Gone Fishin'

von Flipper

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Label: Domino/Hoanzl
Erscheinungsdatum: 26.06.2009

Rezension aus FALTER 25/2009

Um 1993/94 herum waren junge Menschen bisweilen in selbstgebastelten T-Shirts anzutreffen, die ein krakeliger Fisch mit einem X als Auge zierte.
Es war aber kein Trend zur Punkgeschichtsforschung, der diese Kids zu Flipper und ihrem Logo führte. Den Fisch hatte Kurt Cobain populär gemacht, der berühmteste Fan der Band; selbst am Innencover zu Nirvanas Schwanengesang "In Utero" ist er im Flipper-Shirt zu sehen.
1979 in San Francisco gegründet, waren Flipper ursprünglich bis in die mittleren 80er hinein aktiv. Punk hatte sich damals in Hardcore verwandelt, einen maskulinen Leistungssport der Marke "schneller, höher, weiter"; die Straight-Edge-Bewegung nervte zusätzlich mit semireligiösen Dogmen.
Flipper waren der Gegenentwurf. "This is my game: new rules, no rules!", sangen sie und präsentierten sich als nihilistische Drogenfresser voll Lust an der Zerstörung (Gründungsmitglied Will Shatter ist 1987 an einer Überdosis gestorben). Interessanterweise wurden sie dabei zu einer Kraft, die Böses will und Gutes schafft, wie ein Wiederhören mit ihrem neuaufgelegten Werk eindrucksvoll beweist (Domino/Hoanzl).
In einem Kosmos, in dem nicht die Beatles, sondern Velvet Underground die Väter der modernen Popmusik sind, zählen die beiden Flipper-Studioalben "Generic" und "Gone Fishin'"
zu den besten Platten aller Zeiten: Der Bass übernimmt die Melodieführung, die Gitarre bleibt als Rhythmusinstrument im Hintergrund, das Schlagzeug ist unerbittlich, die Texte mischen Lebensphilosophie mit bösem Humor.
Quälend langsam gespielte 1-Akkord-Monster nehmen die Arbeit der Melvins um Jahre vorweg und stehen neben konzentrierten Fegern der Marke "leichtfüßige Dampfwalze".
Ähnlich gut: die Singles- und Compilationbeitragssammlung "Sex Bomb Baby!" und das Live-Doppelalbum "Public Flipper Limited", die das schmale Werk der frühen Jahre komplettieren.
Gegenwärtig sind Flipper – nach einer ersten Reunion in den 90er-Jahren – wieder hochaktiv; mit dem Studioalbum "Love" und dem Livemitschnitt "Fight" liegen gleich zwei neue Manifeste der Räudigkeit vor. Als Bassist mit dabei: Krist Novoselic, jenes Nirvana-Mitglied, das nach Cobains Tod nicht zum langweiligen Stadionrocker wurde.

Gerhard Stöger in FALTER 25/2009 vom 19.06.2009 (S. 31)

Weiters in dieser Rezension besprochen:

Public Flipper Limited (Flipper)
Sex Bomb Baby (Flipper)
Generic (Flipper)
Fight (Flipper)
Love (Flipper)

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