Baroque Music of Latin America

von Santiago de Murcia, Camerata Renacentista de Caracas

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Label: Dorian Recordings
Erscheinungsdatum: 01.01.2000

Rezension aus FALTER 27/2000

Die absehbaren Schubladisierungsprobleme der Rezensenten nehmen die Musiker des Ensemble Kapsberger im Booklet ihrer neuen CD gleich vorweg: "Alte Weltmusik", "Alte Neue-Welt-Musik" oder "Alte Neue-Welt-Weltmusik" lauten einige ihrer launigen, aber treffenden Kategorisierungsvorschläge. Also: Diese Platte läuft hier unter "Alte Musik", einfach weil Santiago de Murcia (kurz) vor J.S. Bach geboren wurde. Stichhaltigere Gründe dafür gibt es nicht. Der spanische Komponist landete nämlich, gegen 1730 in Mexiko, schrieb dort Werke in italienischem, französischem, höfischem und volkstümlichem Stil - und ließ sich von den Einflüssen seiner neuen Heimat und der Musik Westafrikas inspirieren. So versammelt sein hier eingespielter "Codex Nr. 4" 17 teils bekannte Tänze wie Jacaras, Fandango, Folias oder Tarantela, aber eben auch Cumbees und Zarambeques. Doch nicht erst bei diesen Exoten glaubt man, Ohrenzeuge einer Jam-Session auf einem Ethno-Camp zu sein: Den Notentext, versichern die Musiker, nähmen sie zwar ernst, wichtiger aber sei ihnen die lebendige Wirkung der Musik. Und die erreichen sie durch eigenwillige Instrumentationen genau so wie durch den Mut zur Improvisation. Das Konzept geht auf: Südamerika-Flair ohne Buena-Vista-Effekt. Deutlich gediegener und vor allem frommer geht es auf einer neuen CD der Camerata Renacentista de Caracas zu. Seit über zwanzig Jahren widmet sich das Ensemble aus Venezuela der Musikgeschichte Lateinamerikas, die von eingewanderten Komponisten und deren europäischen Idealen genauso geprägt ist wie von dort geborenen Musikern der zweiten und dritten Generation mit ihrer Offenheit gegenüber den örtlichen Traditionen. Die 19 hier eingespielten Vokalwerke von Komponisten wie Juan Mathias, Rafael Antonio Castellanos oder Gaspar Fernandes sind zwar großteils aus dem sakralen Bereich und deswegen eher abendländisch geprägt; aber wann hat man schon die Möglichkeit, 13 unbekannte Komponisten auf einen Schlag kennen zu lernen?

in FALTER 27/2000 vom 07.07.2000 (S. 60)


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