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Label: Telarc/Edel
Erscheinungsdatum: 27.03.2009

Rezension aus FALTER 33/2009

Auf Youtube gelangte der amerikanische Dirigent Paavo Järvi jüngst zu einiger Bekanntheit, weil er das Pech hatte, dass seine polizeiliche Festnahme wegen Trunkenheit am Steuer auf Video festgehalten wurde.
Wer nun den Namen des Musikers googelt, dem wird von der Suchmaschine gleich einmal das Stichwort "betrunken" angeboten – noch vor "Beethoven". Wie ungerecht!
Gerade in Sachen Beethoven hat der 1962 in Estland geborene und 1980 in die USA emigrierte Dirigent weit mehr Stilsicherheit und Grandezza
bewiesen als beim polizeilich überwachten Torkeln auf der Linie.
Mit der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen arbeitet Järvi, Sohn des Dirigenten Neeme Järvi, an den neun Beethoven-Sinfonien – und machte damit vom ersten Ton an Furore. Mit seinem historisch bestens informierten, frei von akademischer Trockenheit aufspielenden Orchester legt der gelernte Schlagzeuger eine so zeitgemäße wie konsequente Lesart vor, die federnden Elan und drahtige Sprungkraft mit fein ausgehörter, schlanker Klanglichkeit verbindet.
Die Sinfonien Nr. 3 und 8, 4 und 7 sowie 5 und 1 sind bereits erschienen; nun folgte die Einspielung der Sinfonien Nr. 6 und 2 (RCA) und setzt die elektrisierende Ausgestaltung der revolutionären Energie in Beethovens Musik nahtlos fort.
Nicht allein, dass sich Paavo Järvi an eine Neudeutung des Klassikers wagte. Anders als sein jüngerer Bruder Kristjan (der, bis vor kurzem auch bei den Tonkünstlern Niederösterreich,
am Crossover aus Jazz, Rock und eingängiger Moderne arbeitet) ist Paavo generell ein Mann für die schwierigen Fälle des Repertoires.
Daheim in Ohio, bei seinem
Cincinnati Symphony Orchestra, nahm er gerade die 10. Sinfonie von Dmitri Schostakowitsch auf (Telarc) und blickt in seiner zupackenden, gleichwohl vielschichtigen Interpretation tief in die Abgründe dieser bissigen Musik.
Und auch bei seinem dritten Orchester, dem RSO Frankfurt, verlässt er die Trampelpfade. Von Gustav
Mahler nahm er vier selten gespielte Einzelsätze für Orchester auf (Virgin): "Totenfeier", "Blumine", das Adagio aus der unvollendeten Zehnten und Benjamin Brittens Arrangement von "Was mir die Blumen auf der Wiese erzählen". Werke allesamt, die Mahler für wenig gelungen hielt – was Paavo Järvi eindrucksvoll widerlegt.

Carsten Fastner in FALTER 33/2009 vom 14.08.2009 (S. 20)

Weiters in dieser Rezension besprochen:

Sinfonien 6 "Pastorale" & 2 (Deutsche Kammerphilharmonie Bremen, Paavo Järvi, Ludwig van Beethoven)
4 Movements (Radio Symphonie Orchester Frankfurt, Paavo Järvi, Gustav Mahler)

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