Paris Trout
Roman

von Pete Dexter

Derzeit nicht lieferbar

Übersetzung: Jürgen Bürger
Verlag: Liebeskind
Genre: Belletristik/Erzählende Literatur
Umfang: 416 Seiten
Erscheinungsdatum: 29.07.2008

Rezension aus FALTER 47/2008

Der Liebeskind-Verlag hat ein kriminalistisches Meisterwerk ausgegraben. Mit diesem Roman hat der Autor 1988 den National Book Award, einen der wichtigsten Buchpreise der USA, gewonnen – und zwar zu Recht. Dexter schildert mit biblischer Wucht, aber ohne jedes falsche Pathos eine finstere Geschichte aus einem Südstaatennest zu Beginn der 50er-Jahre: Paris Trout, ein weißer Geschäftsmann, fährt, um Schulden einzutreiben, in eine Schwarzensiedlung und erschießt dort "aus Versehen" ein farbiges Mädchen. Er wird zwar angeklagt, ist sich aber keiner Schuld bewusst.
Das Fiese und erzähltechnisch Brillante ist, dass Dexter diese Geschichte aus wechselnder Perspektive erzählt: Aus Sicht des Opfers, aus der von Trouts Anwalt Seagraves, von Trouts unglücklicher Ehefrau Hanna oder von Trout selbst. Eigentliche Hauptfigur ist Seagraves, der lange braucht, um sich aus einer gleichgültig-professionellen Haltung gegenüber Trout zu befreien und moralisch Stellung zu beziehen. Von Moral ist ohnehin wenig die Rede, dafür viel von Gewalt, Unterdrückung, Abhängigkeiten und einer sozialen Realität, die einen kaltblütigen Mord an einer jungen Schwarzen als "Kollateralschaden" einschätzt. Dexters Roman ist so etwas wie ein Vorläufer zu Cormac McCarthys "Kein Land für alte Männer". Vielleicht weniger poetisch, aber genauo finster.

Thomas Askan Vierich in FALTER 47/2008 vom 21.11.2008 (S. 21)


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