Welt Macht Geld
Ein Handbuch

von Georg Zoche

Derzeit nicht lieferbar

Verlag: Blumenbar
Erscheinungsdatum: 10.10.2009

Rezension aus FALTER 42/2009

Wo kam all das Geld her? Und wo ist es jetzt hin?

Kaufen: Ein Starökonom und ein Aktionskünstler untersuchen die Mechanik von Boom und Finanzkrach

Wo kam all das Geld her? Und wo ist es jetzt hin? Hat mein Geld jetzt ein anderer? Drei ziemlich simple Fragen, aber doch auch ziemlich komplizierte Fragen in Hinblick auf die gegenwärtige Finanzkrise. Denn Geld ist etwas Mysteriöses. Zunächst kann es aus dem Nichts entstehen. Und zwar durch Kredit. Und das geht so: Sparer tragen Geld auf die Bank. Die Bank vergibt das Geld als Kredit. Und für jeden Euro, den ein Sparer einzahlt, vergibt sie zehn, 20 Euro an Kredit. Aber damit ist das Spiel noch nicht zu Ende. Der Kreditnehmer gibt das Geld aus, andere nehmen es ein. Einen Teil dieser Einnahmen tragen sie zur Bank, die vergibt sie wieder mehrfach als Kredit. Im Boom dehnt sich das Kreditvolumen aus, in der Baisse schrumpft es zusammen. So "entsteht" und "verschwindet" Geld. Das Geld, das ich verliere, muss also nicht notwendigerweise bei einem anderen landen.
Aber das ist nicht das Ende vom Lied, und darauf weist der deutsche Aktionskünstler, Philosoph und Aktivist Georg Zoche in seinem schmalen Büchlein "Welt Macht Geld" hin: Zwar verlieren die Investoren Geld und auch diejenigen, denen sie ihr Geld anvertraut haben – die "Schuldner" –, können bankrottgehen. Aber es gibt immer Leute, die davon profitieren. Die Häuser, die in einer Immobilienblase gebaut werden, gibt es ja wirklich, und Baumeister, Installateure, Immobilienhändler und Banker sind die Gewinner der Blase. "Blasen vernichten kein Geld, sie schichten es lediglich im großen Stil um", behauptet Zoche. Das ist nicht ganz richtig, aber auch nicht ganz falsch.

Blasen können ein lukratives Geschäft sein, und in einer globalen Ökonomie können ganze Volkswirtschaften zu den "Gewinnern" zählen. Genau dar­auf weist Zoche hin. Die USA haben seit Jahren "über ihre Verhältnisse" gelebt, das heißt, sie haben auf Pump eingekauft. US-Dollars sind nach China, nach Europa, in den Nahen Osten geflossen, wurden dort aber natürlich nicht in Tresoren gestapelt, sondern wanderten in die USA zurück , wo mit dem Geld ein Immobilienboom aufgeblasen wurde.
Jetzt sind die Investitionen entwertet, aber die Häuser stehen immer noch. In den USA wuchs der Reichtum, aber das Risiko wurde exportiert. Zoche ist kein Ökonom, aber er argumentiert sauber. Nur: Er insinuiert auch ein wenig. Letztendlich, so glaubt Zoche, habe die US-Notenbank Fed genau gewusst, was sie tut, und auch genau gewusst, wie das endet, also naive Anleger aus aller Welt betrogen. Und damit schrammt er hart an einer Verschwörungstheorie vorbei. Ganz abgesehen davon, dass er auch nichts dazu sagt, dass auch die anderen einen Nutzen hatten: Die Güter, die die USA auf Pump kauften, trieben ja in Europa, in China die Konjunktur an.

Robert J. Shiller ist ein ganz anderer Typus als Zoche. Shiller ist jener Ökonom an der Yale University, der das Platzen der Immobilienblase und deren Folgen exakt prognostiziert hat und seither als Star gehandelt wird. Sein Buch "Die Subprime-Lösung" ist eine kluge, verständliche Einführung in die Mechanik von Boom und Zusammenbruch. Im ersten Teil beschreibt er die "soziale Ansteckung", die vom Glauben ausgeht, es würde immer weiter bergauf gehen, wenn es einmal eine Zeitlang bergauf gegangen ist. "Rückkopplungsschleifen" von Preisanstieg, Winner-Storys und hysterischem Optimismus befeuern die Blase. Plötzlich machen auch normale Leute mit bei der Jagd nach dem schnellen Geld. Man beginnt die Welt mit seltsamen Augen zu sehen: Preisanstieg von Immobilien wird als "Reichtumsgewinn" angesehen, obwohl hohe Hauspreise und hohe Mieten die meisten Menschen ja eigentlich ärmer machen und man umgekehrt doch eher sagen müsste, wenn "die Immobilienpreise im Verhältnis zu unserem Einkommen sinken, werden wir wohlhabender".

Im zweiten Teil seines knappen, klugen Buchs stellt Shiller die Frage, ob unsere Finanzprodukte simpler werden müssen. Dafür spricht ja einiges: Toxische "Wert"-Papiere wurden ja auch deshalb in hoher Zahl über die gesamte Welt verkauft, weil niemand mehr wusste, was sich in den raffinierten Verbriefungspapieren versteckte. Shiller will nicht zurück zum alten Sparen-verleihen-Bankgeschäft. Raffinierte Finanzprodukte können komplizierte Risiken absichern und zur Wohlstandsmehrung beitragen. Sie müssen nur so konstruiert sein, dass sie nicht zu tickenden Zeitbomben werden.

Robert Misik in FALTER 42/2009 vom 16.10.2009 (S. 40)

Weiters in dieser Rezension besprochen:

Die Subprime Lösung

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