House of Sleep

von The Slow Club

Derzeit nicht lieferbar

Label: Serious Entertainment/Sony BMG
Erscheinungsdatum: 07.11.2008

Rezension aus FALTER 46/2008

In einem Haus, das Liebe heißt

Der Plot klingt nach einem Sonntagabend-Fernsehfilm. Da arbeiten drei Musiker zwei Jahre lang am neuen Album ihrer Band. Hatte ihr vielgelobtes Debüt aus Coverversionen ausgewählter Songklassiker bestanden, sollten es nun ausschließlich Eigenkompositionen sein.
Die drei lassen sich Zeit, entwickeln das Material in freien Sessions, probieren, überarbeiten, verwerfen, probieren weiter. Ideen wachsen sich zu Liedern aus, irgendwann fehlt nur noch der Text zu einer sparsam instrumentierten Ballade. "Is this the way to say goodbye? 'Cause I don't wanna die, I wanna stay with you always", schreibt der Sänger. "Is this a way to say goodbye? My friends, you shouldn't cry, 'cause I had a good life."
Wenige Tage, nachdem er diese Zeilen eingesungen hat, sitzt die Band im Studio am Wilhelminenberg. Die Stimmung ist ausgezeichnet, alle sind mit den fertigen Aufnahmen glücklich. Just in diesem Moment erleidet der 53-jährige Sänger einen Schlaganfall, dem er bald darauf erliegt.
In der Fernsehfilmlogik müsste die Ballade "Gave My Share" mitsamt dem Album "House of Sleep" zum posthumen Hit geraten. Das Drehbuch hat aber nicht Rosamunde Pilcher, sondern das Leben geschrieben; Hansi Lang wird auch nach seinem Tod nicht mehr jene Welt erobern, vor der er bereits in den frühen 80er-Jahren geflüchtet war.
Mit Thomas Rabitsch (70er-Tastensounds aller Art) und Wolfgang Schlögl (Elektronik, Sounddesign) hat er aber ein zeitlos schönes Stück Erwachsenenpop geschaffen. Das im Vergleich zum Debüt naturgemäß schwächere Songmaterial wird durch eine neue Lust am entspannten Groove kompensiert, wobei auch genügend Platz für ruhige Momente bleibt.
Es wäre da wohl kleinlich, die Banalität einiger der hauptsächlich dem Dauerbrennerthema Liebe geschuldeten Texte zu beklagen oder die in manchen Passagen gar opulent geratene Produktion zu kritisieren.
Denn erstens kann eine Liebeserklärung ja auch einmal "Baby don't you know that I want you so" lauten, zweitens ist der hier betriebene Personalaufwand mit Streicher- und Bläsersätzen, Gospelchor und umfangreichem Gastmusikeraufkommen natürlich eine schöne Antithese zum ökonomischen Selbstbeschränkungszwang im aktuellen Popgeschehen, drittens sind unter den 13 Songs jene in der Überzahl, an denen es nichts zu mäkeln gibt. Und viertens hat Hansi Lang sein definitives künstlerisches Vermächtnis ohnedies bereits 1982 aufgenommen. Es hieß "Keine Angst" und war seine allererste Platte.

Gerhard Stöger in FALTER 46/2008 vom 14.11.2008 (S. 35)


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