Crash Symbols

von Liger

Derzeit nicht lieferbar

Label: Beatismurder/Trost
Erscheinungsdatum: 14.10.2008

Rezension aus FALTER 14/2009

Selbst, selbst, selbst!

Das Wort ambitioniert nimmt man bei jungen Musikern, die naturgemäß mit dem Kopf durch die Wand wollen, schnell mal in den Mund. So unbedingt wie Dino Spiluttini und Gernot Scheithauer, die die kunstsinnige Indiepopband Liger bilden, wollen das aber nur ganz wenige. Schon als Spiluttini vor knapp drei Jahren seine erste EP an den Falter schickte, zeugten nicht nur die vier Songs darauf, sondern auch das Begleitschreiben vom Feuer und Selbstbewusstsein des Musikers.
Auf große Erwartungen folgt normalerweise Enttäuschung. Für Liger bestand sie zunächst darin, dass ihr danach geplantes Debütalbum lang keine für sie befriedigende Form annahm. "Das Wollen war definitiv da, leider war das Können noch in weiter Ferne", so Spiluttini, der Sänger des Duos. Die Jahre 2006 bis 2008 fasst er folgendermaßen zusammen: "Überschäumende Visionen und Ambitionen im Kampf gegen kreative Unfähigkeit und totale Überforderung." In diesem Zeitraum ist genau ein neuer Song entstanden.
Irgendwann ging dann doch der Knopf auf, und die Musik nahm langsam Form an. Langsam, weil Liger nicht nach dem Baukastenprinzip des Popsongs arbeiten. Bei ihnen bekommt jedes Stück eine individuelle Form und ein eigenes Klangkleid geschneidert. Die Einflüsse des Duos sind von Indiefolk bis Elektropop breit gestreut, das Instrumentarium reicht von alten Synthesizern bis zur Zither und selbstgebastelten Instrumenten. Und im Ausdruck schwanken Liger zwischen stillen Passagen und wahren emotionalen Sturzbächen.

"Mich hat immer das Gefühl begleitet: So was Großes hast du noch nie in deinem Leben gemacht", erinnert sich Spiluttini an die Aufnahmen. Es ist das Recht der Jugend, so zu fühlen, mag man denken. Doch unterstreichen Liger ihre großen Worte auch durch Taten. Das schließlich Ende 2008 veröffentlichte Album "Crash Symbols" zählt zu den stärksten und eigenständigsten heimischen Produktionen der letzten Jahre .
Auf die Veröffentlichung der Platte auf dem eigenen Label Beatismurder Records folgte für Liger die nächste Enttäuschung. Nicht dass das Album einfach sang- und klanglos untergegangen wäre. Es gab schon Lob. So schrieb etwa Gerhard Stöger in seiner Rezension, "Crash Symbols" klinge "nicht wie eine Do-it-yourself-Produktion aus dem Wiener Underground, sondern wie die beste Platte, die die tollen amerikanischen Pop-Spintisierer Xiu Xiu so noch nicht gemacht haben".

Für die Macher war das zu wenig. Spiluttini: "Die Kritiken, die ich kenne, sind alle positiv, manche sogar euphorisch. Leider sind es aber nur relativ wenige. Wenn die Platte gewissen Redaktionen nicht gefällt, warum werden wir dann nicht kritisiert?"
Ganz leicht machen Liger es einem indes nicht. Manchen Hörer irritiert wohl die vor Pathos zitternde Stimme des Sängers. Einige Passagen auf "Crash Symbols" verfügen über eine Intensität, der man sich nur in sehr speziellen Stimmungen ausliefern mag. Auch die Texte sorgen für Verstörung: "And how do holes get into people? I know it! I watched bodies burst. I know how ghosts are born. I wish I hadn't seen it …"
"Leider scheinen wir viele Hörer zu überfordern", seufzt der Sänger. "Mich hat das zunächst verwundert. Immerhin sind wir ja doch irgendwo im Indie/New-Wave-Kosmos verwurzelt, zumindest sind die Zusammenhänge nicht unerkennbar. Ein bewusstes Ausgrenzen des Publikums findet bei uns nicht statt."
Ein Licht ging ihm auf, als er im vergangenen Herbst in London mit einem Fan sprach: "Seine Anekdote dazu war, dass er unsere Musik daheim immer sofort abschalten muss, weil seine Frau sich beschwert: ,Mach das aus! Das ist doch nicht auszuhalten, diese Emotionalität!' Das hat mir dann auch ein Wiener Musikjournalist bestätigt. Nach Wochen hatte er noch immer nichts über uns geschrieben. Seine Begründung: ,Schon das erste Lied zieht mich so runter, ich kann mir das nicht anhören.'"
Verstehen kann Spiluttini dieses Argument schon, ändern oder verwaschen wird er seinen Stil deshalb nicht. Liger funktioniert für ihn nach dem Motto: Was raus muss, muss raus. "Es geht mir tatsächlich und nicht im romantisch-verklärten Sinn um Selbstausdruck", sagt er. "Das Schreiben und Spielen unserer Musik ist für mich, so blöd das jetzt klingt, ein Mittel zur Selbsttherapie und natürlich auch Selbstverwirklichung. Selbst, selbst, selbst!"
Das Prinzip Selbermachen gilt aber nicht allein in kreativer Hinsicht. Bislang konnten Liger noch kein passendes Partnerlabel gewinnen, das ihr Album in den USA veröffentlicht. Auch das Booking für ihre Konzerte machen sie neuerdings wieder selbst. "Die positive Seite ist, dass wir uns alles alleine erarbeitet haben, ohne jeglichen Fremdeinfluss. Das ist schon auch befriedigend. Und lehrreich."

Und so schwankt das Duo zwischen beredter Enttäuschung und ungebrochener Euphorie: "Manchmal habe ich den Eindruck, dass sich das Verhältnis von investierter Arbeit und Leidenschaft zu den Rückschlägen immer mehr zu unseren Ungunsten entwickelt. Aber es wird auf jeden Fall weitergehen. Nach all dem, was wir uns aufgebaut haben, ist mir Liger sehr wichtig geworden. Das Zentrum meines Lebens."
Sie wollen immer noch. Nun sollte man ihnen mal einen Schritt entgegengehen. 

Sebastian Fasthuber in FALTER 14/2009 vom 03.04.2009 (S. 29)


Rezension aus FALTER 40/2008

Emotionale Abgründe tun sich auch mit "Crash Symbols" (Beatismurder/Trost) auf, das famose Debüt des Wiener Duos Liger. Dramatisch, theatralisch und voll großer Gesten entwerfen die beiden Multiinstrumentalisten Dino Spiluttini und Gernot Scheithauer eine Mischung aus abenteuerlustigem, avantgardistischem Pop, Weird Folk und Electronica. Geschickt zwischen komplexem Arrangement und hymnischer Schwelgerei pendelnd, treffen Herzblut und Kunstsinnigkeit dabei produktiv aufeinander. Einen doppelten Boden sucht man freilich vergeblich, Liger nehmen in ihrer ungeschützten Intensität stets volles Risiko. Es geht aber alles gut: "Crash Symbols" klingt nicht wie eine Do-it-Yourself-Produktion aus dem Wiener Underground, sondern wie die beste Platte, die die tollen amerikanischen Pop-Spintisierer Xiu Xiu so noch nicht gemacht haben.

Gerhard Stöger in FALTER 40/2008 vom 03.10.2008 (S. 25)


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