Paris-Austerlitz

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Kurzbeschreibung des Verlags:

Paris–Austerlitz: Eine berührende Liebesgeschichte – intensiv, direkt, kompromisslos.
Ein junger spanischer Maler flieht vor den Ansprüchen seiner gutbürgerlichen Familie nach Paris und steht dort vor dem Nichts. Er hat keinen Job, kein Geld und weiß nicht wohin, als er Michel kennenlernt, einen Arbeiter Mitte fünfzig, dessen Vitalität ihn fasziniert und anzieht. Sie verlieben sich, Michel nimmt ihn auf, in seine Wohnung, sein Bett, sein Leben. Am Anfang sind sie nur glücklich und genießen die gemeinsame Zeit, die nächtlichen Streifzüge durch die Kneipen und die am Wochenende durch das lichte Paris, die Kinos, die Ausstellungen, die Parks. Aber irgendwann erinnern die in der Ecke des ärmlichen Hinterhofzimmers gestapelten Leinwände den jungen Mann daran, dass er noch andere Ambitionen hat. Auch der Alters-, Bildungs- und Klassenunterschied macht sich bemerkbar, und die Liebe kann diese Unterschiede nicht besiegen, nicht, wenn sie so besitzergreifend ist wie die Michels.
Ein Roman, der nach den Beweggründen des Herzens forscht. Sie mögen gelegentlich falsch sein, erweisen sich aber als unwiderstehlich. Es ist die tröstliche Natur der Liebe, ihre erlösende Kraft, auch wenn sie nicht alles überwindet, die diesen Roman zu einem Juwel macht und die große sprachliche Kraft von Rafael Chirbes noch einmal leuchten lässt.

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FALTER-Rezension

Bericht über eine Beziehung mit Ablaufdatum

Gut ein Jahr nach seinem Tod erreicht uns der letzte Roman des großen spanischen Autors Rafael Chirbes (1949–2015). Glücklicherweise handelt es sich um keine Nachlassfledderei, sondern ein abgeschlossenes Projekt, das Chirbes seit 1996 umtrieb.
Anders als in seinen letzten großen Romanen „Krematorium“ und „Am Ufer“, in denen er der Gegenwartsgesellschaft Spaniens auf den Zahn fühlte, spielt „Paris-Austerlitz“ in einem sehr intimen Setting. Der junge Ich-Erzähler erinnert sich an seine erloschene Liebe zum alternden Arbeiter Michel. Als Spross einer wohlhabenden Familie war er aus Trotz und Freiheitsliebe von Madrid nach Paris geflüchtet, um dort als Maler zu reüssieren. Doch bald ging ihm das Geld aus und er rettete sich – halb aus Liebe, halb aus Not – in Michels Wohnung und Bett. Sein Bericht umkreist den gemeinsamen Alltag und wird dabei in feinsten Verschiebungen von der Erinnerung zur Rechtfertigung, von der Erzählung zur Beichte.
Chirbes beschreibt schnörkellos und präzise das vergehende Gefühl des Malers für Michel, was zweifellos in kausaler Verbindung zu den eintreffenden Zuwendungen aus Madrid und dem raschen Verfall des Geliebten an einer ominösen Krankheit steht. Selbst wenn der Autor minuziös den Ekel angesichts des gesundheitlichen Zustands des Fabrikarbeiters thematisiert, ist sein Blick an keiner Stelle kalt: „(D)ie zerbrechlichen Beine, wie Schilfrohr, umhüllt von gegerbtem Leder, haben nichts mit dem reifen, kräftigen Mann zu tun, den ich liebte, der mir Lust bereitete – und dem ich Lust bereitete –, fast ein Jahr lang.“
Chirbes arbeitet mit subtilen Zwischentönen, lässt seinen Erzähler sich mit fortschreitendem Tasten selbst entlarven und erkennen. So gibt dieser zu, dass es sich bei seinem Leben mit Michel um eine romantische Farce handelte, „um eine Darstellung von Armut, die es darauf absah, seine Empfindlichkeit nicht zu verletzen“. Meisterhaft führt Chirbes vor, wie sich der junge Maler im Schreiben seiner früheren Gefühle klarer wird, aber seiner Erzählung doch nie zu trauen ist.

Florian Baranyi in Falter 50/2016 vom 16.12.2016 (S. 36)

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Produktdetails
Mehr Informationen
ISBN 9783956141225
Erscheinungsdatum 24.08.2016
Umfang 160 Seiten
Genre Belletristik/Gegenwartsliteratur (ab 1945)
Format Hardcover
Verlag Kunstmann, A
Übersetzung Dagmar Ploetz
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