Songs & Daughters

von Mondscheiner

Derzeit nicht lieferbar

Label: Columbia/Sony BMG
Erscheinungsdatum: 23.01.2009

Rezension aus FALTER 4/2009

"Gitarren zerstören finde ich grob"

Die fünf jungen Herrn von Mondscheiner sind guter Dinge. Sie sitzen im Café Rüdigerhof bei einem Nachmittagsbier und sind dem Ende des ersten Interviewtages zu ihrem neuen Album "Songs & Daughters" schon ziemlich nahe. Nicht einmal die Bitte des Fotografen, ohne Jacken mit hinaus in die bittere Kälte zu kommen, kann die gute Laune der ausnehmend sympathischen Band trüben.
Dass Mondscheiner im gemütlichen Traditionslokal und nicht, wie von ihrer Plattenfirma geplant, im schicken Hangout im Museumsquartier sitzen, hat symbolische Bedeutung. "Hier passen wir viel besser her, weil wir hier im Gegensatz zum Architekturcafé auch immer wieder sind", sagt Sänger Manuel Rubey.

Ihn kennt man ihn Österreich auch ohne Interesse an lokaler Popmusik, spielte er doch die Hauptrolle in Thomas Roths Falco-Film "Verdammt wir leben noch"; gegenwärtig ist Rubey als Mundls depressiver Enkel Rene in "Echte Wiener" zu sehen. Auf die potenzielle Karriere als Seitenblicke-Frischfleisch hat der 29-Jährige aber dankend verzichtet. Er durchlebte den Falco-Rummel, ohne sich zum Affen zu machen, und fällt heute eher durch Nachdenklichkeit als durch prätentiöses Gehabe auf. Der Rest von Mondscheiner war übrigens auch im Film zu sehen, er verkörperte die Hallucination Company.
Überhaupt ist die Band – mit dem Gitarristen Stefan Laczkovics hat man noch einen zweiten professionellen Schauspieler an Bord – bei ihren außermusikalischen Projekten meist nur als Paket zu haben. Unter der Regie von Alexander Kubelka haben sie am Stadttheater Klagenfurt "King Lear" vertont, heuer stehen gleich zwei größere Theaterproduktionen an: mit Bettina Hering in Haag und – wieder mit Kubelka – in Bregenz.
Dass Mondscheiner nicht nur auf Konzertbühnen anzutreffen sind, verwundert bei ihrer Bandgeschichte nicht. Am Beginn, vor zehn Jahren, stand die Idee, Kabarett mit deutschsprachigen Liedern zu kombinieren. Das Kabarett wurde bald verworfen, eine reine Popband aber wollten Mondscheiner nie sein. "Eigentlich versuchen wir immer nur die Dinge zuzulassen, die in uns drin sind", sagt Rubey. "Dabei sind wir mal geschickter, mal weniger geschickt. Aber diese klassische Bubenbandpartie, das haben wir ein bisschen ausgereizt."

Diese "Bubenbandpartie" hat eine eigenwillige Karriere zwischen den Stühlen hinter sich. Jahrelang verstanden sich Mondscheiner als Indieband, ohne von der dazugehörigen Szene und ihrer wichtigsten medialen Plattform, dem Alternativradio FM4, wirklich geschätzt zu werden – Mondscheiner wurden stets unter "nett, aber uncool" rubriziert.
Just als die Band nach jahrelangem Herumwursteln unter selbstausbeuterischen Bedingungen knapp vor ihrer Auflösung stand, winkte das Majorlabel Sony 2006 mit einem Plattenvertrag. Was folgte, fällt für Mondscheiner heute unter die Rubrik "im Nachhinein ist man immer gscheiter".
Das Majordebüt "Diese Stadt" wurde von der Plattenfirma produktionstechnisch verwässert und stilistisch zum Deutschpop-Fleckerlteppich, für den erhofften Chartserfolg hat es dennoch gereicht. Die Band avancierte zu Posterbuben der als Szeneförderung getarnten Ö3-Werbekampagne "Die neuen Österreicher" und landete in einem Topf mit Mainstreampopware wie Luttenberger*Klug.

Und dann gab es da noch die Sache mit der Titelmusik zum ORF-Serienflop "Mitten im 8en". Die Band hatte an der Ausschreibung aufgrund eines Piloten teilgenommen, der angeblich ungleich witziger als die tatsächliche Serie war. Statt an den Tantiemen für den Song – Fixgage gab es vom ORF keine – gut zu verdienen, landeten Mondscheiner einen veritablen Bauchfleck: Geldregen gab es durch den frühzeitigen Serienstopp keinen, die schlechte Nachrede aber blieb.
"Songs & Daughters" rückt das Bild nun wieder zurecht. Die Plattenfirma blieb diesmal von der Studioarbeit ausgesperrt ("ein enormer Kampf", sagt Schlagzeuger July Skone), was der Produktion hörbar guttat.
In 14 poetischen Liedern zwischen forciertem Rock, kontrollierter Weltumarmung, gefälligem Pop und Pianoballade erweisen sich Mondscheiner als eine sehr hörenswerte Band, die genau weiß, dass Selbstreflexion und Selbstsicherheit kein Widerspruch sein müssen.
Gewidmet ist "Songs & Daughters" den mittlerweile fünf kleinen Kindern der Bandmitglieder. "Als Vater muss man handeln und etwas vorleben", erklärt Rubey, warum die braven Mondscheiner niemals den kompromisslosen Rock-'n'-Roll-Maxi mimen würden. "Das lässt sich für mich schwer von der Musik trennen."
"Ich würde niemals auf der Bühne meine Gitarre zerstören", legt Stefan Lackovics nach. "Das finde ich grob." Er meint das ganz ernst, bringt seine Bandkollegen mit dieser Aussage aber doch zum Schmunzeln. "Als Konsumenten finden wir das natürlich gut", ergänzt Andreas Hamza, der zweite Gitarrist, dann auch. "Ich habe überhaupt nichts dagegen, wenn andere Bands ihre Gitarren zerstören."

Gerhard Stöger in FALTER 4/2009 vom 23.01.2009 (S. 28)


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