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Label: Chandos/Koch
Erscheinungsdatum: 01.01.2001

Rezension aus FALTER 12/2001

Lassen Sie sich nicht abschrecken, wenn es heißt, Nikolaj Roslawetz sei der "russische Schönberg" gewesen. Das ist zwar nicht ganz falsch, weil Roslawetz 1913 tatsächlich die erste atonale Komposition in Russland vorlegte und noch vor seinem Wiener Kollegen an einer neuen, seriellen Ordnung des "posttonalen Chaos" experimentierte; doch bei seinen klanglichen Ergebnissen führt der Vergleich mit dem offiziellen Erfinder der Zwölftontechnik in die Irre: Roslawetz verwendete seine Theorie des "synthetischen Akkords" weniger zur Konstruktion der Themen als vielmehr für eine fantastisch-ausufernde Chromatik, wie man sie nicht oft zu hören bekommt. Kein Wunder also, wenn das Trio Fontenay bei den Klaviertrios Nr. 2-4 die Möglichkeit nutzt, deren beinahe grenzenlose harmonische Freiheit in vollen Zügen auszukosten, sich schwungvoll der vertrackten Rhythmik hinzugeben und vom hoch expressiven Themenstrudel mitreißen zu lassen. So rückt diese CD auch den eingangs zitierten Vergleich zurecht, stellt Roslawetz' Musik weg von Schönberg und in die klangliche Nähe zu Skrjabin. Die Verwandtschaft zu Skrjabin wird auch bei einer weiteren Roslawetz-CD deutlich, auf der neben allen Werken für Cello und Klavier seine "Fünf Preludes" für Klavier zu hören sind. Die orientieren sich zwar am zerrissenen Ausdruck von Skrjabins berühmten "Fünf Preludes" op. 74, lassen diese aber nicht nur harmonisch weit hinter sich. Solche wenig "sozialistisch-realistische" Dichte und Komplexität führten ab 1929 dazu, dass der 1881 geborene Bauernsohn nicht mehr als der idealtypische "proletarische Künstler" galt, als den er sich selbst sah, und zum Opfer der stalinistischen Kulturdoktrin wurde: Als "bourgeois", "formalistisch" und "kontrarevolutionär" gebrandmarkt, wurde Roslawetz in der Provinz zur Ausbildung von Militärkapellmeistern eingesetzt und mit einem nachhaltig wirksamen Aufführungsverbot belegt: Bis vor kurzem war der Komponist praktisch vergessen.

in FALTER 12/2001 vom 23.03.2001 (S. 74)


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