Ich zünde nachts Italien an
Lieder und Gedichte von Daniel Wisser

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Verlag: Der Pudel
Format: Audio CD
Genre: Belletristik/Lyrik
Erscheinungsdatum: 17.01.2005

Rezension aus FALTER 9/2006

Irmi, can you hear me?

Schauspielerin Liese Lyon und Autor Daniel Wisser singen und sprechen Texte, die traurig klingen und trotzdem Spaß machen.

Eine Schauspielerin singt. Ein Pianist begleitet. Und zwischen den Liedern rezitiert ein Dichter seine Texte. Das Konzept des Programms "Ich zünde nachts Italien an" wirkt simpel, man könnte auch klassisch dazu sagen. Die Schauspielerin heißt Liese Lyon, der Pianist Alexander Fleischmann, Daniel Wisser ist der Dichter. Vor sechs Jahren sind die drei zum ersten Mal gemeinsam aufgetreten, seit vorigem Jahr gibt es eine CD. Und demnächst kann man das eigenwillige Trio endlich wieder live erleben.

Wissers ergreifend einfache Texte werden von Lyon ganz unironisch gesungen und von Fleischmann auf fast pathetische Weise begleitet; zusammen ergibt das eine charmante Mischung aus Melodramatik und Komik. Zum Beispiel das Lied von der unerwiderten Liebe einer Kundin: "Ich werde für dich lesbisch / und ich trink für dich Benzin / Ist das denn nicht genug / für eine Schuhverkäuferin?" In dem elegischen Stück "Der Regen" finden sich die bewegenden Zeilen: "Irmi, Irmi, Irmi, can you hear me? / Irmi, nimm das Schirmi, der Regen fällt!" Und im "Lied traurig" wird die Stenofassung eines Liebesdramas erzählt: "Lied traurig / Herz schwer / Mann gegangen / Zimmer leer."

Die 32-jährige Liese Lyon spielte in Nina Kusturicas Film "Auswege" (2003) die Hauptrolle und ist Wiener Off-Theatergängern aus Schauspielhaus, Rabenhof und diversen freien Produktionen bekannt. Sie ist keine ausgebildete, aber eine leidenschaftliche Sängerin. "Mit acht hab ich in der Schule Nena-Konzerte gegeben, ich war im Chor und bei einer Band. Später habe ich auf Weihnachtsfeiern Schubert-Lieder gesungen." 1998 nahm Lyon in Wien an einem Chansonabend teil und lernte dabei Daniel Wisser kennen, dessen Texte sie auf Anhieb mochte. "Mir gefällt, dass er Frauen nicht als Opfer darstellt. Und ich mag seinen verschrobenen Humor." Der 34-jährige Wisser ist Mitglied des Ersten Wiener Heimorgelorchesters und Herausgeber der Literaturzeitschrift Der Pudel. "Die Idee war, Gedichte darzubieten, ohne die Lyrik-Lesung zu bemühen oder kabarettistisch zu werden", sagt der Autor. "Das heißt aber nicht, dass man nicht lachen darf!"

Statt in Kabarettlokalen treten sie an klassischen Lesungsorten (Alte Schmiede, Literaturhaus) oder in kleinen Theatern auf. Der allererste Gig fand 2000 im Grazer Theater im Bahnhof statt, insgesamt haben sie in all den Jahren allerdings nicht viel mehr als eine Hand voll Auftritte absolviert. Das hat damit zu tun, dass Pianist Fleischmann hauptberuflich als Molekularbiologe in New York beschäftigt ist, aber auch mit der zögerlichen Haltung der Veranstalter, die das Projekt entweder nicht einordnen können oder für hoffnungslos antiquiert halten.

Es hat was extrem Steifes", gibt Daniel Wisser zu. Aber das ist ebenso Absicht wie der scheinbar naive Charakter der Texte, die der Autor live übrigens nicht liest, sondern frei vorträgt. Von "genialer Unbeholfenheit" hat Schriftstellerkollege Martin Amanshauser in Zusammenhang mit Wissers Gedichten einmal geschrieben. Andere finden sie einfach nur banal. "Am Reim scheiden sich die Geister", seufzt der Dichter. "Aber darum kümmere ich mich nicht: Wenn ich reimen will, reime ich. In vielen neueren Texten spielt der Reim allerdings kaum noch eine Rolle."

Aber was kann Daniel Wisser dafür, dass sich Schotte auf Charlotte reimt, der "Chineser" auf Maresa und Hyazinth auf Jochen Rindt? "Ich mag den billigen Wortwitz sehr", sagt Liese Lyon. Ungefähr die Hälfte des Programms besteht aus neuem Material, der Rest aus von der CD bekannten Nummern. Es besteht also Hoffnung, dass das Publikum auch den dramatisch vorgetragenen Abgesang auf einen verstorbenen Monarchen zu hören bekommen wird: "Kein Atem, kein Furz mehr, das weiß er / Kein heiliger Stuhl mehr, kein Kot / Der König wird jetzt nicht mehr Kaiser / Der König, der König, der König ist tot."

Wolfgang Kralicek in FALTER 9/2006 vom 03.03.2006 (S. 63)


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