Der Vetter Basilio

von José Maria Eca de Queiroz

Derzeit nicht lieferbar

Verlag: Lynx
Erscheinungsdatum: 01.01.2002

Rezension aus FALTER 30/2002

Eine Frau, die im goldenen Käfig einer gutbürgerlichen Ehe sitzt, ist leichte Beute für Psychosen aller Art. Jedenfalls dann, wenn sie eine Romanfigur ist. Der 1900 verstorbene José Maria Eca de Queiroz treibt seine Luisa, die portugiesische Schwester von Effi Briest, vor Gram über ihr erotisches Abenteuer gar in den Tod. Ausgerechnet als ihr rühriger Gatte Jorge für mehrere Monate außer Haus ist, kehrt ihre Jugendliebe, "Der Vetter Basilio", nach Lissabon zurück. Der Macho alter Schule verführt die seinen Spielchen nicht gewachsene Dame. Als die Ehebrecherin von ihrem Dienstmädchen erpresst wird, lässt er sie fallen und flieht nach Paris. Luisa geht an der Last des schließlich von Jorge entdeckten Seitensprungs erst psychisch, dann körperlich zugrunde. Weiß der Teufel, warum ausgerechnet der politisch am rechten Rand orientierte Lynx-Verlag, der in einem Vorwort zu einem anderen Buch den österreichischen NS-Revisionisten Werner Pfeifenberger als "in den Freitod" getriebenen "Märtyrer" feiert, dieses emanzipatorische Stück Weltliteratur veröffentlichen musste. Wer den fragwürdigen Verlag nicht unterstützen will, kann via Antiquariat auf die Ausgabe des Aufbau-Verlags (1997) ausweichen.

Martin Droschke in FALTER 30/2002 vom 26.07.2002 (S. 50)


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