Die Nase
Eine Petersburger Novelle nebst Entwürfen und einem Nasen-Fragment

von Nikolai W Gogol, Peter Urban

Derzeit nicht lieferbar

Illustrationen: Horst Hussel
Verlag: Friedenauer Presse
Format: Taschenbuch
Genre: Belletristik/Hauptwerk vor 1945
Umfang: 104 Seiten
Erscheinungsdatum: 01.01.2003

Rezension aus FALTER 32/2003

Und sei so gut, schick mir meine ,Nase'. Ich brauche Sie jetzt dringend." So schrieb Nicolaj Gogol am 18. Jänner 1836 an seinen Freund, den Literaturhistoriker M.P. Pogodin. Gogol hatte seine berühmte Novelle über die spontane Verselbstständigung des titelgebenden Körperteils bereits 1833/1834 in einer ersten Fassung ausgearbeitet und im März 1835 an den Moskovskij nabljudatel geschickt, der sie allerdings aufgrund ihrer angeblichen "Banalität und Trivialität" ablehnte. "Die Nase" erschien dann - nach einem chirurgischen Eingriff der Zensur - 1836 in der Zeitschrift Sovremennik des um zehn Jahre älteren Kollegen und Förderers Aleksandr Puskin, dessen Briefwechsel mit Gogol - ergänzt um weitere Dokumente dieser etwas ungleichen Freundschaft - in dem von dem Übersetzer Peter Urban kompilierten Band "Gogols Petersburger Jahre" veröffentlicht ist (der kürzeste der insgesamt vier Briefe Puskins an Gogol ist schnell zitiert: "Sie haben Recht - ich werde mich drum kümmern. Auf Wiedersehn"). Es ist leicht, gegen die Irrtümer früherer Jahrhunderte recht zu behalten, aber Gogols, von Urban neu übersetzte, um den Epilog der Erstausgabe und ein "Nasen-Fragment" bereicherte Petersburger Novelle gehört - in ihrer Mischung an absurdem Witz und der dem Autor eigenen Scharfsichtigkeit für in soziale Differenzen und charakterliche Idiosynkrasien - zu den großartigsten unter den schmalen Werken der Weltliteratur. Dass die Nase eines Tages einfach aus dem Gesicht des Kollegienassessors Kovalëv verschwindet, zunächst im Brot des Barbiers und hernach gar in voller Uniform auf dem Nevskij-Prospekt auftaucht (und zwar um drei Rangklassen höher als ihr Besitzer!), ist schon starker Tobak - und das zwanzig Jahre vor der Geburt Freuds! Der Witz besteht nicht zuletzt in der Mischung aus Entsetzen, Erstaunen und Gelassenheit, mit der der Vorfall von den Figuren und dem Erzähler hingenommen wird: "Man sage, was man will, solche Begebenheiten kommen vor auf der Welt; selten, aber sie kommen vor."

Klaus Nüchtern in FALTER 32/2003 vom 08.08.2003 (S. 51)

Weiters in dieser Rezension besprochen:

Gogols Petersburger Jahre (Peter Urban, Nikolaj Gogol, Aleksandr Puškin, Horst Hussel)

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