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Label: Musikszene Schweiz / Helikon
Erscheinungsdatum: 01.01.2002

Rezension aus FALTER 35/2002

Nostalgische Assoziationen drängen sich auf: Wie aus einer untergegangenen Welt von gestern, vom Dachboden einer verlassenen Schule, aus dem abgedunkelten Salon eines lange schon leer stehenden Sommerhäuschens dringen Ivan Wyschnegradskys 24 Préludes an unser Ohr - melancholisch verschleiert, selbstvergessen, manchmal morbide, immer geheimnisvoll. Wer den unbeabsichtigten Charme eines verstimmten Klaviers zu schätzen weiß, der wird auch dem Reiz dieser Musik erliegen: Unermüdlich feilte der 1893 in St. Petersburg geborene und 1979 einsam in Paris gestorbene Komponist an seiner komplexen Technik, die sich mit den üblichen Halbtönen nicht zufrieden gibt und die Oktav in Viertel-, Sechstel- oder gar Zwölfteltöne unterteilt. Sylvaine Billier und Martine Joste präsentieren das Ergebnis auf zwei im Vierteltonabstand gegeneinander gestimmten Klavieren: verwehte Melodien, vage Klänge, kaum zu fassende Farben. Zauberhaft. Auch die Pianisten Gertrud Schneider und Thomas Bächli sind der Viertelton-Klangwelt verfallen. Auf ihrer CD stellen sie - neben Klassikern von Wyschnegradsky und Charles Ives - jüngere Werke einiger Schweizer Komponisten (Peter Streiff, Roland Moser, Dieter Jordi u.a.) vor, die diesen um 1920 eingeschlagenen, längst aber verlassenen und verwucherten Weg der harmonischen Erneuerung neu erkunden: vorsichtig tastende Versuche auf fragilem Terrain.

in FALTER 35/2002 vom 30.08.2002 (S. 50)


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