Talking Elevator

von Andy Manndorff

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Label: Extraplatte
Erscheinungsdatum: 01.01.1998

Rezension aus FALTER 43/1998

Für Gitarristen ist Österreich kein so schlechtes Pflaster, und immer wieder schaffen heimische Kräfte den Sprung über den großen Teich. Andy Manndorff hat sein jüngstes Album in New York eingespielt, und gleich die erste Nummer mit dem sprechenden Titel "Slide for Sale" ergeht sich in amerikanischer Slide-Emphase. Gitarristen neigen mitunter dazu, ihre spiel-, klang- und tontechnischen Möglichkeiten auszureizen, und auch Manndorff ist davor nicht gefeit. Spacige Sounds und selbstverliebtes Auf-der-Stelle-treten oder Stücke, die in opernhaftem Pathos versinken ("Aria"), machen "Talking Elevator" zu einem ausgesprochen heterogenen Album, an dem die rockigeren Stücke ("Onkel Nepomuk", "Crowded Garage") am bündigsten und ergo auch überzeugendsten sind. Martin Siewert's Duckbilled Platypus. Duck You! Extraplatte si Gewisse Orientierungsschwierigkeiten und ein Mangel an Formgebändigtkeit ist auch bei Shooting-Star Martin Siewert festzustellen, auch wenn dieser die Spielereien mit den electronic devices gegenüber dem Vorgängeralbum mit seinem Quartett deutlich reduziert hat. Das Problem scheint mir die mangelnde Logik in der Entwicklung der einzelnen Stücke zu sein. Was sich gerne in vertrackten Unisono-Passagen von Gitarre und Altsaxophon (Gerald Preinfalk) ergeht und entfernt an Steve Coleman erinnert, driftet immer wieder in Dialoge, heftige Attacken, Klangspielereien ab, ohne daß diese zu überzeugen vermögen. Hat man sich in der Improvisation verrannt, wird einfach wieder auf eine auskomponierte Passage zurückgegriffen. Wolfgang & Christian Muthspiel: Cy Lotus Überzeugender fiel das dem amerikanischen Künstler Cy Twombly gewidmete Album der Muthspiel-Brüder aus. Entsprechend der "Vorlage" ist "Cy" entsprechend filigran geraten, kommt ohne große Gesten aus. Die musikalischen Ereignisse spielen sich sozusagen auf der "Mikroebene" ab, selbst "maschinenähnlichen" Patterns haftet etwas fast Putziges an. Unter dem ständig wechselnden Einsatz von Posaune, Pfeifenorgel und Klavier (Christian) bzw. Gitarre und Violine (Wolfgang) machen sich die Muthspiels auch unorthodoxe Klangerzeugungstechniken zunutze, um in mal dezent jazziger, mal eher kammermusikalischer und minimalistischer Manier das Verhältnis von Vorder- und Hintergrund, Musik und Störgeräusch zu thematisieren. Und solange die Niedergeschlagenheit so melodiös und gewitzt daherkommt wie auf "Letter of Resignation XIV", ist eine echte Depression nicht zu fürchten.

in FALTER 43/1998 vom 30.10.1998 (S. 64)


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