Eine politische Ökologie der Dinge
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Lieferbar ab Dezember 2021
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Kurzbeschreibung des Verlags:

In den letzten Jahren findet die Materialität in der politischen Theorie vermehrt Beachtung, verstanden wird sie dort aber als gesellschaftliche Strukturen, als die Verkörperungen gesellschaftlicher Werte in Gegenständen oder als materielle Zwänge, die auf den Menschen wirken. Lebhafte Materie schlägt einen anderen Weg ein: Bennett fordert ein transversales Denken, das die Trennung von handelndem Subjekt und behandeltem Objekt aufhebt, die Vitalität alles Materiellen und aller Materialitäten anerkennt und so einen Beitrag zu einer ökologisch verträglichen Lebensweise leistet, die weit über den so oft geforderten Schutz einer vom Menschen getrennten Umwelt hinausgeht. Ihren Ansatz entwickelt Jane Bennett anhand alltäglicher Phänomene – einer toten Ratte im Gully, einer Tüte Chips – und historischer Begebenheiten. Sie lädt dazu ein, den Menschen in seiner Umwelt neu zu denken, denn erst wenn wir verstehen, dass nicht nur wir auf unsere Umwelt einwirken, sondern auch unsere Umwelt auf uns, dass wir in einem komplexen und vernetzten Gefüge leben, in dem vielerlei Akteure aktiv sind, erst dann wird unser Handeln wirksam werden. Lebhafte Materie ist eine Einladung, Ökologie neu zu denken – ohne schlechtes Gewissen, ohne Schuldzuweisungen, im Einklang mit der Vitalität unserer Umgebung.

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FALTER-Rezension

Menschen, Tiere und Dinge sind verbunden

Die Tragik der ökologischen Debatte liegt darin, dass flammende Handlungsappelle seit Jahrzehnten verpuffen. Um ihr zu mehr Wirksamkeit zu verhelfen, hat sich eine Reihe von Denkern aufgemacht, ihre Grundlagen radikal zu hinterfragen. Der Theoretiker der Occupy-Bewegung, Charles Eisenstein, schrieb mit „Klima. Eine neue Perspektive“ (dt. 2019) eine radikale Kritik der Konzentration auf die CO₂-Reduktion, der Philosoph Timothy Morton kritisierte mit „Ökologisch sein“ (dt. 2019) das Zumüllen der Medienkonsumenten mit apokalyptischen Daten. Beiden ist daran gelegen, das Bewusstsein dafür zu schärfen, dass alle Lebewesen verbunden sind, und neue Denkstile und Erwartungshorizonte zu entwickeln.

In dieselbe Kerbe schlägt auch Jane Bennett in „Lebhafte Materie. Eine politische Ökologie der Dinge“, das mit zehn Jahren Verspätung nun endlich auf Deutsch vorliegt. Die US-amerikanische Philosophin stellt darin die verbreitete Annahme infrage, dass es eine unüberbrückbare Kluft zwischen Leben und Materie, Mensch und Tier, Wille und Determinismus gebe. Da diese dazu führe, dass der Mensch sich von seiner Umwelt getrennt fühle, propagiert sie einen neuen Wahrnehmungsstil und fährt dazu eine Reihe anspruchsvoller Begriffe auf.

Vitalen Materialismus nennt Bennett ihre Theorie und untermauert sie mit so theoretischen wie überzeugenden Argumenten. Dabei stützt sie sich weniger auf Naturwissenschaftler denn auf Philosophen, von Epikur über Nietzsche bis zu Bruno Latour. Trotzdem sind ihre Beispiele konkret. Da geht es etwa um die schöpferische Handlungsmacht von Materie (wenn Metalle in Weichtiere einwandern und so Knochen bilden) oder Gefügen (wie dem Stromnetz), um nicht menschliche Aktanten in Gerichtsprozessen (wie etwa Schmauchspuren). Bennet plädiert für eine milde Form von Anthropomorphisierung à la Darwin, der sogar bei Würmern Absichten erkannte, um das Verhältnis von Personen und „anderen Materialitäten“ zu enthierarchisieren – und sich damit in Richtung eines ökologischeren Bewusstseins zu bewegen. Ein Augenöffner.

Kirstin Breitenfellner in Falter 32/2020 vom 07.08.2020 (S. 30)

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Produktdetails
Mehr Informationen
ISBN 9783957578761
Ausgabe 2. Auflage
Erscheinungsdatum 30.04.2020
Umfang 271 Seiten
Genre Sachbücher/Philosophie, Religion
Format Hardcover
Verlag Matthes & Seitz Berlin
Übersetzung Max Henninger
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