Alt ist dieses, unser Sprechen
Gedichte. Zweisprachige Ausgabe Litauisch und Deutsch

von Jonas Mekas, Claudia Sinnig

€ 25,70
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Vorwort: Czeslaw Milosz
Übersetzung: Claudia Sinnig
Verlag: MATTO
Format: Hardcover
Genre: Belletristik/Zweisprachige Ausgaben/Deutsch-weitere Fremdsprachen
Umfang: 200 Seiten
Erscheinungsdatum: 01.01.2013


Rezension aus FALTER 13/2013

Der Lyriker Jonas Mekas: "Alt ist das Brausen des Regens in den Zweigen"

Bücher haben ihr eigenes Schicksal – und das mutet im Fall des Avantgardefilmers Jonas Mekas (Jg. 1922), der als Dichter im deutschsprachigen Raum kaum bekannt ist, noch dramatischer an. Mit 18 erlebt er die Besetzung seiner litauischen Heimat durch die Rote Armee, ein Jahr später folgt die Wehrmacht, gegen die er Flugblätter verfasst. ­Seine Flucht vor den zurückkehrenden ­Sowjets endet im Sommer 1944 in einem deutschen Arbeitslager; es folgen Jahre als displaced person.
Noch vor seiner Emigration in die USA veröffentlicht Jonas Mekas 1948 in Kassel einen ersten Gedichtband, "Die Semeniskiai-Idyllen", hektografiert in drei Exemplaren.
Die 26 hymnischen Beschwörungen seines Heimatdorfes heben "gegenständlich und dokumentarisch" an, wie Mekas sein Programm formulierte: "Alt ist das Brausen des Regens in den Zweigen der Sträucher, / ist das Kollern des Birkhahns im Morgenrot des Sommers, / alt ist dieses, unser Sprechen."
Ein unprätentiöser Schwenk führt über Felder und Leben am Dorf, hält inne beim Gesang der Drosseln, der Arbeit der Schmiede oder einem Bretterhaufen in der Sonne. Die ­Bilder werden im Jahreszeitenrhythmus vorangetrieben, ohne jegliche Scheu vor Ausrufen wie "Wunderbare Musik der Erde!"
Dass Volksliedton und Avantgardegestus nie in Widerspruch geraten, ist der Sparsamkeit der Mittel geschuldet, mit der bunte Wollberge am Markt oder das Wetter beschrieben werden. Der Literaturnobelpreisträger Czesław Miłosz attestierte dem Exilanten Jonas Mekas einmal, dessen "Idyllen" hätten sich etwas zunutze gemacht, das tiefer gehe als alles Heimweh, "und dieses Etwas ist die Kraft des Abstandes".
Suggestion und angespannte Distanz beherrschen auch die 1951 in New York entstandenen "Reminiszenzen" mit Bildern vom Chaos zu Kriegsende, Soldaten, befreiten KZ-Häftlingen und Flüchtlingsströmen durch Nachkriegsdeutschland. Daneben stehen Bilder vom Rhein, oder es heißt lakonisch: "Seltsam, wie glücklich jener Sommer war. / Selbst in der Not, beim Anstehen nach Essen, mit den Körben / und den Blechnäpfen – da war ein Leuchten, / von den Hängen, den Gärten, den kleinen Städten." Der euphorische Gruß an die Freiheit – "Oh Amerika" und "Oh, Du New York" endet mit einem dreifachen "Elend".
Mit Jonas Mekas ist ein großer Dichter des 20. Jahrhunderts zu entdecken!

Erich Klein in FALTER 13/2013 vom 29.03.2013 (S. 31)


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