Der unsichtbare Kontinent
Die Entdeckung der Meerestiefe

von Robert Kunzig, Wolfgang Rhiel

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Verlag: marebuchverlag
Erscheinungsdatum: 01.01.2002

Rezension aus FALTER 41/2002

Eigentlich ist Österreich ja ein Binnenland. Doch dank Hans Hass und Rupert Riedl sind wir doch kein weißer Fleck auf der Landkarte der Meeresbiologie. Und so findet sich in Tim Ecotts Buch "Unter Wasser" sogar eine ausführliche, dem Fremdenverkehr förderliche Beschreibung des verschneiten Wien - bevor der britischer BBC-Korrespondent von einem Treffen mit der österreichischen Taucher- und Abenteurerlegende Hans Hass berichtet.

Ansonsten bewegt sich Ecott auf nicht weniger als 400 Seiten vor allem in der blauen Tiefe, die er eigentlich entdeckte, um ein Kindheitstrauma - den Tod seiner Mutter - zu verarbeiten. In seinem manchmal etwas holprig und allzu detailverliebt geschriebenen Werk wechseln sich bemüht spannend erzählte Abenteuergeschichten ("Als wir aus dem Wasser stiegen, hatte ich das Gefühl, aus der Hölle zurückzukehren") ab mit bisweilen allzu weitschweifigen Darstellungen der Geschichte und Technik des Tauchens.

Doch das ist noch lange nicht alles: Der Autor vermittelt alle tauchrelevanten physikalischen Gesetze bis hin zur Erklärung, warum dicke Menschen eher Opfer der Dekompensationskrankheit werden. Schliesslich lesen wir noch über Stickstoffnarkose, Sauerstoffvergiftung und Tieftauchrekorde ebenso wie über die Rollen der Ehefrauen von Jacques Cousteau und Hans Hass, dessen alten Filmen er einige Faszination abgewinnen kann ("braun gebrannt und photogen eine gute Portion Erotik unter der heißen Sonne Arabiens").

Doch auch das Erscheinungsbild der penisförmigen Seegurke hat es ihm angetan: "Sanft berührte ich dieses Lebewesen und sah zu, wie die äußere Hülle des Tieres langsam zurückwich wie die Vorhaut unter einer zärtlichen Berührung."Um einiges seriöser kommt "Der unsichtbare Kontinent" des Discover-Journalisten Robert Kunzig daher. Der in Frankreich lebende US-Amerikaner spart bewusst alle Klischees von Haiangriffen bis zum Sterben der Korallenriffe aus, um eine ausführliche Darstellung der wissenschaftlichen Erforschung der Meerestiefe vorzulegen. Dabei betont er die Unerforschtheit vor allem der Meeresböden, die laut Kunzig eine höhere Biodiversität beherbergen als etwa Regenwälder. Die Tatsache, dass wir heute eine genauere Vorstellung von der Oberfläche der Venus als vom Relief des Meeresbodens haben, liegt nicht nur an dessen Unzugänglichkeit, sondern auch an forschungspolitischen Entscheidungen, die Kunzig offen anprangert.

Seine überaus lesenswerten 400 Seiten beginnen mit der Entstehung der ersten Wassermoleküle im All und der Bildung von flüssigem Wasser auf der noch jungen Erde. Ein wichtiger Teil ist dem Meeresboden, dem geologisch jüngsten Teil unseres Globus, den mittelozeanischen Gräben und der Geschichte der Meeresgeologie bis zu den heutigen Theorien des Sea-Floor-Spreading und der Plattentektonik gewidmet. Der biologische Teil rekapituliert Haeckels fälschliche Annahme eines Urschleims namens Bathybius und die ebenso irrige Behauptung einer "azoischen Zone" am Meeresgrund durch Edward Forbes.

Schließlich begleitet Kunzig eine Reihe von Meeresbiologen bei ihren Forschungen, um eine Vielzahl kaum bekannter bis kurioser Meeresbewohner zu entdecken. Dabei begegnet man dem Röhrenwurm Riftia, der ohne Mund und Darm mithilfe von Schwefelbakterien überlebt, bioluminiszierenden Staatsquallen, Flügelschnecken und einem Ornithologen, der aufgrund seiner Federallergie zum Meeresbiologen wurde.

Michael C. Schroll in FALTER 41/2002 vom 11.10.2002 (S. 34)

Weiters in dieser Rezension besprochen:

Unter Wasser (Tim Ecott, Andrea Stumpf, Gabriele Werbeck)

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