Label: Koch
Erscheinungsdatum: 01.01.2000

Rezension aus FALTER 29/2000

Eigentlich hätte der 1810 geborene Norbert Burgmüller das Zeug dazu gehabt, als einer der großen Romantiker in die Musikgeschichte einzugehen: Seinen kompositorischen Fähigkeiten stellten Kapazunder wie Robert Schumann oder Felix Mendelssohn brillante Zeugnisse aus, und seine Biografie hätte sogar genügend Stoff für Legendenbildung geboten - vom musikalischen Elternhaus (der Vater war wahrscheinlich ein Lehrer, die Mutter sicher eine Geliebte Beethovens) über seine berüchtigten Sauftouren durch Düsseldorf bis hin zum mysteriösen Tod durch Ertrinken im Alter von 26 Jahren. Bis dahin hat Burgmüller immerhin mehrere Orchesterwerke, ein Klavierkonzert (s.u.), vier Streichquartette, 22 Lieder und einiges an Kammermusik fertig stellen können. Eine Auswahl davon - die Klaviersonate op. 8, das Duo für Klarinette und Klavier op. 15 (mit Dieter Klöcker) sowie 13 Lieder (Mitsuko Shirai, Sopran, und Hartmut Höll, Klavier) - findet sich, tadellos eingespielt, auf dieser CD des immer um Neuentdeckungen bemühten Labels MDG. Und zeigt - mit Einschränkungen bei den eher simpel gestrickten Liedern - einen erstaunlich eigenständigen Komponisten, der dabei ist, die zu seiner Zeit modische Virtuosität zugunsten des Ausdrucks zu verlassen. Dieser Ausdruck fällt bei Burgmüller meist nicht gerade unpathetisch aus. Auch sein Klavierkonzert op. 1 (übrigens das erste der Musikgeschichte in fis-Moll und sein größter Erfolg zu Lebzeiten) ist vor allem vom großen Ernst des 18-jährigen Komponisten geprägt. Natürlich lassen sich immer wieder Parallelen zu Zeitgenossen wie Chopin oder Schumann finden, doch auch im direkten Vergleich mit Schumanns Konzertstücken op. 92 und 134, den diese CD des Pianisten Nikolaus Lahusen ermöglicht, zeigt sich die starke Individualität Burgmüllers. Und beweist, dass Schumanns Nachruf auf den Kollegen so unangemessen nicht war, wie er heute klingen mag: "Nach Franz Schuberts frühzeitigem Tod konnte keiner schmerzlicher treffen als der Burgmüllers."

in FALTER 29/2000 vom 21.07.2000 (S. 51)


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