Country & Western Hitparade
Dim Lights, Thick Smoke and Hillbilly Music

Derzeit nicht lieferbar

Label: Bear Family Records
Erscheinungsdatum: 04.11.2008

Rezension aus FALTER 13/2009

Western von gestern

Smoke on the Water", sangen, nein, nicht erst Deep Purple, sondern schon Bob Wills and His Texas Playboys – über ein Vierteljahrhundert, bevor die britischen Hardrocker ihre Krakeelerhymne veröffentlichten.
"There'll be smoke on the water / On the land and the sea / When our army and navy / Overtakes the enemy", reimte Bob Wills, unterlegte seinen Optimismus mit fröhlichem Gefiedel und landete damit, wenige Wochen vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs, auf Platz eins der amerikanischen Country-Charts.

Die kuriose Nummer ist bei weitem nicht der frühest mögliche, aber doch ein guter Ausgangspunkt, um die Geschichte der Country Music zu erzählen. Der amerikanische Musikjournalist Colin Escott setzte sie an den Beginn einer vorbildlich edierten CD-Reihe unter dem schönen Titel "Dim Lights, Thick Smoke and Hillbilly Music", die sich genau das vornimmt.
Die Reihe erscheint beim renommierten deutschen Label Bear Family Records, das sich auf luxuriöse Wiederveröffentlichungen in historisch-kritischen Ausgaben spezialisiert hat. Die ersten sechs Bände zu den Jahren 1945 bis 1950 sind bereits erschienen; die Fortsetzungen sollen zumindest bis zur Musik der 70er-Jahre reichen. Pro Jahrgang hat Escott an die 30 Hits und Raritäten ausgewählt, entlang derer er in ausführlichen Begleittexten durch diesen wohl originärsten Teil der weißen amerikanischen Kulturgeschichte führt.
Zwar reichen die Anfänge dessen, was wir heute (aufgrund einer hybriden Genrebezeichnung des Bill­board Magazine) Country Music nennen, bis ins frühe 20. Jahrhundert zurück, als die "Hillbillys", die "Hinterwäldler" in den entlegenen Bergregionen Tennesssees und Kentuckys, irische Folk­lore mit Banjo, Fiddle und Yodeling vermengten, während im noch immer ein bisschen Wilden Westen der Lonesome Cowboy zur Gitarre griff.
Doch markiert auch das Jahr 1945 eine Zäsur: Kurz vor Kriegsende hob das US-War-Production-Board die 1942 in Kraft getretene Beschränkung des – für die Herstellung von Munition wie von Schallplatten notwendigen – Werkstoffs Schellack wieder auf, und die Musikbranche konnte sich, parallel zur wachsenden Sieges­euphorie in der Bevölkerung, rasch wieder von der erzwungenen Produktionspause erholen.
Der Weltkrieg war gewonnen, der Kalte Krieg noch in weiter Ferne – "It was time to set up a home and fill it with records."
Die CD-Reihe dokumentiert denn auch eine überraschende Stilvielfalt, die geprägt ist von unverbildeten Stimmen und rustikalen Instrumentalisten. Vom Hochglanzklang heutiger Nashville-Produktionen ist noch nichts zu ahnen.

In breitem Slang krächzen da die Sons Of The Pioneers eine Huldigung an "Cigarettes, Whusky and Wild, Wild Women" (1947); breitbeinig zupfen Johnny & Jack ihren Highspeed-Bluegrass ("What About You", 1949); und der Western Swing eines Hank Penny ("Steel Guitar Stomp", 1946) klingt noch wie die gemütliche Texasausgabe eines vergilbten Charleston.
Dazwischen immer wieder herbe Klassiker wie Bill Monroes "Blue Moon of Kentucky" (1947), Hank Williams' "I'm So Lonesome I Could Cry" (1949) und natürlich Vaughn Mon­roes abgründige "Riders in the Sky" (1949). Aber auch der gutgelaunte Nachkriegsübermut der Siegernation bricht immer wieder durch. "Atomic Power was given by the mighty hand of God", terzelten 1946 die Bucha­nan Brothers – und hatten dabei alles andere als die friedliche Nutzung der Kernkraft im Sinn.

Carsten Fastner in FALTER 13/2009 vom 27.03.2009 (S. 29)


Bitte warten...

Sie haben folgendes Produkt in den Warenkorb gelegt:

{{var product.name}}


weiter einkaufen
zum Warenkorb