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Verlag: www.prequel.at
Erscheinungsdatum: 01.01.2009

Rezension aus FALTER 8/2009

Namenlose Welten

Es ist vermutlich der ideale Zeitpunkt, um in das wundersame Paralleluniversum des Jörg Vogeltanz einzusteigen. Nicht nur, weil die Welt gerade derart rätselhaft zwischen Wellness und Weltness oszilliert, dass sich eskapistische Lektüren aufdrängen, sondern vor allem, weil mit "Wired Worlds" der zweite Band der "Anger Diaries" vorliegt, die klaffende Lücke zwischen dem "Citoyen" (2002) und "Inmates" (2006) also endlich geschlossen ist.

Mit dem jüngsten Band ist diese Graphic Novel, die Vogeltanz rund um die Aufzeichnungen des Geheimagenten J. F. Sebastian strickt, nun auf 358 Seiten angewachsen, ein in der österreichischen Comicgeschichte absolut singuläres Ereignis. Hierzulande versteht man sich sonst besser auf die kleine Form. "Wired Worlds" - das Script stammt wieder von "Inmates"-Autor Thomas Ballhausen - steht klar in der anglo-amerikanischen Tradition epischer Dystopien und knüpft an H. P. Lovecraft ebenso an wie an Bryan Talbots Steampunk-Klassiker "The Adventures of Luther Arkwright".

Auch in "Wired Worlds" verschlägt es J. F. Sebastian in eine fantastische Parallelwelt, in der die Geschichte einen etwas anderen Verlauf genommen hat. Von skrupellosen Herrscherinnen geführte Imperien stecken in einem nicht enden wollenden Ersten Weltkrieg fest, Sebastian soll die Entwicklung durch das Zünden einer lebenden Bombe in Gestalt seiner Tochter wieder in Gang setzen. Im Vergleich zu früheren "Anger"-Episoden, die Vogeltanz noch mit popkulturellen Referenzen vollgepackt hat, ist das doch ziemlich straight forward.

Und es ist erstmals auch so rhythmisch, fast filmisch erzählt, dass zwischen blutigen Splattersequenzen und augenzwinkernden Zitaten, die Vogeltanz auf opulenten Doppelseiten arrangiert, noch genug Raum bleibt für die Detailzeichnung der Charaktere. Und für subtilere Themenstränge, wie sie Ballhausen bereits in "Inmates" angerissen hat. Um Heldentum geht es da, um Familie und Liebe in Zeiten des Krieges, um Melancholie und Gesellschaft. Gar nicht so fantastisch. Und nicht wenig aktuell.

Thomas Wolkinger in FALTER 8/2009 vom 20.02.2009 (S. 49)


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