The Understanding

von Röyksopp

Derzeit nicht lieferbar

Label: Wall of Sound/Edel
Erscheinungsdatum: 01.01.2005

Rezension aus FALTER 27/2005

Fühlt die Signale Das zweite Album des Elektropopduos Röyksopp klingt fast noch perfekter als das erste. Und jetzt singen sie auch noch selbst. Vor vier Jahren bemängelte der Singer/Songwriter Florian Horwath, damals noch FM4-Redakteur, das Fehlen von Röyksopp in der damaligen Pop-Jahresbestenliste des Falter. "Ihr Album ,Melody A.M.' gurkerlt so unerschütterlich moody dahin, dass es auch nach 14-maligem Nonstophören eine Freude ist", schwärmte er. Zu Recht. Das Debüt der norwegischen Sounddesigner war indes nicht nur eine zauberhaft tönende Angelegenheit. Nebenbei mauserte es sich ohne großes marketingtechnisches Zutun auch zu einem unerwarteten Verkaufserfolg. "Das Ganze begann eigentlich als Undergroundding", erinnert sich Torbjorn Brundtland im Interview. "Aber die Leute, die das Album gekauft hatten, erzählten anderen Leuten davon. Und irgendwann waren eine Million Exemplare verkauft." Aus zwei wortkargen Nordlichtern, die sich über ihre gemeinsame Liebe zu noch wortkargerer Technomusik kennen gelernt hatten, wurden sozusagen Popstars. Den Kopf ließen sich Brundtland und sein Partner Svein Berge davon nicht verdrehen: "Die Musik ist bei uns wichtiger als die Menschen, die sie machen." Unschöne Ego-Kämpfe, wie sie sich mit einem gewissen Renommee unter Bandkollegen gern einstellen, haben sich die beiden dann auch gespart. Lieber tüftelten sie daran, den Popgesetzen ein Schnippchen zu schlagen und das angeblich so schwierige zweite Album würdig zu gestalten. Die mit Spannung erwartete CD "The Understanding" sollte alles werden, nur kein Abklatsch des Erstlings: "Es wäre leicht gewesen, ,Melody A.M., Teil 2' zu machen. Wir haben uns aber weiterentwickelt." Kreativer Fortschritt, das bedeutet für Röyksopp 2005 mehr Abwechslung, mehr Pop, mehr Stimme. Bei Letzterem vertrauten sie nicht wieder auf die Dienste ihres Landsmannes Erlend Oye, sondern wagten überraschend selbst den Schritt ans Mikrofon. "Das Singen war anfangs so eine Sache für uns", erklärt Neovokalist Torbjorn Brundtland. "Im Pop ist es die natürlichste Sache der Welt, für uns war es das nicht, denn wir hörten früher fast nur Instrumentalmusik. Aber je mehr wir live spielten, desto wohler fühlten wir uns mit Gesang, irgendwann freundeten wir uns auch mit unserem eigenen an." Gegen das nun veröffentlichte Ergebnis von zwei Jahren Arbeit an Stimmen und Sounds lässt sich eigentlich nur ein - schwacher - Einwand vorbringen: "The Understanding" klingt fast schon zu rund und perfekt. Ein wenig erinnert die gekonnt zwischen sommerlicher Leichtigkeit und Schwermut pendelnde Musik an jene des französischen Duos Air. Nur haben die beiden Norweger die etwas weniger kitschigen Melodien und mehr als nur einen Stil. Mit so großer Leichtigkeit switchen sie von Genre zu Genre - von Discorumms zu balladeskem Pathos, von Euphorie zu Melancholie -, dass es eine reine Freude ist. Trotz aller Abwechslung verstehen Röyksopp ihre Musik jedoch immer noch primär als eine elektronische: "Wir wollen zeigen, dass das keine kalte Angelegenheit sein muss, es kann sogar Soulmusik sein. Wenn uns jemand sagt, dass wir elektronische Musik zugänglicher für die Massen machen, dann ist das das größte Kompliment für uns." Dieses Lob haben sich Röyksopp auch für ihr zweites Album redlich verdient. Nur über das grausige Psychedelikcover sei besser der Mantel des Schweigens gebreitet. Andererseits: Irgendwie beruhigend, dass auch Perfektionisten mal ordentlich danebengreifen.

in FALTER 27/2005 vom 08.07.2005 (S. 56)


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