Deutscher Herbst

€ 22.7
Lieferung in 2-5 Werktagen
-
+
Kurzbeschreibung des Verlags:

Stig Dagerman (1923–1954) wurde 1946 von der schwedischen Zeitung »Expressen« beauftragt, Deutschland zu bereisen und ein Bild des zerstörten Landes nach dem Weltkrieg zu geben. Ein Reisebericht in 13 Stationen über Berlin, Hamburg, das Ruhrgebiet, Frankfurt, Heidelberg und München, aber auch über die dazwischenliegenden ländlichen Regionen, über Zugfahrten, Politikerauftritte und Gerichtsprozesse entstand in diesem regnerischen Herbst 1946, der geprägt ist von Ruinen und Hunger, unterdrückter Kontinuität nationalsozialistischen Denkens und dem erhofften Aufbruch durch die alliierte Demokratisierung. Stig Dagerman begegnet den Menschen auf seiner Reise nie mit moralischer Überlegenheit – sondern mit Interesse und Mitgefühl, im Versuch, die gesellschaftliche wie persönliche Situation jedes Einzelnen zu verstehen.
In jenem Herbst erlebt Stig Dagerman mit seinem zweiten Roman in Schweden gerade den Durchbruch: Seine Frau schickt ihm die begeisterten Rezensionen, und er schämt sich im Angesicht der Zerstörung und des Leidens für den Erfolg. Paul Berf hat die Reiseberichte nicht nur in ihrer ganzen Beschreibungsdichte und Gedankenvielfalt in ein schwingendes, unverstelltes Deutsch übersetzt, sondern auch ergänzend eine Auswahl aus den Briefen getroffen, die Dagerman – teilweise auf Deutsch verfasst – von der Reise an seine Angehörigen in die Heimat schickte. Der Bericht des schwedischen Ausländers über das Deutschland der Stunde Null, dessen äußere Konflikte und innere Spannungen gibt uns einen einzigartigen Einblick in eine Zeit, in der nicht ausgemacht war, ob dieses Land jemals wieder auf die Beine kommen würde.

weiterlesen
FALTER-Rezension

1946 schickt eine schwedische Zeitung einen jungen Journalisten in das verwüstete Nachkriegsdeutschland. Im Jahr zuvor hatte Stig Dagerman mit dem Kriegsroman "Die Schlange" Aufsehen erregt. Verstörende Bilder aus den Trümmern der Großstädte liefert er auch in den Artikeln. Sie sind geprägt von tiefer Empathie, die seine Kritikfähigkeit aber nicht lähmt.

Er schildert, wie der Überlebenskampf einer Auseinandersetzung mit persönlicher Schuld und kollektiver Verstrickung behindert. Ein Brecht-Zitat geht ihm dabei nicht aus dem Kopf: "Erst kommt das Fressen, dann die Moral." Es sollte sich hinziehen, bis die von den Alliierten oberflächlich angegangene "Umerziehung" Früchte trägt. 1954 freiwillig aus dem Leben geschieden, konnte Dagerman diesen langwierigen und lückenhaften Prozess nicht bis zum Ende verfolgen. Sein Buch liefert Momentaufnahmen von fast Vergessenem, die einen erschaudern lassen.

Andreas Kremla in Falter 47/2021 vom 26.11.2021 (S. 36)

weiterlesen
Produktdetails
Mehr Informationen
ISBN 9783945370315
Ausgabe Zweite Auflage
Erscheinungsdatum 12.08.2021
Umfang 190 Seiten
Genre Belletristik/Gegenwartsliteratur (ab 1945)
Format Hardcover
Verlag Guggolz Verlag
Übersetzung Paul Berf
Diese Produkte könnten Sie auch interessieren:
Conny Bischofberger
€ 22,00
Franz-Josef Körner
€ 16,50
Jil Füngeling
€ 20,50
Mark A. Maier
€ 13,90
George Orwell, Rolf Bächi
€ 30,80
Jane S. Wonda, Federherz Verlag
€ 15,50
Inge Lütt
€ 13,40
Berndt Seite
€ 20,60