Palmherzen

von Margit Mössmer

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Verlag: Edition Atelier
Format: Hardcover
Genre: Belletristik/Gegenwartsliteratur (ab 1945)
Umfang: 248 Seiten
Erscheinungsdatum: 25.02.2019


Rezension aus FALTER 16/2019

Magischer Realismus made in Hollabrunn

Eine Ostösterreicherin, die einen Ecuador-Roman schreibt – kann das gutgehen? Anfangs scheint Margit Mössmer weder der Vorstellungskraft der Leser noch der eigenen Sprachmacht zu trauen, wenn sie erklärt: „Denn Quito lag in einem nur wenige Kilometer breiten Streifen des Guayllabamba-Tals, über das der viertausendachthundert Meter hohe Pichincha herrschte, der Berg, der der Region ihren Namen gab.“ Auch der „hartgesottene Schmetterling“ oder Schuhe, die an Füßen „prahlen“, irritieren zunächst. Man lasse sich aber von derlei Bagatellen nicht aufhalten!

Die Handlung von „Palmherzen“ mäandert und wuchert analog zur tropischen Natur. Perspektiven wechseln, Stränge enden, neue wachsen. Da ist Catita, blasierte Exfrau eines korrupten Petro-Ministers, die ihr Leben mit der Suche nach dem optimalen Rausch verplempert.

Ihr Bruder Jorge ist Arzt und Plantagenbesitzer, er bewirtschaftet Babassupalmen, um ihre essbaren Herzen als Bio-Alternative zum Palmöl zu vermarkten. Die schmecken wie eine Mischung aus Artischocke und Spargel und sind in den USA Hauptzutat des „Millionaire’s Salad“. Wirtschaftlich läuft es gut für Jorge, doch Bandenmorde bedrohen nicht nur sein Geschäft.

Just als man der Sorgen der Reichen ein wenig überdrüssig wird, wechselt Mössmer zu den unteren 10.000. An scheinbar Kleinem zeigt sie die postkoloniale Verfasstheit Ecuadors. Wer die Polizei nicht schmiert, ist selbst im Verdacht. Schüler müssen Plastik sammeln, um daraus ein Kunstwerk zu bauen, das auf die Zerstörung der Umwelt hinweist. Was wiederum die Mütter dazu zwingt, Flaschen zu kaufen.

„Betreibt die Regierung nicht magischen Realismus vom Feinsten?“, stellt Catita fest und schenkt ihrer Haushälterin Angélica gönnerhaft ihr Leergut. „Wir haben immer gesagt, wir müssen wie Schwarze arbeiten, damit wir wie Weiße leben können“, sagt deren untreuer Mann, dabei könne man nicht einmal leben „wie Braune“. „Wir arbeiten wie Schwarze, um zu überleben“, unterbricht ihn Angélica. Ein starker Text.

Dominika Meindl in FALTER 16/2019 vom 19.04.2019 (S. 34)


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