Spirit Moves

von Brass Ecstasy

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Label: Green Leaf
Erscheinungsdatum: 01.06.2009

Rezension aus FALTER 29/2009

Gerade Retroinszenierungen haben ihr Ablaufdatum, und wer das Cover von "Midnight" (Verve) betrachtet, wird sich denken, dass der versonnene Trompeter vor mitternachtsblau angestrahlter Ziegelwand echt nicht mehr geht. Ist aber insofern stimmig, als es sich um eine digital überarbeitete Wiederauflage eines angeblich begehrten Albums handelt.
Was der Pos(t)erboy des deutschen Jazz, der Trompeter Till Brönner, damals u.a. mit dem 2007 verstorbenen Saxofonisten Michael Brecker eingespielt hat, war zwar schon 1996 nicht mehr ganz frisch – wolkig wabernde Keyboards, klingelnde Perkus­sion und Drumcomputer erinnern an den Miles Davis der 80er –, vermittelt heute aber ein Gefühl, wie es einen beim Konsum von Erotikthrillern anwandeln mag (falls sich noch jemand an dieses Ekelgenre der 90er erinnert); als Soundtrack für ein erotisch ambitioniertes Wellness-Weekend in der Fertigteilvilla ist es aber allemal geeignet.
Mit konventionellem Big-Band-Sound hat man's da leichter. Schon als Teenager soll Roy Hargrove vom Wunsch nach einer Big Band erfüllt gewesen sein, und im Rahmen des Panasonic Greenwich Village Jazz Festival von 1995 ging der dann in Erfüllung. 13 Jahre später ging die 19-köpfige Roy Hargrove Big Band ins Studio und liefert auf "Emergence" (Verve) alles, was man sich von einem solchen Projekt erwarten darf: Cinemascopearrangements als Klangbett für Hargroves warmes Flügelhornpneuma, Big-Band-Powerplay mit wuchtig eingesetzten Brass- und Reed-Sections, peppigen Latin-Groove, sauber exekutierte Klassiker aus dem Great American Songbook.
Dave Douglas ist einer der kreativsten Jazzer der Gegenwart, mit der 2005 für das Festival of New Trumpet Music ins Leben gerufenen Brass Ecstasy schuf er so etwas wie die kleinstmögliche Brassband: Das mit Trompete, Horn, Posaune, Tuba und Schlagzeug besetzte Ensemble wurde durch ähnliche Projekte von Trompeter Lester Bowie (1941–1999) inspiriert und "Spirit Moves" (Green Leaf Music) könnte ergo als Meta-Meta-Musik gelten, die freilich ganz unverkopft daherkommt. Der infektiös groovige Brassband-Dekonstruktivismus von "Bowie" hat hier ebenso seinen Platz wie Otis Reddings Soulhadern "Mister Pitiful" oder Hank Williams' Männertränenklassiker "I'm So Lonesome I Could Cry". Geht okay.

Klaus Nüchtern in FALTER 29/2009 vom 17.07.2009 (S. 22)

Weiters in dieser Rezension besprochen:

Midnight (Till Broenner)
Emergence (Roy Big Band Hargrove)

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