The Grieg Code

von Geir Lysne Ensemble

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Label: Act/Edel
Erscheinungsdatum: 30.01.2009

Rezension aus FALTER 10/2009

Mit der skandinavischen Spiritualität ist das so eine Sache. Wird sie Musik, dann entwickelt sie gern einen Hang zum Halligen; Klangnebel wabern durch die Wälder, und die Gitarrensoli haben die Konsistenz von Pizzakäse. Ganz so schlimm muss es zwar nicht immer kommen, aber ganz ohne Scandinavian Soundeffects geht es selten ab. Der Norweger Bugge Wesseltoft ist eine der Schlüsselgestalten der elektronikaffinen Jazzszene seines Landes. Als Pianist spielt er nicht gerade in der Liga eines Bobo Stenson, weiß den Hang zu schlichtem Schönklang aber durch gesangliche Ergänzung, perkussive Erweiterung und elektronische Verfremdung aufzupeppen, sodass auf "Playing" nicht nur eine frecherweise mit "Takes" betitelte Version von "Take Five" zu hören ist, sondern auch geloopte Grooves mit Gospelpathos suggestiv gemischt werden.
Einen durchaus ähnlichen Zugang wählt das Geir Lysne Ensemble auf seinem Album "The Grieg Code" (ACT). Das 13-köpfige, aus Reeds-, Brass- und Rhythmsection bestehende Klangkollektiv kombiniert folkloristische, ja tribalistische Elemente mit jazziger Arrangierkunst (Anklänge an Gil Evans, aber auch an das Vienna Art Orchestra, sind nicht zu überhören), setzt Elektronik (oder eine elektrisch verstärkte Maultrommel) ein und baut akustische Räume, in denen die Bläser zuweilen wie ein Fernorchester aus nebelfeuchten Birkenwäldern tönen – wo sie in Wirklichkeit doch im legendären Rainbow Studio vom nicht weniger legendären Jan Erik Kongshaug aufgenommen wurden.
Ebendort von Kongshaug abgemischt wurde "Live at Belleville" (ECM). Die Klangschwadenästhetik erhebt zum Glück nur im dritten Teil von "Independency" kurz einmal ihr schmutziges Haupt, ansonsten ist das Album, das der norwegische Bassist Arild Andersen mit dem italienischen Drummer Paolo Vinaccia und dem schottischen Tenorsaxofonisten Tommy Smith eingespielt hat, eine völlig unverschwurbelte und esoterikferne Angelegenheit, und wenn zum Abschluss sich ungebrochene Melodieseligkeit über geloopten Patterns des schon fast beängstigend eloquenten Andersen Bahn bricht, stört das kein bisschen, warten die drei bestens eingespielten Herren doch davor auch mit packendem High-Energy-Playing und einer klanglich hoch ausdifferenzierten Performance auf. Tolle Sache!

Klaus Nüchtern in FALTER 10/2009 vom 06.03.2009 (S. 25)

Weiters in dieser Rezension besprochen:

Live at Belleville (Andersen Arild)
Playing

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