Die Ökonomie der Maschine

von Charles Babbage, Mel Gooding

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Verlag: Kadmos
Erscheinungsdatum: 01.01.1999

Rezension aus FALTER 12/2000

Zu einer Zeit, da sich in England die Umstrukturierung der Gesellschaft im Zuge der industriellen Revolution in heftigen Klassenkämpfen entlud, mochte die Idee, dass sukzessive Steigerung der Produktivität mit dem Wohle aller kompatibel sei, einigermaßen kontrafaktisch anmuten. Nichtsdestotrotz verfocht sie der britische Mathematiker Charles Babbage in dem 1832 erschienenen Buch "The Economy of Machinery and Manufactures" mit größter Zuversicht.
Das unlängst in deutscher Übersetzung neu edierte Werk ist in vielerlei Hinsicht von Interesse: Es ist bietet unter anderem detaillierte Schilderungen der wirtschaftlichen und technischen Entwicklungen dieser Zeit sowie der damals herrschenden sozialen Verhältnisse - wovon im Übrigen auch der Babbage-Leser Karl Marx profitierte. Und so manches von damals ist auch heute virulent: die kreative Partizipation der in der industriellen Produktion tätigen Menschen beispielsweise oder Konzentrationsprozesse auf dem Markt - in diesem Zusammenhang verdient nicht zuletzt Babbages Kritik an der Kartellbildung im Verlagswesen Beachtung.
Die der Ökonomie gewidmeten Bücher mit populärwissenschaftlichem Charakter verlocken heutzutage allzu oft, indem sie unterschwellig den narzisstischen Dispositionen des Einzelnen entsprechen. Babbages Buch, das sich gleichfalls an eine breitere Öffentlichkeit wandte, war durchaus auch dazu angetan, den unternehmerischen Geist für neue Möglichkeiten zu entflammen. Deren lukrative Realisierung wird jedoch durchwegs unter dem Aspekt ihres gesamtgesellschaftlichen Nutzens sowie zusammen mit der "Ausdehnung des Reichs menschlicher Erkenntnis" gedacht.
In vielem war Babbage auch durchaus zukunftsweisend - etwa als Theoretiker der Arbeitsteilung oder als Konstrukteur von Rechenmaschinen. Dass sich die durchgängig kalkulierbaren Produktionsprozesse mit gesellschaftlichen Prozessen in gewisser Weise kurzschließen ließen, gilt es viel weniger als konzeptionellen Fehler denn als geschichtsmächtige Täuschung zu bedenken.

Meinhard Brandl in FALTER 12/2000 vom 24.03.2000 (S. 26)


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