Neueste Berichte vom Cap der guten Hoffnung über Sir John Herschels höchst merkwürdige Astronomische Entdeckungen
Ein Mondschwindel

von Richard Adams Locke, Edgar Allan Poe, Peter Graf

€ 20,80
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Verlag: Verlag Das Kulturelle Gedächtnis
Format: Hardcover
Genre: Belletristik/Essays, Feuilleton, Literaturkritik, Interviews
Umfang: 128 Seiten Seiten
Erscheinungsdatum: 08.03.2017

Sensation im All! 1835 versetzt die Tageszeitung New York Sun die Welt in Aufruhr:
Der Wissenschaftler Sir John Frederick Herschel hat mit einem gigantischen Teleskop
menschliches Leben auf dem Mond entdeckt. Endlich ist bewiesen: Wir sind nicht
allein im Universum.
Der Sun bescheren die Artikel einen sprunghaften Anstieg ihrer Auflage, Übersetzungen erscheinen in mehreren Sprachen und eine Vereinigung rühriger Philanthropen macht bereits Pläne zur Missionierung der Mondmenschen, als der Mondschwindel endlich
auffliegt. Was blieb, war die größte und skurrilste Zeitungsente der Geschichte und ein Text von poetischer Schönheit, wie ihn Wissenschaft noch nie hervorgebracht hat. Die vorliegende Ausgabe folgt getreu der 1836 in Hamburg auf Deutsch erschienenen Buchausgabe. Sie wird ergänzt um einen Essay von Edgar Allan Poe, der dem Autor, Richard Adams Locke, vorwarf, bei der Niederschrift dieser »höchstmerkwürdigen astrologischen Beobachtungen«, von ihm abgeschrieben zu haben.

Rezension aus FALTER 14/2017

Fake News im Jahr 1835 und Bootsflüchtlinge aus 1754

Der neue Berliner Verlag Das kulturelle Gedächtnis präsentiert historische Texte, die viel über unsere Gegenwart erzählen

Gottlieb Mittelberger ist Wirtschaftsflüchtling. Und zwar einer der unsympathischen Sorte: Nachdem er seinen Job verloren hatte und dann auch noch seine Affäre mit der zweitältesten Tochter des Pfarrers seiner Gemeinde aufflog, ließ er Frau und Kinder stehen und wanderte mit zahlreichen anderen Wirtschaftsmigranten per Schiff nach Amerika aus.
Der neu gegründete Verlag „Das kulturelle Gedächtnis“ hat Mittelbergers Bericht „Reise in ein neues Leben“ aus dem Jahr 1754 nun kommentiert neu veröffentlicht.
Es ist die Erzählung eines Auswanderers, der in der neuen Welt das Glück sucht, aber stattdessen nur auf Not und Verzweiflung trifft.
Mittelberger schildert den Horror seiner Überfahrt auf dem Flüchtlingsschiff, der sich durchaus mit den Entsetzlichkeiten, die Bootsflüchtlinge heute im Mittelmeer erleben, vergleichen lässt. „Wenn in einem solchen Sturm das Meer wütet und wallet, daß auch öfters die Wellen wie hohe Berge übereinander dahersteigen, auch öfters über das Schiff fallen, daß man glaubt, samt dem Schiff zu versinken, wobei das Schiff von dem Sturm und Wellen alle Augenblicke von einer Seite zur anderen schlägt, daß niemand im Schiff weder gehen, sitzen noch liegen kann, und die so eng zusammengepackten Leute in den Bettstatten dadurch übereinander geworfen werden, Kranke wie Gesunde: so kann man sich leicht vorstellen, daß solcherlei harte Zufälle, die keiner von diesen Leuten vermutet hat, notwendigerweise viele von denselben so hart mitnehmen, daß sie es nicht überstehen.“

Die Vergangenheit in der Gegenwart
Ausführlich beschreibt der Autor die Brutalität und Skrupellosigkeit der Schlepper, die sich von den heutigen kaum unterscheiden. Überlebten die Passagiere die Überfahrt, was bei vielen nicht der Fall war, erwartete sie nach ihrer Ankunft, wie auch die Mittelmeer-Flüchtlinge von heute, nicht das erhoffte Paradies, sondern vielmehr Rechtlosigkeit und Sklavenarbeit.
Genau diese Verbindung zwischen Vergangenheit und Gegenwart möchte der neue Verlag aus Berlin herstellen. „Das kulturelle Gedächtnis“ hat sich auf die kommentierte Wiederveröffentlichung historischer Schriften spezialisiert. „Wir veröffentlichen Texte, die eine Relevanz für die Gegenwart haben“, sagt Peter Graf, der gemeinsam mit drei anderen den Verlag gegründet hat. Der Kleinverlag „Das kulturelle Gedächtnis“ ist eine äußerst ambitionierte Liebhaberei und der Versuch, Bücher abseits des Mainstreams herauszugeben. „Wir wollten ganz frei und kompromisslos unser Verlagsprogramm gestalten“, sagt Geschäftsführer Peter Graf, im Brotberuf Teil der Verlagsagentur Walde + Graf.
Alle, die beim Projekt „Das kulturelle Gedächtnis“ engagiert sind, verdienen ihr Geld hauptberuflich in anderen Jobs, vom Literaturagenten bis zum Übersetzer. So sei der finanzielle Druck nicht so groß, der neue Verlag müsse sich bloß selbst finanzieren, aber niemanden ernähren. Das Programm, jeweils vier Titel im Frühjahr und Herbst, werde im Kuratorenprinzip entschieden.
Im März sind die ersten vier Bücher erschienen. Neben der Geschichte des deutschen Auswanderers veröffentlichte der Verlag auch ein Buch mit dem ungewöhnlichen Titel „Neueste Berichte vom Cap der guten Hoffnung über Sir John Herschel’s höchst merkwürdige astronomische Entdeckungen, den Mond und seine Bewohner betreffend“. Es handelt sich dabei um die erste Zeitungsente, die im August 1835 in der New York Sun erschien und um den Globus ging.
In einer Artikelserie behauptete der Journalist Richard Adams Locke, ein britischer Astronom habe mithilfe eines besonders modernen Teleskops auf dem Mond außerirdisches Leben entdeckt. Locke beschreibt friedliche „Fledermausmenschen“ mit kupferrotem Haar, deren Flügel „aus einer halb durchsichtigen elastischen Haut bestanden, welche in krummlinigen Abtheilungen vermittelst gerade Halbmesser ausgespannt war, die durch die Rückenhaut verbunden wurden“.

Voltaires Religionskritik für heute
Die Nachricht von den seltsamen, menschenartigen Lebewesen auf dem Mond verbreitete sich wie ein Lauffeuer und bescherte der New York Sun kurzfristig die höchste Auflage weltweit. Bis der Schwindel aufflog und der Journalist Locke seinen Job los war.
Ein weiteres Projekt ist eine Neuveröffentlichung von Voltaires Theaterstück „Der Fanatismus oder Mohammed“, das sich zwar vordergründig mit dem Islam beschäftigt, im Grunde aber nichts anderes als eine Kritik am Christentum und jeglichem religiösem Fanatismus ist. „Wer sagt, dass die Zeit solcher Verbrechen vorüber ist, dass die Flammen der Religionskriege erloschen sind, der tut, wie mir scheint, der menschlichen Natur eine zu große Ehre an“, schrieb der große Aufklärer Voltaire an Friedrich II.
Als Spezialität erscheint im Verlag die Buchreihe „Gegenschuss“. Hier werden jeweils zwei historische Texte, die ein Thema aus zwei konträren Blickwinkeln betrachten, einander gegenübergestellt. Der erste „Gegenschuss“ beschäftigt sich mit der Lösung von Konflikten, einerseits aus der Sicht eines französischen Diplomaten, der vor dem Ersten Weltkrieg in Berlin stationiert war, andererseits aus der Sicht des österreichisch-ungarischen Diplomaten Franz von Bolgar, der um die Jahrhundertwende „Die Regeln des Duells“ festgeschrieben hatte.
Neben der inhaltlichen Aktualität ist es die Schönheit dieser Bücher, die sie potenziell zu Sammlerstücken macht. Alle Bände sind aufwendig gestaltet, von der Bindung bis zu den wunderschönen Grafiken auf den Buchcovern. Sie sind nicht nur spannend zu lesen, sondern auch kleine, feine Prunkstücke für jeden bibliophilen Haushalt.

Nina Horaczek in FALTER 14/2017 vom 07.04.2017 (S. 20)

Weiters in dieser Rezension besprochen:

Reise in ein neues Leben (Gottlieb Mittelberger)
Der Fanatismus oder Mohammed

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