Meine Schuld, meine Schuld, meine große Schuld

von Kreisky

Derzeit nicht lieferbar

Label: Wohnzimmer/Hoanzl
Erscheinungsdatum: 24.04.2009

Rezension aus FALTER 12/2009

Dumme Schweine und bleibende Feinde

Ich schlafe jede Nacht meine acht, neun Stunden / Ich leuchte, sagen alle, wie zu meiner hellsten Zeit / Und du wirst es nicht glauben, aber seit du fort bist / Ist mein Asthma so gut wie verschwunden."
Das Quartett Kreisky gilt schon ganz zu Recht als übellaunigste Band des Landes. Auf ihrem zweiten Album "Meine Schuld, meine Schuld, meine große Schuld" haben Sänger und Organist Franz Adrian Wenzl, Gitarrist Martin Max Offenhuber, Bassist Gregor Tischberger und Schlagzeuger Klaus Mitter die Lärmschraube noch ein ordentliches Alzerl fester gedreht oder, anders gesagt, bei ihrer Mischung aus Punk, Noise und Indierock diesmal einfach auf Letzteren verzichtet. Das Resultat soll verstören, ja, es muss wehtun.

Und doch, ab und zu darf man auch herzhaft schmunzeln. Oder auflachen, etwa wenn Wenzl, einer breiteren Öffentlichkeit auch als Austrofred bekannt, in "Die dummen Schweine" den feuchten Rachetraum eines jungen Mannes, der vom weiblichen Geschlecht wie Luft behandelt wird, bündig formuliert: "Und das ist mein liebster Traum: / Alle Mädchen laufen mir nach / Und ich lasse sie stehen / Die dummen Schweine." In einem anderen Lied sagt er zu seiner Begleitung: "Du säufst wie eine Sau."

Kreisky spricht zur Sau in uns allen. Die Rolle des zwischen Larmoyanz und Aggression schwankenden Ich-Erzählers gibt Wenzl mit einer solchen Hingabe, dass es sich unmöglich um eine reine Kunstfigur handeln kann. Der meint das schon auch so: Die bohrenden Gefühle von Angst, Schuld und Angefressensein, die man im Alltag dann doch lieber unterdrückt oder runterschluckt – bei Kreisky bekommen sie ihre große Bühne, Wenzl schreit sie raus.
Berührend sein Auftritt in "Glitzer", in dem er das Zerbrechen einer Beziehung rekapituliert und innere Leere mit gründlicher Autoreinigung bekämpft. Toll auch der unerwartete ruhige Moment "Feinde", ein Quasi-Schlager zwischen Chanson, Kitsch und Dreck, wie ihn früher
Der ­Scheitel gespielt hätte: "Wir
brauchen uns nicht zu verstehen / Wir können uns arrangieren / (...) / Wir brauchen nicht Freunde werden / Bleiben wir Feinde."
Musikalisch ist die Band, die hörbar von ihrer Beschäftigung in dem stärker dem Experiment zuneigenden Nebenprojekt Mord zehrt, sowieso voll auf der Höhe. Sie wirft dem Hörer ziemliche Brocken vor die Füße ("So schöne Zähne"), wartet aber auch mit einer regelrechten Punkrockhymne auf ("Dow Jones"). Der Nachdruck der im Studio bei Herwig Zamernik (Naked Lunch) überwiegend ohne große Nachbearbeitung eingespiel-ten Stücke ist jedenfalls beträchtlich.

Der geile Lärm kann aber nicht übertönen, dass die Furcht weiter an ­einem nagt: "Und ich habe Angst, dass ­einen irgendwann die Dinge / Von ­denen man glaubt, sie erwischen ­einen nicht / Einen doch dann irgendwie erwischen und / In Wirklichkeit viel schlimmer sind, als man sie sich je vorgestellt hat."
Schön, dass das mal jemand in Worte gefasst hat.

Sebastian Fasthuber in FALTER 12/2009 vom 20.03.2009 (S. 31)


Bitte warten...

Sie haben folgendes Produkt in den Warenkorb gelegt:

{{var product.name}}


weiter einkaufen
zum Warenkorb