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Label: BR Klassik
Erscheinungsdatum: 18.09.2009

Rezension aus FALTER 40/2009

In Wien muss sich das RSO des ORF derzeit mit Grundsatzdebatten zu seiner öffentlich-rechtlichen Stellung herumschlagen. In München ­stehen die drei Klangkörper des Bayerischen Rundfunks – Sinfonieorchester, Rundfunk­orchester und Chor des BR – allenfalls insofern unter Kritik, als höflich angefragt wird, ob nicht speziell das SO durch seinen Erfolg vielleicht doch etwas zu sehr von den Verpflichtungen gegenüber dem eigenen Haus abgehalten wird.
Tatsächlich wurde dieses international gefragte Ensemble unter seinem Chef Mariss Jansons unlängst vom britischen Fachmagazin Grammophone zum besten Rundfunkorchester der Welt gewählt: Platz sechs in den Top 20, die vom Concertgebouw Amsterdam (übrigens ebenfalls unter Jansons) angeführt werden.
Das Concertgebouw veröffentlicht seine Einspielungen schon länger in Eigenregie, und so ist es wohl kein Zufall, dass nun auch der BR diesem Trend folgt und für seine drei Klangkörper mit BR Klassik ein eigenes Label gegründet hat. Zum Auftakt letzte Woche kamen acht Alben heraus, die exemplarisch die überzeugende inhaltliche Ausrichtung zeigen.
Zugpferd des Labels sind natürlich das Symphonieorchester und Mariss Jansons. Zu hören sind sie nun auf einem Konzertmitschnitt aus dem Wiener Musikverein (2007) mit einer zu Recht umjubelten Aufführung von Anton Bruckners 7. Sinfonie, mit Gustav Mahlers 7. Sinfonie und der "Harmoniemesse" von Joseph Haydn.
Bei Letzterer wird das SO vom Chor des BR unterstützt. Allein ist dieses atemberaubende Ensemble unter seinem jungen Chef Peter Dijkstra auf einem Album mit A-cappella-Messen von Frank Martin und Zoltán Kodály zu hören. Das Rundfunkorchester München unter Ulf Schirmer schließlich ist mit zwei Opernproduktionen vertreten: "Des Simplicius Simplicissimus Jugend" von Karl Ama­deus Hartmann und Leonard Bernsteins "Trouble in Tahiti".
Das neue Label nutzt auch die Archive des BR, den Anfang machen alte Mitschnitte von Martha Argerich mit Klavierkonzerten von Mozart (KV 456) und Beethoven (Nr. 1).
Und auch der öffentlich-recht­liche Bildungsauftrag wird vorbildlich erfüllt: mit einer packenden Werk­einführung von Wieland Schmid samt Musikbeispielen zu J.S. Bachs "Matthäuspassion".

Carsten Fastner in FALTER 40/2009 vom 02.10.2009 (S. 23)

Weiters in dieser Rezension besprochen:

Mahler: Symphonie Nr. 7 (Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, Mariss Jansons, Gustav Mahler)
Bruckner: Symphonie Nr. 7 (Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, Mariss Jansons, Anton Bruckner)
Hartmann: Des Simplicius Simplicissimus Jugend (Rundfunkorchester München, Ulf Schirmer, Karl Amadeus Hartmann)
Bernstein: Trouble in Tahiti (Rundfunkorchester München, Ulf Schirmer, Leonard Bernstein)
Martin: Messe für Doppelchor (Chor des Bayerischen Rundfunks, Peter Dijkstra, Frank Martin, Zoltán Kodály, Francis Poulenc)
Martha Argerich: Beethoven, Mozart - Klavierkonzerte (Martha Argerich, Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, Eugen Jochum, Seiji Ozawa)
Bach: Matthäuspassion (Wieland Schmid)

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