The Angst And The Money

von Ja, Panik

Derzeit nicht lieferbar

Label: schoenwetter/Hoanzl
Erscheinungsdatum: 25.09.2009

Rezension aus FALTER 37/2009

Rund zwei Sekunden brauchen Ja, Panik, um auf ihrer neuen Platte, "The Angst and the Money", von null auf hundert zu beschleunigen. Das Schlagzeug marschiert los, die Gitarre bockt, das Klavier hämmert. Nur wenige Momente später setzt Andreas Spechtls Gesang ein.
Exaltiert und glamourös klingt er, verführerisch und bei aller Eleganz doch auch ein bisschen bockig. Er singt eigenartige Texte, die kaum je konkrete Geschichten erzählen, aber stets starke Bilder schaffen. "It takes my hand, es nimmt mich fort, wir schleifen Messer für den Königsmord", heißt es da etwa. "Und ich bin ungeschickt, like a rich man's child, ja es stimmt, like a rich man's child", singt Spechtl. Oder: "Für jeden Traum aus diesen Mündern, schick ich ins Feld eine Armada, ich werde rauben, stehlen, plündern, ich singe Tabula rasa tara tatata."
Mit dem Tocotronic-Produzenten Moses Schneider live im Studio aufgenommen, hält die Vitalität der ersten Sekunden die ganze Platte über an. Und obwohl Ja, Panik ihre Version zeitgenössischer Rockmusik mit dem Kopf und nie mit dem Bauch erarbeiten, sind diese Lieder doch stets von schier unwiderstehlicher Dringlichkeit und Unmittelbarkeit geprägt.
Theoretisch gibt es zwei Arten, sich dieser Platte zu nähern: konzentriert nach Zitaten und Referenzen suchend – oder ausgelassen tanzend, mitsingend und Textzeile für Textzeile auf T-Shirts malend.
Hört man "The Angst and the Money" nicht nur mit den Ohren, sondern auch mit dem Herzen, bleibt praktisch nur mehr eine Möglichkeit übrig.

Gerhard Stöger in FALTER 37/2009 vom 11.09.2009 (S. 24)


Rezension aus FALTER 31/2009

Die großartigen Ja, Panik veröffentlichen Ende September eine neue CD, doch zurück melden sie sich jetzt schon mit einer Vinylsingle (Schoenwetter). Die im Zeichen eleganter Hysterie stehende A-Seite, "Alles hin, hin, hin", ist ein von hämmernden Klavierakkorden befeuerter Hit zur Krise ("ohne Geld keine Angst, ohne Angst kein Geld"), die B-Seite verbeugt sich, thematisch passend, vor John Cales 35 Jahre altem Kracher "Fear Is a Man's Best Friend".

Überhaupt hat kleinformatiges Vinyl im österreichischen Pop derzeit Konjunktur. Gustav und Aber das Leben lebt covern sich auf ihrer hübschen, mit aufwendigem Cover und bedruckter Innenhülle auch sehr formschön gestalteten Split-Single ( www.sand-collektive.com) gegenseitig.

AdLl übersetzen "We Shall Overcome" balladesk ins Bandformat, im Gegenzug dreht Gustav "Hi-Ho Country Boy" durch den Gender-Fleischwolf und deutet ihn als leicht angestaubten Schlager mit Elektro-Einschlag.

Zwei neuarrangierte kolumbianische Traditionals aus dem Gustav-Deutsch-Film "a girl & a gun" sind ebenfalls als limitierte Single erschienen (Interstellar). Die atmosphärische Musik (im Kern: Klavier, Gitarre, abstrakte Elektronik) stammt von den Avantgardegrößen Christian Fennesz, Martin Siewert und Burkhard Stangl, den einmal eindringlich schmerzgebeutelten, einmal entwaffnend schönen Gesang steuert Lucia Pulido bei.

Das um den namensstiftenden Wiener Sänger, Songwriter und Gitarristen gruppierte Werner Kitzmüller Trio hat zwei toll arrangierte Songs in eine handgefertigte Siebdruck-Hülle verpackt (Valeot). "Just You" erstrahlt in trauriger Schönheit und klingt nach intimen Tindersticks, "Fall" ist ein brüchiges Stück Popexistenzialismus. Die stimmungsvolle Musik wird u.a. mit Cello und dezenter Elektronik gefertigt; ein Album soll folgen.

Gleich fünf Songs passen auf die in einer Auflage von gerade einmal 100 Stück erschienene Debütsingle des Wiener Trios Ilsebill (Fettkakao). Der supercharmante, unter stetem Instrumententausch entstandene Lo-Fi-Riot-Rumpel-Pop der drei Sängerinnen und Do-it-yourself-Multiinstrumentalistinnen kommt mal zurückhaltend, dann wieder forciert daher und trifft ohne Umwege mitten ins Herz; für Menschen ohne Plattenspieler liegt eine gebrannte CD als Bonus bei.

Gerhard Stöger in FALTER 31/2009 vom 31.07.2009 (S. 18)

Weiters in dieser Rezension besprochen:

we shall overcome / hi-ho country boy (Gustav, Aber das Leben lebt)
A Girl and a Gun (Christian Fennesz, Martin Siewert, Burkhard Stangl, Lucia Pulido)
just you (Werner Kitzmüller Trio)
Ilsebill (Ilsebill)

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