So geht Leben
Ausgewählte Glossen

von Mathias Grilj

€ 14,80
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Verlag: edition keiper
Format: Taschenbuch
Genre: Medien, Kommunikation/Journalistik
Umfang: 242 Seiten
Erscheinungsdatum: 04.12.2008

Rezension aus FALTER 49/2008

Knurren am Klo, Trakln in der Tram

Es ist unklar, warum Mathias Grilj, von dem man ohne jede Übertreibung sagen kann, dass er der mit Abstand beste Schreiber zumindest dieser Stadt ist, nicht längst als solcher Anerkennung erfahren hat. Vielleicht, weil er es nicht darauf anlegt. Vielleicht, weil er zu sehr damit beschäftigt ist, dem Leben Gedanken und Sätze abzuringen, die sitzen, um sie in seine Glossen und – als Max Gad – in seine Theaterstücke zu passen, wo sie sich über die Jahre bewähren können.
"Vom menschlichen Maß" ist so ein Text, eine von 230 Glossen, die Grilj in den letzten sieben Jahren für die unterschiedlichsten Medien geschrieben und nun unter dem Titel "So geht Leben" in ein Buch gefasst hat. "Diese Glosse kommt auf sieben Zigaretten", schreibt er da am Ende, lässt etwas von dem Maß erahnen, das er selbst nimmt, und schafft es davor auf knappen 25 Zeilen, die Polenta seiner Oma, Chatwins "Traumpfade", Weinhebers (ausgerechnet!) Wintergedicht, einen super Witz über Hubert Gorbach und eine Mini-Reportage über Korruption am Bau derart elegant unter einen Hut zu bringen, dass daraus ein wenig vom Elend der Welt spürbar wird.
Es ist gerade dieses Elend, an dem Grilj leidet, darum schreibt er. Und das macht ihn auch zum Moralisten, der klug genug ist, sich das Apostelhafte ebenso konsequent zu versagen wie blanken Zynismus. Wenn er in seinen Glossen den Stumpfsinn der Medien, die Dummheit der Politik, die Fremdenfeindlichkeit seiner Mitbürger und die Verrohung der Sprache geißelt, dann tut er das letztlich als Mitfühlender. "So geht Leben" ist eine knurrende Anklage, aber eine liebevoll knurrende. Im Hauptsatz schwingt Grilj lustvoll die Axt, im Nebensatz packt er, wenn es denn sein muss, schon auch einmal das Schnäuztüchel aus.
Formal sind Griljs Glossen raffinierte Sprachkompositionen, die sich, ganz klassisch, aus alltäglichsten Situationen – in der Tram, am Klo – entwickeln und beständig hin zu trockenen Pointen mäandern, streiflichtern, krausen und trakln. Unverrückbar jedes Wort. Das weiß jeder, der schon einmal in die Verlegenheit kam, seine Texte redaktionell betreuen zu müssen. Von der ersten Ausgabe des Steiermark Falter am 9.3.2005 bis zur todtraurigen Glosse "Orte des Abschieds" (7.6.2006), die damals zu besorgten Nachfragen beim Autor führte und jetzt auch den Sammelband beschließt, hat Mathias Grilj auch dieses Blatt mit seinen Texten ("Vom Grill") beschenkt. Sie haben seither keine Spur Staub angesetzt. Und dieses Buch hatten sie sich längst verdient.

Thomas Wolkinger in FALTER 49/2008 vom 05.12.2008 (S. 55)


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