We Carried The Sunlight Down to The Day

von Bell Etage

Derzeit nicht lieferbar

Label: Pumpkin/Trost
Erscheinungsdatum: 01.08.2007

Rezension aus FALTER 49/2007

Singender Kürbis

Im südweststeirischen Wies gibt es eine Kulturinitiative namens Kürbis, die neben der Veranstaltungsarbeit in den Bereichen Literatur, Theater und Musik auch den Verlag Edition Kürbis und das Label Pumpkin Records (Vertrieb: Trost) betreibt. Inhaltlich propagieren die Kürbis-Leute einen Crossover aus der Verbundenheit zu regionaler Tradition und der Offenheit gegenüber Experimentellem und Neuem, und diese Programmatik prägt auch die Arbeit der Tonträgersektion. Lag das Hauptaugenmerk früher vor allem auf bewusst schräg angelegten Themen-Samplern, so ist das mit den Katalognummern 23 bis 25 versehene Herbstprogramm durchwegs interessanten Künstleralben gewidmet.
Bell Etage kredenzen auf "We Carried the Sunlight Down to the Day" eine lässige Form englischsprachigen Alternative-Rocks, der abgeklärt-erwachsene Passagen mit Momenten des Auf- und Ausbruchs eint und durch ein glücklicherweise nie gimmickhaft eingesetztes Cello Bonuspunkte in Sachen klanglicher Eigenständigkeit sammelt. Die Vorbilder dieser Musik sitzen in Amerika, alte R.E.M.-Platten sind Bell Etage gewiss weit wichtiger als der neueste britische MySpace-Hype, und ganz falsch ist das natürlich nicht.Das zwischen deutsch- und englischsprachigem Gesang pendelnde Quintett Hotel Prestige wartet auf "Take a Souvenir from Your Teenage Confusion" ebenfalls mit rockuntypischen Instrumenten auf. Der erste Song, "Wie ich die Winterdepression überwunden habe", ist von einer Ziehharmonika geprägt, das knapp siebenminütige Epos "Water" überrascht mittendrin durch tränenerstickte mexikanische Bläserklänge, und Banjo und Laptopbeats müssen bei diesem herzlichen Folkpopentwurf auch kein Gegensatzpaar sein.4 Experimentelle Die Nur 2 Sind (kurz: 4EX2) um den Sänger und Gitarristen David Lipp sind tatsächlich zu sechst, haben u.a. Reeds und Violine an Board und spielen auf "Typewriter" teils New-Wave-angehauchten Avantgardepop mit deutschen Texten zwischen Dada und Poesie. Die Zugänglichkeit behält gegenüber der Nervensäge letztlich klar die Oberhand, an der bereits auf den Vorgängeralben kultivierten künstlerischen Eigensinnigkeit ändert das aber nichts.

Gerhard Stöger in FALTER 49/2007 vom 07.12.2007 (S. 74)

Weiters in dieser Rezension besprochen:

Take a souvenir from your teenage confusion (Hotel Prestige)
Typewriter (4 Experimentelle Die Nur 2 Sind (4EX2))

Rezension aus FALTER 35/2007

Cello & Tobsucht

Wie auch Mann über Bord! (siehe nächste Rezension) hat mit Bell Etage eine weitere Wiener Band das südsteirische Label Pumpkin Records als Heimat auserkoren. Bell Etage warten mit verspielt arrangiertem Indie-Rock auf, der auf sublime Weise den Geist der Siebziger atmet. Das mag wohl am stimmlichen Pathos des Sängers Ernst Thiefenthaler liegen. Warum auch immer, so wird heutzutage nicht mehr gesungen. Auf Refrains wird gepfiffen, die Songs walzen sich episch aus, die Gitarrenarrangements wollen teilweise etwas zu viel. Ein Cello hingegen ist ohnehin selten fehl am Platz, liebevoll begleitet es das Gros der Stücke. Wer etwa das besonnene Gitarrengezupfe eines Sam Prekop (The Sea and Cake) schätzt, auf emotionale Ausbrüche aber nicht verzichten möchte, könnte auch mal bei Bell Etage vorbeischauen.Politisch korrekte Segelschulen rufen heutzutage: "Person über Bord!" Die schnittige deutsche Poesie der dreiköpfigen Wiener Combo Mann über Bord! nimmt davon keine Notiz: "Die Gurgel brennt, der Nerv durchtrennt. Gefühle, die nicht jeder kennt." An dieser feisten Auffassung von Gebrauchsliteratur könnte sich die Mehrheit deutschsprachiger Rockbands ein Vorbild nehmen. Und musikalisch hat die Band unter Aufsicht des in Wien lebenden Grazer Sängers und Gitarristen Stefan Ehgartner ohnehin die dickeren Scheite im Ofen. Zwischen messerscharfem Post-Punk und dezent versponnenem Art-Core schmiert sich ein butterweicher SH-101, ein Synthesizer-Klassiker. Geht haarscharf an der Zwangseinweisung vorbei.Zum Thema Zwangseinweisung: Dass der nunmehr in L.A. lebende Nate Denver noch nicht geholt wurde, kann nur an einer behördlichen Unachtsamkeit liegen. Im Normalfall veröffentlicht der Grenzgänger unter dem Namen Nate Denver's Neck und gibt auch gerne den rotzfrechen Singer/Songwriter, der vorzugsweise über die Vor- und Nachteile der Hölle singt. Als Dig That Body Up, It's Alive widmet er sich seinem zweiten Steckenpferd: Death Metal mit Kunstanspruch. Dabei unterstützen ihn der aus San Francisco stammende John Dwyer (Ohsees aka OCS, Coachwhips etc.) und der New Yorker Oran Canfield, auch die Labelwahl harmoniert: das Grazer Grenzgängerunternehmen "Rock is Hell". Ganz im Ernst: Eine ganze Länge dieser eigensinnigen Variante von Todesmetall ist kaum zu bewältigen, sparsam dosiert wirkt sie bewusstseinserweiternd.

Tiz Schaffer in FALTER 35/2007 vom 31.08.2007 (S. 7)

Weiters in dieser Rezension besprochen:

Frauen und Kinder zuerst... (Mann über Bord)
A Corpse is Forever (Dig That Body Up, ItŽs Alive)

Bitte warten...

Sie haben folgendes Produkt in den Warenkorb gelegt:

{{var product.name}}


weiter einkaufen
zum Warenkorb