She's the Daddy

von Supernachmittag

Derzeit nicht lieferbar

Label: Kim/Trost
Erscheinungsdatum: 27.11.2007

Rezension aus FALTER 1-2/2008

Lokale Rundschau

Eine andere Konzeptkunstbaustelle bearbeitet das aus Sol Haring und Anita Mörth bestehende Grazer Duo Supernachmittag; spielerisch legen die zwei feministischen Wissenschaftlerinnen ihr angestammtes Feld der Genderforschung auf die Musik um. Was sie selbst als "Philosopunk" und "Gender Country" bezeichnen, erweist sich auf der CD "She's the Daddy" (KIM/Trost) als leidenschaftlicher LoFi-Pop, der bei aller Melodieseligkeit ganz gerne in der Rappelkiste schläft und insgesamt weniger durch ein Übermaß an Theorie als vielmehr durch den gut hörbaren Spaß an der Sache auffäll

Gerhard Stöger in FALTER 1-2/2008 vom 11.01.2008 (S. 56)


Rezension aus FALTER 48/2007

Falscher Damenbart

Die Grazer Fem-Rock-Band Supernachmittag spielt auf ihrem Debut "She's the Daddy" mit Geschlechterrollen und huldigt der countryesken Liedkunst.

Man kann in jedem Dorf nur einmal die Hose runterlassen", sagt Sängerin und Gitarristin Sol Haring. Tatsächlich stehen die Musikerinnen von Supernachmittag im Zuge einer Show schon mal in der Unterbuchse da. Auch andere peinliche Zwischenfälle sind durchaus erwünscht: "Beim Mundharmonikaspielen wische ich mir meist den Bart aus dem Gesicht." Bereits der große Entertainer Groucho Marx trug einen falschen Bart, wenig kunstfertig, einfach aufgemalt. Als "queer", also schwul oder einfach nur widerständisch, verstand er sich allerdings nicht. Wenn die beiden Wissenschafterinnen Sol Haring und Anita Mörth (Bassistin) als Supernachmittag auf der Bühne stehen, tragen sie falsche Bärte, die, aus Eigenhaar gefertigt, mit einem Spezialkleber befestigt werden. Anscheinend wurde die Mundharmonika nur für richtige Männer erfunden.

Aber selbst wenn sich der Bart mal verflüchtigt, der Freude tut das keinen Abbruch. Laut Haring ist das zelebrierte Annehmen verschiedener Geschlechter ein Verwirrspiel. In einem Eigenversuch möchten Supernachmittag begreifen, wie die Grenzen gesteckt sind. Begreifen sollte das im besten Fall auch das Publikum. Das ist allerdings laut Haring des Öfteren nur verwirrt: "Die Zuseher wissen manchmal nicht mehr, ob wir jetzt lesbisch, schwul, queer oder sonst was sind." Die beiden Musikerinnen, die man als Drag Kings auch mit Herr Haring oder Herr Mörth ansprechen darf, sind natürlich Feministinnen, widmen sich im universitären Bereich der Gender-Forschung (Haring in Graz, Mörth in Krems) und sprechen gerne über die feministische Theoretikerin Judith Butler. Über eine unzugängliche Diskurslastigkeit darf man sich bei Supernachmittag allerdings nicht beschweren. Als "Gender Country" oder "Philosopunk" kategorisieren sich die beiden selbst gerne. Mit Empathie und Spielfreude wird der Gestus des Riot Grrrl mit charmant schepperndem Electro-Trash und dem Willen zum Song kurzgeschlossen. Freundlich, aber dennoch direkt. Wenn im Duo gesungen wird, fühlt man sich an die Lassie Singers erinnert, ganz besonders verehrt Haring die Songwriter-Legende Steve Earle.

Haring ist in der Grazer freien Szene keine Unbekannte. Seit den Neunzigern ist sie an zahlreichen Projekten zwischen Pop, Politik und Feminismus beteiligt. Rosi lebt, Zlan oder Kirsch hießen Bands, in denen Haring tätig war. Mörth, eigentlich Konzeptkünstlerin, hatte Kirsch live gesehen, danach ergab sich die Zusammenarbeit mit Haring. Auch wenn der Fokus von Supernachmittag auf Musik liegt, prinzipiell verstehen sie sich als Gesamtkunstwerk. Vor kurzem ist die New Yorker Schlagzeugerin Danelektra dazugestoßen, für Auftritte stehen die von der Grazer Künstlerin Divanova choreografierten "Dancing Queers" zur Verfügung, Gastmusikerinnen wie etwa die hiesige Comic-Künstlerin Edda Strobl lädt man gerne ein, ihre sogenannten "Fem-Ads" sind kleine Videokunstwerke zur Gender-Thematik.

"Female Male Trans Gender Bender/ No one cares 'bout that", singen Supernachmittag tiefstaplerisch in "Blue". Demnächst auch in New York. Haring wird eine Junior Professorship-Stelle an der City University of New York antreten, ein Gig wurde schon eingefädelt. Und ähnlich locker wie die Geschlechterrollen nehmen die beiden auch die Regeln des Musikgeschäfts. Gerade mal zwei Auftritte haben sie nach der Veröffentlichung des Albums gespielt. Bei einem Besuch bei FM4 sorgte das wieder einmal für Verwirrung. "Berühmt werden wollen wir ohnehin nicht", meint Haring.

Maria Motter in FALTER 48/2007 vom 30.11.2007 (S. 12)


Bitte warten...

Sie haben folgendes Produkt in den Warenkorb gelegt:

{{var product.name}}


weiter einkaufen
zum Warenkorb