Rock-'n'-Roll-Band aller Zeiten": 1969 hatte sich der Kleptomane Brian Jones als erster Rockstar mit Pillen ins Nirwana befördert. In den Siebzigern stand Keith Richards kurz davor, es ihm mit Heroin nachzutun. Der schon immer etwas klügere Jagger hielt sich zumindest bei den ganz harten Drogen zurück, musste 1967 trotzdem wegen vier Amphetamintabletten für drei Tage in den Knast. Während die anderen koksten, ließ sich Bill Wyman einige der vor dem Hotel wartenden Mädchen nach oben bringen. 1966 verglichen die Stones, wie viele Groupies sie jeweils seit 1962 gevögelt hatten. Bill kam auf etwa 250, Brian auf 130 (die er regelmäßig auch noch mit einer Hundeleine verprügelte), Mick auf dreißig, Keith auf sechs und Charlie Watts auf null.

Genüsslich zelebriert Stephen Davis in seinem knapp 700 Seiten dicken Wälzer solche Details. Pompös hebt seine Biografie an: "Die Rolling Stones waren mehr als nur eine Rock-'n'-Roll-Band. Sie haben es auf sich genommen, uns neue Welten zu zeigen und neue Wege, wie man darin lebt." Aber schon 1972, als die Stones völlig zugeballert ihr Meisterwerk "Exile on Main Street" aufnahmen, geht Davis auf Distanz zu den Objekten seiner Bewunderung. Angewidert berichtet er von Orgien, Skandalen, persönlichen Rivalitäten, menschlichen Tiefschlägen.

Später erzählt er, wie Keith einem Fan die Gitarre klaut, der sie ihm lediglich zur Unterschrift hingehalten hat. Sessionmusiker speiste der notorisch geizige Rockmillionär Jagger mit Trinkgeldern ab, Mick Taylors Songschreiberqualitäten wurden unterdrückt, Ron Wood musste 18 Jahre den unterbezahlten, zugedröhnten Bandkasper mimen, bis ihn Jagger und Richards 1994 endlich zum vollwertigen Stones-Mitglied ernannten. Bei Davis sind die Stones tragikomische Helden, die die Geister, die sie unter Anleitung ihres ersten Managers Andrew Loog Oldham riefen, nicht mehr loswerden. Man bittet eben nicht ungestraft um Sympathie mit dem TeufelWahrscheinlich haben die ständigen Querelen aber zur Intensität der Musik beigetragen: In den Sechzigern veröffentlichten die selbst ernannten Bad Boys eine unsterbliche Single nach der anderen und von 1968 bis 1972 vier unbestritten klassische Alben. Selbst danach schafften sie es immer wieder, brillante Songs aufzunehmen. Steve Appleford liefert in seinem Buch zu jeder Eigenkomposition der Glimmer Twins die Story. So erfahren wir, dass Richards "Satisfaction" schon immer für einen blöden Song hielt und dass Jagger sich nicht scheute, in einer US-amerikanischen TV-Show "Let's spend some time together" statt des inkriminierten "the night" zu singenDie kulturhistorische Synthese zu Leben und Schaffen der Stones liefert schließlich Willi Winkler, der wortgewaltig die Studentenrevolte mit "Jumpin' Jack Flash" zusammenbringt, ausführlich die schillernde Gestalt Andrew Loog Oldham würdigt und sich als Fan der ganz frühen Stones outet, als sie seiner Meinung nach wirklich revolutionär und böse waren.

Darin sind sich die Biografen einig: Wirklich genial waren die Stones nur in den Sechzigerjahren. Dem soll hier zumindest teilweise widersprochen werden. Denn in den Sechzigern standen die Stones künstlerisch im Schatten der Beatles, die waren ihnen immer einen Schritt voraus. Bis "Jumpin' Jack Flash" mit seinem unglaublich coolen Gitarrenriff die große Ära der Stones einleitete. Da spielten die Stones herrlich arrogant, schmutzig und slick - trotz oder wegen aller Drogen und Skandale. Erst in den Achtzigern machten sich die Auflösungserscheinungen bemerkbar, wurden die Stones peinliche Rockmillionäre. Primus inter Pares: der prollige Keith Richards, der sich nicht entblödete, seiner Freundin Patti Hanson einen Song namens "Little T(itts) & A(ss)" zu widmen.

Thomas Askan Vierich in FALTER 41/2002 vom 11.10.2002 (S. 38)

Weiters in dieser Rezension besprochen:

Die Stones (Stephen Davis, Cäcilie Plieninger, Helmut Dierlamm)
Mick Jagger und die Rolling Stones (Willi Winkler)

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