Beim Giro d'Italia
Die Italien-Rundfahrt 1949 und das große Duell zwischen Fausto Coppi und Gino Bartali

von Dino Buzzati

€ 13,20
Lieferung in 2-7 Werktagen

Übersetzung: Michaela Heissenberger
Verlag: Covadonga
Genre: Ratgeber/Sport/Autosport, Motorradsport, Radsport, Flugsport
Umfang: 192 Seiten
Erscheinungsdatum: 24.04.2014


Rezension aus FALTER 37/2014

Wien rast los

Premieren: Mit dem "Gran Fondo Giro d'Italia Vienna" dürfen Hobbyradler erstmals über die Ringstraße flitzen, eine Woche später lädt der "Velothon Vienna" zur schnellen Ausfahrt

Mit den schweißtreibenden Etappen, Strapazen und legendären Heldenkämpfen des echten Giro d'Italia hat der Gran Fondo wenig zu tun. Aber auch er hat seine wohldosierten Anstrengungen. Gran Fondo steht im Italienischen für Ausdauer. Er ist das sportliche Hobbyfahrerformat des Giro d'Italia und soll neben italienischer Radsportleidenschaft diesen Sonntag auch ein wenig Dolce Vita nach Wien bringen.
Nach Metropolen wie New York und Miami ist Wien die erste europäische Stadt, in der der Mini-Giro gastiert, eine naheliegende Liaison mit touristischem Mehrwert für beide Seiten. "Österreicher lieben Italien und Italiener Wien", sagt Tom Kropiwnicki, der Veranstalter. Start, Zielpunkt und Home Base für das Rahmenprogramm ist das Ernst-Happel-Stadion.
Was den Italienern ihr "Gran Fondo", ist in Deutschland seit gut einem Jahrzehnt als "Jedermann-Rennen" populär. Und hierzulande kennt man seit den 1980ern den "Radmarathon". Alle drei Veranstaltungen sind sportliche Eintagesrennen für ambitionierte Hobbyathleten beiderlei Geschlechts und jeden Alters. Einen Jedermann-Radmarathon durch die Wiener City gab es allerdings noch nie.
Die Teilnehmer des Radklassikers "Rund um Wien" in den 1950er-Jahren oder anderer Distanzfahrten mit Wien als Ziel- oder Startpunkt waren Profis oder lizenzierte Amateure, die Route führte nicht durch die Innenstadt. Ein Veranstaltung wie der inzwischen traditionelle Vienna City Laufmarathon blieb Rennradlern bis dato verwehrt.

Dabei belegen die Statistiken: Radfahren ist mit Abstand der beliebteste Freizeitsport in Österreich. Immer mehr Radler wagen sich dabei auch aufs Rennrad und gehen sportlichere Distanzen an. Andere europäische Metropolen verfügen schon länger über ihre großen Radsportvents für den immer breitenwirksamer werdenden Sport. So locken beispielsweise ähnliche Veranstaltungen um die 22.000 Starter und rund 800.000 Zuschauer nach Hamburg. In Berlin liegen die durchschnittlichen Teilnehmerzahlen um die 13.000, fast 300.000 Menschen schauen beim Radeln zu. Ein Trend, den jetzt, mit ein wenig Verspätung, die Stadt Wien für sich entdeckt hat.
Dass man dazu einen langen Atmen braucht, war Tom Kropiwnicki von Anfang an klar. Er ist Initiator und Geschäftsführer des "Gran Fondo Vienna"-Veranstalters und selbst leidenschaftlicher Hobbyrennradfahrer. 2007 versuchte er erstmals, seinen Traum vom urbanen Radrennen durch Wien zu verwirklichen. Die Verhandlungen mit den Behörden gestalteten sich langwierig und voller Widerstände.
Kropiwnicki ließ sich auch nicht entmutigen, als er 2012 seinen ersten großen Radevent, die "City Classics Vienna", mangels Bewilligung für einzelne Streckenabschnitte zwei Monate vor dem Start absagen musste. Eine Katastrophe für jeden Großveranstalter und dem Ruf nicht gerade dienlich. Mit dem "Giro d'Italia" konnte er nun eine prominente Marke für sein Projekt gewinnen.
Mittlerweile stehen ARBÖ, die für Verkehrssicherheit zuständige MA 46 und Wiens Sportstadtrat hinter dem neuen Rennen. Die Stadt freut sich offiziell auf die vielversprechenden Tourismusimpulse des "Radmarathons mit Weltklasseformat". Die Streckenführung wurde im Teamwork mit der Landesverkehrsabteilung der Polizei erarbeitet, um längere Verkehrsbeeinträchtigungen zu vermeiden.
Diesen Sonntag in der Früh startet also der erste "Gran Fondo Vienna"; zeitverzögert in zwei Klassen. Die rasante Tagesfahrt führt in ihrer Erstauflage wahlweise über ambitionierte 120 Kilometer ("Gran Fondo") durch Wien und Umgebung, vorbei an den touristischen Highlights Prater, Riesenrad und Ring über die Wagramer Straße weit ins Marchfeld bis an die slowakische Grenze und wieder zurück. Die 60-Kilometer-Strecke "Medio Fondo" ist moderater und führt bis nach Markgrafneusiedel und zurück.
Während sich der Gran Fondo an fortgeschrittene Rennradler richtet, ist der Medio Fondo für Renneinsteiger gedacht, hier sind auch Mountain-, City- und Touringbikes erlaubt. Beide Strecken sind ohne nennenswerte Steigungen. 56 oder 74 Euro Startgeld zahlen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Knapp 1000 Anmeldungen gab es bis zu Redaktionsschluss, 80 Prozent der Radlerinnen und Radler kommen aus dem Großraum Wien. Den einen oder anderen konnte man in den letzten Wochen auf Trainingsfahrt in und um Wien beobachten. 1500 Teilenehmer werden insgesamt erwartet, Nachnennungen sind noch möglich. Mit Pasta-Party, Expo, Siegerehrung mit Blumen und Spumante setzt man ganz auf italienisches Flair. Für die lokalen Radfestakzente ist dann die Sponsorbrauerei Stiegl zuständig.

Eine weitere Stadtpremiere: Mit dem "Velothon Vienna" lotst nur eine Woche später ein zweiter Radevent sportliche Radler durch Wiens Innenstadt und Umgebung. Auch der Velothon ist eigentlich ein internationales Format, erprobt in Städten wie Berlin oder Philadelphia. Zwar wird der Wiener Velothon vom Österreichischen Radsportverband, dem internationalen Rennverband UCI und namhaften Radsportlern getragen, als Jedermann-Rennen kann oder will er sich hier in Wien mangels Genehmigung nicht titulieren. Zeitmessung ist offiziell nicht erlaubt.
Beim ersten Velothon Vienna, heißt es seitens der Veranstaltungsleitung, will man Hobbyradler und Sportlerinnen aus anderen Disziplinen für den Radsport begeistern und die Zielgruppe erweitern. Das Konzept sei daher in der Pilotphase auf "ein sportliches Miteinander und nicht auf einen Wettkampf ausgerichtet". Die gemeinsame sportliche "Ausfahrt" mit Startgeld hat ebenfalls zwei Wahldistanzen (70 und 45 Kilometer).
In Bewegung setzt sich der Radlertross am 21. September um 9 Uhr morgens vor dem Burgtheater, die Strecke führt wie der Giro über den Ring, danach allerdings über Schönbrunn Richtung Wienerwald. Auch Klettermomente hat der Velothon Vienna parat: den durchaus fordernden 4,4 Kilometer langen Schlussanstieg auf den Kahlenberg. Spätestens hier wird für manche der als Gemeinschafts- und Raderlebnis propagierte Radwandertag zu Ende sein. Das zünftige Abschlussfest am Kahlenberg mit Blasmusik und "echt bayerischer Stimmung" wird viele dafür entschädigen.
Auch hier darf also – alkoholfreies – Bier fließen, diesmal ist es bayrisches Erdinger. Immerhin, Brauereien haben das sportliche Radeln im Peleton auf Anhieb als Markt für sich entdeckt...

Petra Sturm in FALTER 37/2014 vom 12.09.2014 (S. 46)


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