Legitimation des Weltregierens - Konstanten und Veränderungen von der Antike bis heute

Ein Vortrag im Rahmen des Studium Generale der Universität Tübingen im WS 2008/2009
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Kurzbeschreibung des Verlags:

Grundsätzlich lassen sich, wenn es um die Legitimation des Weltregierens geht, eine selbstbewusst-offensive und eine defensive Variante voneinander unterscheiden.
Die selbstbewusst-offensive Variante legitimiert die Vorherrschaft eines Zentrums über seine „Welt“ mit der Durchsetzung und Gewährleistung des Friedens: Wo zuvor offener Krieg oder zumindest latente Kriegsbereitschaft herrschte, ist nun Friede eingekehrt. In der Regel wird dieser Friede mit anderen Werten in Verbindung gebracht: als Voraussetzung für die Verwirklichung von Gerechtigkeit oder als Ermöglicher von Prosperität und Wohlergehen. Varianten dieser Legitimation sollen von den assyrischen und ägyptischen Reichen bis zu den Imperien der Briten, US-Amerikaner und Russen vorgestellt werden. Aber diese Legitimation ist fragil, kann sie doch von den Rändern und Peripherien der pazifizierten „Welt“ her in Frage gestellt werden. Eine andere Variante der Delegitimation besteht im Hinweis auf die Ausbeutung und Ausplünderung der Ränder und Peripherien der befriedeten Welt durch das Zentrum. Die Norm der Gerechtigkeit wird gegen den Wert des Friedens gekehrt und so ein Aufstand gegen die „Welt“-Regierung gerechtfertigt.
Dagegen setzt die normativ anspruchslosere defensive Legitimationsvariante auf die Selbst-behauptung der eigenen „Welt“ gegen die von außen andrängenden anderen „Welten“. Damit ist sie ideologiekritisch viel weniger angreifbar. Tatsächlich rekurriert diese Variante, die sich weniger auf Werte und Normen als auf den Anspruch der Selbstbehauptung beruft, überwiegend auf geo-politische oder geoökonomische Theorien, die Vorherrschaften festlegen und Grenzbereiche umschreiben. Wo sie über die Selbstbehauptung im Machtkampf hinausgeht, beruft sie sich auf im weitesten Sinne kulturelle Identitäten, die es zu verteidigen gelte. Wenn man so will, werden hier im Kern antiimperiale Muster für die Rechtfertigung imperialer Ansprüche fruchtbar gemacht. Das entspricht der Beobachtung, dass sich im westasiatisch-atlantischen Raum - im Gegensatz zu China - eine exzentrische Bewegung der Imperienbildung beobachten lässt: von Mesopotamien nach Amerika.
Abschließend soll ein Blick auf die Idee einer Weltföderation geworfen werden, wie sie von Abbé de St. Pierre, Rousseau und Kant entwickelt worden ist, und dieser Blick wird mit der Frage verbunden, ob dieses Konzept eine Alternative zu den beiden zuvor beschriebenen Legitimationsformen ist oder ob es sich bloß um eine ihrer Varianten handelt.

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Produktdetails
Mehr Informationen
ReiheWer regiert die Welt und mit welchem Recht?
ISBN 9783932444432
Ausgabe 1., Aufl.
Erscheinungsdatum 01.01.2009
Genre Politikwissenschaft/Vergleichende und internationale Politikwissenschaft
Format DVD
Verlag/Label Institut für Friedenspädagogik Tübingen
Empf. Lesealter ab 15 Jahre
Kamera Peter Wingert
Autor(en) Herfried Münkler
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