Sonst kriegen Sie Ihr Geld zurück
Roman

von Tomer Gardi

€ 20,00
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Übersetzung: Anne Birkenhauer
Verlag: Droschl, M
Format: Hardcover
Genre: Belletristik/Erzählende Literatur
Umfang: 160 Seiten
Erscheinungsdatum: 08.02.2019

Rezension aus FALTER 8/2019

Die Scheherazade gegen neoliberale Willkür

Mit seinem Debütroman brachte Tomer Gardi, in Berlin lebender israelischer Jude und Palästina-Unterstützer, 2016 Wirbel in den Literaturbetrieb. „Broken German“ war Titel und Programm. Die Diskussionen nach Gardis Auftritt beim Bachmann-Preis entfachten sich an seinem übermütigen Pidgin. Ob das denn Deutsch sei, maulten die Bedenkenträger. „Realismus schreiben nur Menschen mit einem festen Wohnsitz und einer Aufenthaltserlaubnis“, antwortete Gardi darauf. Sein zweiter Roman ist zwar sprachlich braver, wohl auch, weil Gardi ihn in seiner Muttersprache verfasst hat. Literarisch enttäuscht er aber nicht. „Sonst kriegen Sie Ihr Geld zurück“ spielt mit dem orientalischen „Tausendundeine Nacht“-Klischee. Die Heldin Tolli Grotesky sitzt im Arbeitsamt einem bornierten Beamten gegenüber, der ihr sagt, dass es den Beruf Schriftsteller gar nicht gibt. Die glücklose Autorin schlägt vor, eine Geschichte zu erzählen, und wenn der Bürokrat sie gut finde, müsse er ihr das Arbeitslosengeld bewilligen: „Sie sind der König und ich bin Ihre Scheherazade, eine Scheherazade des neoliberalen Zeitalters.“

So erzählt sie, um ihre Existenz zu sichern, und erfindet Figuren, die sich in staatlicher Gewalt verfangen. Etwa den arglosen Palästinenser Abu Adwan, dem auf verschlungenen Wegen ein Damastmesser zum Verhängnis wird. Oder dessen ursprünglichen Besitzer, der von der Großmutter eines Schriftstellers damit umgebracht wurde, weil er sie hatte vergewaltigen wollen. Der schreibende Enkel ist Groteskys Alter Ego. Er wird als für den Militärdienst untauglich befunden und deswegen auch aus dem nationalen Schriftstellerverband geworfen: „Ohne Armee gibt es kein Territorium, und ohne Territorium gibt es keine Literatur, und ohne Literatur gibt es keine Sprache.“

Viel Raum nehmen fiktive Geschichten von Stierkämpfen in Israel ein. Deren fachlich profunde, moralisch neutrale Beschreibung wird Tierschützern den Blutdruck in die Höhe treiben. Allzu schnell sind 160 Seiten vorüber. Wären wir der Bürokrat, wir wollten länger zuhören.

Dominika Meindl in FALTER 8/2019 vom 22.02.2019 (S. 28)


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