Mjunik Disco
Von 1949 bis heute

von Mirko Hecktor

Derzeit nicht lieferbar

Verlag: Blumenbar
Erscheinungsdatum: 01.11.2008

Rezension aus FALTER 52/2008

Nicht wissen, wie viel Uhr es ist: Als München leuchtete

Nächstes Jahr feiern die Bundesrepublik Deutschland und die Münchner Diskothek P1 60. Geburtstag. In ihren besten Zeiten war Letztere das bayerische Pendant zum New Yorker Studio 54, wo Reiche, Schöne und der Rest der Bussibussi-Gesellschaft allnächtlich den Exzess zelebrierten.
In den 70ern und frühen 80ern galt das barocke München überhaupt als die Partyhochburg Europas. Hier tanzte Freddie Mercury schon mal mit nacktem Hintern an, hielt Disco­produzent Giorgio Moroder Hof, trank Keith Richards ausnahms­weise Champagner und fanden ab und an auch Straßenkehrer und Punks als exotischer Aufputz Einlass in Nobel­schuppen. Wie Thomas Mann es schon 1902 zu Papier gebracht hatte: "München leuchtete."

Das P1 ist heute ein Überlebender. Inzwischen haben andere Clubs wie das Why Not, das Tiffany und das Café Grössenwahn, aber auch später eröffnete Technotempel wie das Ultraschall längst dicht gemacht und sind ein Fall für die Geschichtsschreibung.
Der Partyveranstalter Mirko
Hecktor hat das Projekt angepackt und mit "Mjunik Disco" eine ebenso sehens- wie lesenswerte Chronik des Münchner Nachtlebens gestaltet. Der großformatige Band bietet eine angenehme Mischung aus Bild und Text, und er deckt von den großen Tanz­palästen bis zu kleinen Schuppen, von Porträts heute vergessener Szenefiguren wie etwa dem Popjournalisten Richard L. Wagner bis hin zu kurzen Interviews mit Stars wie DJ Hell ein breites Spektrum ab.

Sogar den schmierigen Boulevardreporter Michael Graeter, der als Vorbild für den Baby Schimmerlos in Helmut Dietls Serie "Kir Royal" diente, holte Hecktor wieder aus der Versenkung. Er verrät im Gespräch mit Moritz von Uslar: "Wir sind die Sizilianer Deutschlands." Und gibt in puncto Alkoholkonsum zu bedenken: "Bier ist Münchner Milch. Die kann man also auch zum Frühstück trinken, wenn man Durst hat. Wenn wir Vormittag haben, haben die Japaner Nachmittag. Der Körper weiß nicht, wie viel Uhr es ist."

Sebastian Fasthuber in FALTER 52/2008 vom 26.12.2008 (S. 33)


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