Das Ozeanbuch

Über die Bedrohung der Meere
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Kurzbeschreibung des Verlags:

Steigender Meeresspiegel, havarierende Ölplattformen, wachsende Müllstrudel und Überfischung: Die Ozeane sind in Gefahr. Um das sensible Ökosystem schützen zu können, ist es wichtig, die Zusammenhänge zwischen menschlichem Handeln und den Veränderungen des maritimen Lebensraums besser zu verstehen.
»Das Ozeanbuch« liefert ein umfassendes Bild über die Bedrohung dieses gleichermaßen unbekannten wie faszinierenden Lebensraums und macht Zusammenhänge in über 45 Infografiken leicht verständlich.

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FALTER-Rezension

Der Mensch und das Meer

Ozeane machen die Erde zum „blauen Planeten“, sie bedecken 71 Prozent der Erdoberfläche, beheimaten den Großteil der Arten, erzeugen mindestens die Hälfte des Sauerstoffs, spielen eine zentrale Rolle fürs Klima und dienen mehr als einer Milliarde Menschen als Hauptprotein­quelle. Um darauf aufmerksam zu machen, wie stark wir von den Weltmeeren abhängig sind und warum wir sie schützen müssen, begehen die Vereinten Nationen alljährlich am 8. Juni den Welttag des Ozeans. Mit gutem Grund. Der Mensch hat die Ozeane stark unter Druck gebracht. Eine Bilanz in drei Wellen.

Welle 1, die Müllflut. Im November 2014 fischen Meeresbiologen der Newcastle University aus zwischen 6000 und 7000 Metern Tiefe ein unbekanntes Wesen aus dem Wasser. Eine Krebsart, weiß-orange-rötlich schimmernd, kleiner als ein Daumen, von der Form her wie ein Haufen Füße, auf die man einen Helm gestülpt hat. Als die Forscher ihren Fang untersuchen, finden sie im Dickdarm eines Exemplars Plastik. Sie benennen die neue Art „Eurythenes plasticus“. „Wir wollten auf die Tatsache hinweisen, dass wir sofort handeln müssen, um die Flut von Plastikmüll in unseren Ozeanen zu stoppen“, erklärte Alan Jamieson damals, der das Forscherteam leitete.

In mehr als 1400 Meeresarten wurde Plastik nachgewiesen, es findet sich fast überall. 2019 tauchte der Abenteurer Victor Vecovo tiefer als je ein Mensch vor ihm, fast elf Kilometer unter dem Meeresspiegel fand er am Boden des Marianengrabens ein Plastiksackerl. Die Vereinten Nationen schätzen, dass über die Flüsse jährlich bis zu 2,4 Millionen Tonnen Plastik in die Weltmeere gelangen. Fünf riesige Müllstrudel sind heute bekannt, der größte liegt im Nordpazifik, er ist so groß wie Mitteleuropa.

Kunststoffe machen bis zu 80 Prozent des Mülls im Ozean aus. Aber auch chemische Waffen wurden hier schon entsorgt. 1946 kippten die Amerikaner 80 Kilometer vor Kalifornien erstmals radioaktiven Müll in den Pazifik. Und schließlich werden die Meere durch riesige Umweltkatastrophen verpestet, etwa durch den GAU von Fukushima oder die Ölkatastrophen Deep Water Horizon und Exxon Valdez. Erst vor wenigen Tagen wurden tote Fische und Schildkröten an Sri Lankas Strände geschwemmt, nachdem der Frachter X-Press Pearl im Indischen Ozean gesunken war. Er hatte Container mit gefährlichen Chemikalien und Mikroplastik geladen. Die Folgen sind noch nicht absehbar, aber schon jetzt dürfte es eine der größten Umweltkatastrophen Sri Lankas sein.

Während Desaster für Schlagzeilen sorgen, passieren alltäglich leise Dramen. Nicht nur Abwässer von Städten und Industriegebieten landen in Ozeanen, auch Dünger wie Stickstoff und Phosphor aus der Landwirtschaft. Sie treiben das Wachstum der Algen an, die in weiterer Folge anderen Lebewesen Licht und Sauerstoff rauben. So entstehen Gegenden, in denen Leben unmöglich wird. Laut dem aktuellen „World Ocean Assessment“-Bericht der Vereinten Nationen haben sich diese sogenannten „Todeszonen“ von 2008 bis 2019 weltweit von über 400 auf rund 700 fast verdoppelt.

Welle 2, das Sinken der Arten. Jedes Jahr veröffentlicht das Florida Museum of Natural History, wie viele Menschen durch Hai-Attacken gestorben sind. Im Vorjahr waren es weltweit zehn Menschen. In einer Studie machten Wissenschaftler vor acht Jahren die umgekehrte Rechnung und berechneten, wie viele Haie jedes Jahr durch Menschen sterben. Sie kamen auf folgende Zahl: 100.000.000. Also auf hundert Millionen. Einer zweiten Studie zufolge, die heuer im Jänner erschien, brachen die Bestände von Haien und Rochen in den Ozeanen seit 1970 um 71 Prozent ein. Sie sind nur ein Mosaikstein eines größeren Bildes. „90 Prozent der weltweit kommerziell genutzten Fischbestände sind ausgereizt“, heißt es im Meeresatlas der Böll-Stiftung.

Von der Echten Karettschildkröte über den Glattrochen bis zum Südlichen Blauflossen-Thunfisch und dem Atlantischen Riesenzackenbarsch – sie alle gelten heute durch Überfischung und Beifang als vom Aussterben bedroht.

Welle 3, der Anstieg des CO2. 2019 untersuchten Umweltwissenschaftler, wodurch der Mensch den Ozeanen am stärksten zusetzt. Sie untersuchten 14 Belastungsfaktoren – von der Schifffahrt über Lichtverschmutzung bis hin zu Fischerei und Müll. Die größten Probleme für die Ozeane sind demnach die Klimakrise und die Versauerung des Wassers. Beides hängt direkt mit dem CO₂ zusammen, das entsteht, wenn wir Kohle, Öl, Gas und Holz verbrennen. Denn gelangt CO₂ in die Atmosphäre, heizt es das Klima an und erwärmt das Wasser. Landet es im Ozean, versauert das Wasser. Mit fatalen Folgen. Muscheln, Schnecken und Korallen können in saurem Gewässer nur schwer Gehäuse und Schalen bilden. Gleichzeitig steigt mit den Temperaturen nicht nur der Meeresspiegel, sondern verändern sich auch Strömungen im Ozean und die Bedingungen für wichtige Ökosysteme. Eine zentrale Rolle spielen dabei Korallenriffe, die einer Fülle von Arten eine Heimat bieten und deshalb als Regenwald der Meere gelten. Sie reagieren besonders sensibel auf Temperaturänderungen.

Kaum irgendwo auf der Welt schlägt die Klimakrise stärker zu als dort. Der Welt­klimarat erstellt düstere Szenarien. Egal ob wir die Klimakrise noch aufhalten können: Für den Großteil der Korallenriffe kommt der Klimaschutz zu spät. Gelingt es mit riesiger Anstrengung, die Erderhitzung auf 1,5 Grad zu begrenzen, rechnen Klimaforscher mit einem Verlust der Korallenriffe von 70 bis 90 Prozent. Bei zwei Grad sind es mehr als 99 Prozent.

Wie dramatisch die Lage ist, fasst ein wissenschaftlicher Kommentar des Biologen Timothy Gordon zusammen, der zur Geräuschkulisse von Korallenriffen forschte, die binnen weniger Jahre verstummten. Er fordert darin professionelle Hilfe für Umweltforscher ein. „Der Verlust von wertvollen Arten, Ökosystemen und Landschaften verursacht starke Trauer bei Menschen, die emotional an der Natur hängen“, schreibt Gordon. „Damit wir unsere zunehmend geschädigten natürlichen Ökosysteme verstehen können und Lösungen finden, müssen Umweltforscher weinen dürfen.“F

Benedikt Narodoslawsky in Falter 23/2021 vom 11.06.2021 (S. 53)


30 Prozent der Thunfischbestände sind überfischt. Rund 450 Jahre braucht eine PET-Flasche, um im Ozean in so kleine Teile zu zerfallen, dass sie nicht mehr zu sehen sind. U-Boote sind mit bis zu 230 Dezibel lauter als Raketentriebwerke und betäuben Delfine. Kaum jemand versteht es besser, die komplizierten Umweltkrisen unserer Zeit in Infografiken zu erklären als Esther Gonstalla. Ihr Ozeanbuch ist ein großartiger Einstieg ins Thema und lässt den Leser in kurzer Zeit viel verstehen.

Benedikt Narodoslawsky in Falter 46/2020 vom 13.11.2020 (S. 29)

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Produktdetails
Mehr Informationen
ISBN 9783960060123
Erscheinungsdatum 07.08.2017
Umfang 128 Seiten
Genre Sachbücher/Natur, Technik/Natur, Gesellschaft
Format Hardcover
Verlag oekom verlag
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