Elbschwimmer

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Label: Pumpkin/Trost
Erscheinungsdatum: 24.03.2009

Rezension aus FALTER 14/2009

Klaus Tschabitzer verfolgt mit seinem Langzeitprojekt Der Schwimmer ein bewusst leicht verwackeltes Heimwerkerpop-Unternehmen. Damit sich der freundliche Popeigenbrötler auf der Bühne nicht so einsam fühlt, schwimmt seit einiger Zeit Erwin Matejiceck mit; "neben Blues, verschlafenen Popmelodien, afrikanischer Musik, Country und psychedelischen Experimenten wuchten die Erfinder des Sitzmetal tonnenschwere Musikbrocken auf die Bühne", verspricht das aktuelle schwimmer-Informationsschreiben. Ob's stimmt, lässt sich jetzt gleich doppelt überprüfen: Mit "Elbschwimmer" liegt eine neue CD vor, und ein Dokumentarfilm über diesen etwas anderen Helden des Austro-Pop wird auch vorgestellt.

Gerhard Stöger in FALTER 14/2009 vom 03.04.2009 (S. 58)


Rezension aus FALTER 13/2009

Schwimmausflüge im Sitzen

Klaus Tschabitzer ist einer der leiwandsten Popmusiker dieser Stadt. Aber kaum jemand weiß das zu schätzen." Vor acht Jahren erschien der erste Falter-Artikel über Tschabitzer und das von ihm betriebene Projekt Der Schwimmer.

Was Gerhard Stöger damals konstatierte, gilt drei Alben später immer noch. Im Guten wie im Schlechten: Der in Wien lebende Steirer zählt zu den bemerkenswertesten musikalischen Erscheinungen, nur dass der Leser dieser Zeilen höchstwahrscheinlich noch nie einen Ton von ihm gehört hat.

Die Haare des Mittvierzigers sind in der Zwischenzeit merklich grauer und schütterer geworden. Seinen grundsätzlichen Optimismus hat er aber nicht verloren, als Parole dient ihm der Monaco-Franze-Spruch "A bissl was geht immer". Rückblickend betrachtet seien die ersten zehn Schwimmer-Jahre von Selbstausbeutung gekennzeichnet gewesen. Aber: "Ich bin bereit, noch etliche Kilometer wenig bedankt zu gehen, wenn ich den Eindruck habe, es hat irgendwie Sinn."

Dass es Sinn hat, beweist das gewohnt eigensinnige und überraschend vielseitige neue Album "Elbschwimmer", auf dem Der Schwimmer zu assoziativen Dialekttexten zwischen Sixties-Einflüssen und Noise-Ausbrüchen, Blues-Anklängen und afrikanischer Rhythmik pendelt und einen harten Bruch mit dem minimalistischen Elektropop des Vorgängeralbums "Poplawok" (2006) darstellt. Der Grund dafür liegt an Tschabitzers Flucht aus seinem kreativen Heimwerkerdasein, das ihn zuletzt eher gehemmt habe, wie er meint.

Zum Interview im urigen Gasthaus Quell im 15. Bezirk taucht der Judenburger, der in den 90er-Jahren in den Bands Scheffenbichler und Tangoboys verquer-witzige Tanzmusik spielte, nicht allein auf.

Er hat den Bassisten Erwin Matejicek mitgebracht, der mittlerweile zum fixen Bestandteil des Projekts geworden ist. Optisch wirken Schwimmer und "Nicht-Schwimmer" (Tschabitzer über Matejicek) zwar wie Tag und Nacht, was die musikalischen Interessen betrifft, sind sie jedoch fast schon eine Einheit.

"Alleine verliert man sich relativ leicht in den Maschinen", erklärt Tschabitzer, der sich nunmehr auf Gesang und Gitarre konzentriert. "Es ist viel angenehmer, wieder mit Leuten zusammenzuspielen. Ich habe oft mit Musikern zu tun gehabt, die nur auf ihr eigenes Instrument fokussiert waren. Erwin hat auch rundherum alles im Auge - das taugt mir extrem."

Von der detailverliebten Solobastelei hat sich der Schwerpunkt also zur Interaktion und zu einer neuen Art von Freiheit hin verschoben.

Vom Grundgefühl her führen die neuen Stücke - das volksmusikalisch angehauchte Abendlied "Des Wetta kaunn kumman", das in die Beine gehende "Die Schuah san guat" oder der heimliche Hit "Blumankinda", ein Hippiesong mit Sitar-Sample von George Harrison, die Schwimmer-Tradition jedoch eindeutig fort.

Man könnte das Gebotene als diskrete Popmusik bezeichnen: Sie überfällt den Hörer nicht, sondern bezirzt auf subtile Art. Dazu passt, dass Der Schwimmer mittlerweile am liebsten sitzend konzertiert. "Man sagt ja, ältere Leute sitzen gern", schmunzelt Tschabitzer. Bei aller Gemütlichkeit kann es zwischendurch aber ganz schön laut werden.

Und zu zweit ist nicht genug. Für Konzerte existiert inzwischen eine fixe Band, deren Mitglieder auch auf dem neuen Tonträger für schöne Akzente sorgen.

Allen voran der Trompeter Pepi Albicht, der mit spielerischer Leichtigkeit Jazznoten in die Songs flicht. Oder der Percussionist Georg Edlinger, der für den leichten Afro-Groove verantwortlich ist, während Herbert Wiesenberger ab und zu die Tasten einer Hammondorgel drückt.

Mit "Elbschwimmer" öffnet Der Schwimmer stilistisch gleich mehrere Türen, ohne dass dem etwas gewollt Eklektizistisches anhaften würde. "Wenn man so lang Musik macht wie wir, hat man zwangsläufig einiges im Kopf abgespeichert, das sich abrufen lässt", so Tschabitzer.

Und man verfügt über die Lässigkeit, auch mal zu variieren, anstatt immer dasselbe Arrangement zu spielen. "Wobei das auch mit dem Alter zu tun hat", wirft Matejicek augenzwinkernd ein. "Manchmal weiß man einfach nicht mehr, wie die Nummer beim letzten Mal geklungen hat, und spielt sie halt ein bissl anders."

Der Musik wird gern eine heilende Kraft zugeschrieben. Klaus Tschabitzer hat die Aufnahme von "Elbschwimmer" nicht zuletzt dabei geholfen, eine hartnäckige Schlagzeugphobie zu überwinden: "Ich komme ja aus der Schule des Dilettantismus und hatte jahrzehntelang mit Schlagzeugern zu tun, die immer stur denselben Rhythmus geklopft haben. Ich konnte und wollte es nicht mehr hören. Unser Percussionist Georg Edlinger und der Schlagzeuger Stefan Jaquemar haben mir gezeigt, dass man auch sehr überlegt spielen und Akzente setzen kann."

Gleichzeitig mit dem neuen Album feiert auch Ernst Tradiniks filmische Dokumentation über Klaus Tschabitzer ihre Premiere: Die Reise geht von Judenburg in den frühen 70er-Jahren über erste Artrock-Experimente, die Übersiedlung nach Wien und die Band Scheffenbichler bis zur aktuellen Schwimmer-Besetzung.

Kein allzu weiter Weg, aber ein konsequent beschrittener. Es ist ein einfacher, ruhiger Film geworden, der sich Zeit nimmt und ins Detail geht. Alles andere wäre eine glatte Themenverfehlung.

Sebastian Fasthuber in FALTER 13/2009 vom 27.03.2009 (S. 30)


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