Mensch

von Herbert Grönemeyer

Derzeit nicht lieferbar

Label: EMI
Erscheinungsdatum: 01.01.2002

Rezension aus FALTER 37/2002

Klar ist "Mensch" auch manchmal kitschig, mitunter sogar bis zur streicherseligen Peinlichkeit ("Der Weg"). Auch die eine oder andere Betroffenheitsgeste darf wieder nicht fehlen. Und der schwere Einsatz druckvoller Gitarreros ("Neuland") war ebenfalls zu erwarten gewesen. Auch auf seinem neuen Album hat Herbert Grönemeyer weder sich selbst noch seine Musik neu erfunden. Und das ist auch gut so: Seine Stimme quetscht wie gehabt, seine Mambos ("Viertel Vor") sind immer noch großartig; daneben bleibt der erfolgreichste deutsche Popstar - völlig unbeeindruckt vom aktuellen Happy-Tralala - so ernsthaft, so selbstreflexiv (aber nicht unwitzig), so "deutsch" wie eh und je. Und wirkt darin mittlerweile vielleicht sogar noch glaubwürdiger. Ganz früher hat Grönemeyer nur Bochum und den Pott geduzt, dann den aufrechten Mahner der wiedervereinigten Nation gegeben; jetzt spricht er wieder das ganze Land an, wenn auch deutlich milder und ohne Bitterkeit: "Neuland" nennt er es ziemlich treffend, und schon lange ist nichts Besseres mehr über Deutschland gesungen worden. Auch wenn er sich trotzig über die Konsensideologie des Verfassungspatriotismus hinwegsetzt ("Ich mag das Land, ich mag die Menschen. Ich mag nicht den Staat"). Wer sonst könnte diese Rolle glaubhaft übernehmen? Grönemeyer wird immer mehr Grönemeyer. Allein dafür muss man ihn eigentlich mögen.

in FALTER 37/2002 vom 13.09.2002 (S. 55)


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