Oh My God, Charlie Darwin

von The Low Anthem

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Label: Bella Union
Erscheinungsdatum: 28.08.2009

Rezension aus FALTER 32/2009

Perfekt ist schlecht. Nicht ganz so gut ist besser. Nicht grottig, aber doch ruppig, auf keinen Fall glatt. Vom "homegrown sound" der Catskill Mountains ist auf der Homepage von The Felice Brothers die Rede. Die Burschen, die ausnahmsweise tatsächlich Brüder sind und Bob Dylans Kopfbedeckungen in der Pfeife rauchen, erinnern auf "Yonder Is the Clock" (Team Love) mit schnaufendem Akkordeon und rumpelndem Schlagzeug daran, dass diese zwischen elegischen Walzern und lebensbejahenden Wirts­hausstampfern schwankende Musik ursprünglich nicht für die Heimstereoanlage gedacht war – und dass es für Hühner kein Leben nach dem Tod gibt: "Run Chicken Run." Auch die zehn Mannen und Frauen der Akron/Family agieren im Rahmen eines eher tribalistischen Musikverständnisses: New/Weird Folk wird hier mit jubilierendem Psychedelic Rock und pastoralem Free Jazz kurzgeschlossen, auf "Set 'Em Wild, Set 'Em Free" (Dead Oceans) noch mit Funk-, Postrock- und Elektronikelementen aufgepimpt, was einen Heidenspaß macht, aber naturgemäß nicht für das rundeste Album aller Zeiten sorgt und die überbordende Vitalität vorangegangener Alben mitunter einem eklektizistischen Overkill opfert, in dem freilich noch immer genug fröhlicher Wahnsinn wohnt.
Etwas überschaubarer ist das ästhetische Konzept von The Low Anthem. Nur ein bisschen vereinfacht gesprochen bewegt sich das Trio mit seinem zweiten Album "Oh My God, Charlie Darwin" (Bella Union) zwischen Lagerfeuer, Kirche und Kneipe. "Wenn deine Klarinette kaputtgeht, heul keine Million Seen voll", spendet man Trost, ergeht sich in inbrünstigem, an die Fleet Foxes gemahnendem Gesang und steuert mit "To Ohio" die vielleicht ergreifendste Hymne der Saison bei.
Auf die Verschränkung von Folklore und Elektronik versteht sich das englische Trio Sweet Billy Pilgrim, dessen zweites Album "Twice Born Man" auf David Sylvians Label Samadhisound erschienen ist und für den renommierten Mercury Prize nominiert wurde. Es knistert und grammelt, wobei das Lagerfeuer hörbar aus dem Laptop kommt. Banjo und Bassklarinette sorgen für analoge Wärme und verbinden sich auf überzeugende Weise mit dem fistelstimmigen Gesang und den frickeligen akustischen Einlegearbeiten.

Klaus Nüchtern in FALTER 32/2009 vom 07.08.2009 (S. 18)

Weiters in dieser Rezension besprochen:

Yonder Is the Clock (The Felice Brothers)
Set 'Em Wild, Set 'Em Free (Akron/Family)
Twice Born Man (Sweet Billy Pilgrim)

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