Verschwundene Wiener Straßennamen

von Peter Autengruber

€ 19,90
Lieferung in 2-7 Werktagen

Verlag: Edition Winkler-Hermaden
Format: Hardcover
Genre: Sachbücher/Geschichte/Regionalgeschichte, Ländergeschichte
Umfang: 120 Seiten
Erscheinungsdatum: 17.09.2018


Rezension aus FALTER 51-52/2018

Stalinplatz, Hitlerplatz und das Ende der Freiheitsstraße

Der Historiker Peter Autengruber hat einen politischen Reiseführer durch die Epochen der Stadt geschrieben

Der Schwarzenbergplatz hieß einmal Stalinplatz. Von 1946 bis 1956 war der Platz mit dem Heldendenkmal der Roten Armee dem sowjetischen Diktator Josef Stalin gewidmet. Straßen und Plätze spiegeln immer auch politische Machtverhältnisse wider. Der Historiker Peter Autengruber spürt in einem spannenden, reich bebilderten Buch den verschwundenen Wiener Straßennamen nach. Anhand zahlreicher Beispiele, nicht zuletzt entlang der heurigen Jubiläums- und Gedenkjahre 1848, 1918 und 1938, zeigt er auf, wie sich in verschiedenen Epochen die Straßenbenennung änderte und wie jeder neue Machthaber die Spuren des Vorgängers auslöschte.

Die Straßen der Revolution

Vom Revolutionsjahr 1848 verschwunden ist in Wien zum Beispiel der „Constitutionsplatz“, der heute Michaelerplatz heißt. Mit ihm wollten die Revolutionäre daran erinnern, dass eine „Constitution“, eine Verfassung, zentrale Forderung der 1848er-Bewegung war. Auch die „Freiheitsstraße“ als Zeichen, dass die 1848er-Revolution dort, in der Herrengasse nämlich, ihren Ausgangspunkt hatte, gibt es nicht mehr.

1848 war auch das Jahr, in dem die Politik die Symbolkraft von Straßennamen erkannte. Der Revolutionär Carl Scherzer forderte seine Mitbürger damals in einem Zeitungsartikel auf, neue Namen für Straßen vorzuschlagen, „um die großartigen welthistorischen Ereignisse der fernsten Nachwelt in frischer Erinnerung zu bewahren“. Die Straßenschilder der Revolution blieben nicht lange hängen. Im Dezember 1848 wurden alle Verkehrsflächen auf Befehl der Stadtkommandantur rückbenannt.

Danach hatten neue Straßenbenennungen oft einen harmlosen Hintergrund. 1850 wurden 34 Vorstädte von Wien zu den Bezirken zwei bis sieben eingemeindet, elf Jahre später wurden daraus durch die Trennung von Wieden und Margareten acht Bezirke. 1890 kamen noch 43 Vorstädte dazu, die zu den Bezirken elf bis 19 wurden. Weil es dadurch zahlreiche Straßennamen wie Badgasse, Kirchengasse oder Hauptstraße nun ziemlich oft im neuen, gewachsenen Wien gab, musste fleißig umbenannt werden. Und wieder verschwanden Straßennamen: Aus der „Karls Gasse“ wurde die Paulanergasse oder aus der „Wien Straße“ die Rechte Wienzeile.

Die Straßen der Republik

Die nächste große Zäsur aus politischen Gründen erfolgte nach der Ausrufung der Republik 1918. Da verloren die Habsburger nicht nur ihre Macht, sondern auch zahlreiche nach ihnen benannte Straßennamen. Auch den seit 1919 in Wien regierenden Sozialdemokraten gefiel es, den öffentlichen Raum in ihrem Sinne umzubenennen. So wurde aus dem nach Kaiser Franz I. benannten „Franzensring“ 1919 der „Ring des 12. November“, eine Reminiszenz an den Tag der Ausrufung der Republik.

Danach erlebte diese Verkehrsfläche vor dem Parlament wilde Jahre: Während des Austrofaschismus wurde dieser Ringabschnitt dem Prälat Ignaz Seipel gewidmet. Die Nationalsozialisten benannten ihn nach dem Reichskommissar Josef Bürckel. 1956 wurde er schließlich zum Dr.-Karl-Renner-Ring, benannt nach dem ersten Bundespräsidenten der Zweiten Republik. Zwischen 1938 und 1945 wurden Straßen und Plätze schon zu deren Lebzeiten nach hochkarätigen Nazis benannt. So gab es in Wien nach dem „Anschluss“ im Jahr 1938 gleich fünf Adolf-Hitler-Plätze, der bekannteste davon der Rathausplatz im Zentrum der Stadt.

„Wiens verschwundene Straßennamen“ macht Wiens Geschichte erlebbar und zeigt, welche Historie sich hinter den vielen Straßennamen, die uns allen so geläufig sind, verbirgt.

Nina Horaczek in FALTER 51-52/2018 vom 21.12.2018 (S. 23)


Bitte warten...

Sie haben folgendes Produkt in den Warenkorb gelegt:

{{var product.name}}


weiter einkaufen
Warenkorb anzeigen