Karl Amadeus Hartmann und das Streichquartett
Mit historischen und neuen Sprachaufnahmen der Familie Hartmann

von Karl Amadeus Hartmann

Derzeit nicht lieferbar

Label: Cybele Records
Erscheinungsdatum: 23.10.2009

Rezension aus FALTER 43/2009

Dass jenes Schlüsselwerk, welches er sehr viel später als sein Opus 1 bezeichnen sollte, auf lange Zeit nicht in Deutschland gespielt werden würde, war dem jungen Komponisten von Anfang an bewusst: 1933 schrieb er sein 1. Streichquartett – "bei der ersten Judenverfolgung", wie er anmerkte. Und: "Das Thema vom Fugato des 1. Satzes ist ein jüdisches Volkslied."
Karl Amadeus Hartmann (1905–1963) war der integerste Komponist im Dritten Reich. Als Enfant terrible der Münchner Musikszene hatte er in den wilden 20ern Futurismus, Dada und Jazz kombiniert. Mit der Machtübernahme der Nazis 1933 aber legte er seine vielversprechend begonnene Karriere auf Eis, flüchtete sich in seiner "Hoffnungslosigkeit gegenüber der absoluten geistigen Leere im Land" in die "entsetzliche Leere der inneren Emigration".
Zwölf lange Jahre folgte Hartmann zwar dem Bedürfnis, mit seiner Musik ein humanistisches Bekenntnis abzulegen, das eigene Erleben der Terrorherrschaft zu schildern. Doch konnte er, der "Entartete", nur noch für die Schublade komponieren.
Ingo Metzmacher (siehe Feuilleton, Seite 30) dokumentierte vor Jahren Hartmanns Rang als Sinfoniker in unmittelbarem Vergleich zu dessen Zeitgenossen (Messiaen, Strawinsky, Webern u.a.). Ähnlich aufschlussreich ist nun ein hervorragendes Projekt des umtriebigen deutschen Labels Cybele (Gramola):
"Karl Amadeus Hartmann und das Streichquartett" versammelt auf drei SACDs die beiden Quartette, das Kleine Konzert sowie das Kammerkonzert in scharf und kontrastreich, manchmal wohl auch mit etwas grobem Strich, aber immer packend gezeichneten Interpretationen durch das DoelenKwartet und die Sinfonia
Rotterdam. Und ergänzt die Musik durch so ausführliche wie spannende Interviews mit der Witwe, dem Sohn und dem Komponisten selbst, aufgenommen kurz vor dessen Tod.
Kurze Ausschnitte dieser Aufzeichnung ergänzen auch einen Mitschnitt der Oper "Des Simplicius
Simplicissimus Jugend" (BR Klassik) mit dem Münchner Rundfunkorchester unter Ulf Schirmer. Geradezu prophetisch schrieb Hartmann diese Oper nach Grimmelshausen 1935 als Warnung vor jenem Krieg, den er damals schon fürchtete. In ihr erklingt, als "Trauergesang", die gleiche jüdische Melodie wie in seinem Opus 1.

Carsten Fastner in FALTER 43/2009 vom 23.10.2009 (S. 31)

Weiters in dieser Rezension besprochen:

Hartmann: Des Simplicius Simplicissimus Jugend (Rundfunkorchester München, Ulf Schirmer, Karl Amadeus Hartmann)

Bitte warten...

Sie haben folgendes Produkt in den Warenkorb gelegt:

{{var product.name}}


weiter einkaufen
zum Warenkorb