Kinder sicher im Internet
Die digitalen Gefahrenfür unsere Kinder und wie wir sie davor schützen

von Geyrhofer Alexander

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Verlag: edition a
Format: Taschenbuch
Genre: Ratgeber/Gesundheit
Umfang: 288 Seiten
Erscheinungsdatum: 30.03.2019


Rezension aus FALTER 16/2019

Unversehrt im Netz spielen

Seid Vorbild! Was Cyber-Polizist Alexander Geyrhofer Eltern von Handy-Kids rät

Zuerst die Fakten. Selbst wer es schafft, seinem Kind den Handywunsch nicht so schnell und einfach zu erfüllen, muss wissen, dass es deshalb nicht handyfrei aufwächst. In der Schule, am Spielplatz, bei Freunden, Handys gehören einfach dazu. 14 Prozent der Drei- bis Fünfjährigen und 42 Prozent der Fünf- bis Achtjährigen besitzen ein eigenes Mobiltelefon.

Dann die Verantwortung. Bis zum 14. Lebensjahr haben Eltern eine Fürsorgeverpflichtung, sie müssen also dafür gerade stehen, was ihre Kinder im Netz machen. Das sind nur zwei von vielen wichtigen Fakten, die Alexander Geyrhofer in seinem neuen Buch „Kinder sicher im Internet“ anführt.

Geyrhofer ist vierfacher Vater, hat mehr als 30 Jahre Berufserfahrung als Polizist und arbeitet beim Landeskriminalamt Linz im Bereich Kriminalprävention-Jugendgewalt, Internetkriminalität und Amokprävention und wird oft von Schulen angefordert, wenn es um Cybermobbing geht. Er schreibt aus der Praxis, verständlich und um konkrete Ratschläge und Lösungen bemüht. Den wichtigsten Rat, den er Eltern von Digital Natives gibt, ist auch der schwierigste.

Seid Vorbild! Denn Eltern, die stundenlang am Handy hängen, können ihren Kindern kaum glaubhaft begrenzte „Screen-Time“ (also Bildschirmzeit) verordnen. So praktisch Handy und Tablet als Kindersitter sind, so gefährlich sind sie für die Eltern-Kind-Beziehung. Das Zwischenmenschliche geht verloren, wenn Menschen vor ihren Bildschirmen geparkt werden. So entsteht Suchtverhalten.

Einfach ist auch nicht, was Geyr-hofer Eltern als Zweites empfiehlt. Informiert euch gut über die Welt, in der sich eure Kinder im Netz bewegen! „Digital Immigrants“, die nicht wissen, was die Unterschiede zwischen Whitenet, Deep Web und Darknet sind, die Instagram, Snapchat, Whatsapp, Youtube, Musical.ly, Skype, Houseparty, Telegram und TikTok nicht kennen, können einen wichtigen Teil des Lebens seines Nachwuchses, der Digital-Native-Generation, nicht mehr verstehen, geschweige denn „kontrollieren“.

Und um Kontrolle geht es im Volksschulalter sehr wohl, daran lässt Geyrhofer keinen Zweifel. Nicht nur aus rechtlichen Gründen (Aufsichtspflicht), sondern auch, weil das Internet für ihn ähnlich ist wie der Straßenverkehr. Auch da würden Eltern Kinder unter zehn Jahren nie ohne Helm aufs Fahrrad setzen.

Cybergrooming lautet der Fachbegriff für Online-Kontaktaufnahme mit Unmündigen in sexueller Absicht. Pädophile sprechen Kinder und Jugendliche unter falscher Identität in ihren Chatgroups und Onlineportalen an, beginnen ein Gespräch und fragen nach Wohnadresse, wünschen sich Fotos, versprechen Geschenke. Geyrhofer erzählt, wie schnell verdeckt ermittelnde Beamte fündig werden.

Nach fünf Minuten wurde ein Polizist, der sich als „Sweetrose12“ in einem Online-Rollenspiel eingeloggt hatte, schon einschlägig angesprochen.

Kinder müssen von dem Moment an, da sie online sind, wissen, dass sie ein Recht auf ihr eigenes Bild haben und es gefährlich ist, mit Menschen zu chatten, die sie nicht kennen.

Genauso verhält es sich beim „Sexting“, dem Teilen von Fast- oder Ganznacktfotos im Netz. Laut einer Saferinternet-Studie sagten 31 Prozent von 500 Jugendlichen im Alter von 14 bis 18 Jahren, dass sie schon Nacktaufnahmen geschickt bekamen, 16 Prozent hatten selber schon welche versandt. Cybermobbing, die Hetze gegen andere, meist organisiert als „Schwarm“, ist nicht weniger gefährlich. In einem Fall in Oberösterreich bekam ein Mädchen in einer Nacht mehr als 1000 Mobbing-Nachrichten über Whatsapp. Ohne viele Hürden können schon Kinder im Vorschulalter über sprachgesteuerte Programme wie Siri Reizwörter wie „Sex“, „Penis“ oder „Porno“ abfragen. Was sie sehen, irritiert sie.

Gerade in solch brenzligen Situationen ist es wichtig, dass Kinder ihre Eltern als kompetente Ansprechpartner für die Onlinewelt sehen und mit allen Fragen und Sorgen zu ihnen kommen können. „Kinder müssen wissen, an wen sie sich im Notfall wenden können. Das muss jemand sein, der sich auskennt und zugleich das Gefühl vermittelt, ein immer offener, vertrauenswürdiger Gesprächspartner zu sein“, sagt Geyrhofer. Im Fall von Cybergrooming oder -mobbing sind jedenfalls alle Beweise zu sichern (mit Screenshots, Link kopieren) und ist Anzeige bei der Polizei zu erstatten.

Nutzen dann Handyverbote oder Strafen? Bloß nicht, rät Geyrhofer. Er empfiehlt zwar grundsätzlich, Kindern so lang wie möglich das eigene Handy zu versagen, gibt aber aus eigener Erfahrung zu, dass es spätestens ab dem zehnten Lebensjahr unfair wäre, weil es bedeutet: Du bist nicht dabei.

Barbaba Tóth in FALTER 16/2019 vom 19.04.2019 (S. 44)


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